FKA Twigs verklagt Shia LaBeouf wegen angeblich „illegalem“ NDA aus ihrem Vergleich

FKA Twigs wirft Shia LaBeouf vor, nach einem „harmlosen“ Statement „exorbitante“ Summen aus ihr herauspressen zu wollen – per geheimer Schiedsklage.

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Während Shia LaBeouf letzten Monat auf den Straßen von New Orleans feierte und ausgiebig über seine Beziehung zu FKA Twigs sprach, versuchte er heimlich, seiner Ex-Freundin eine „exorbitante“ Geldsumme abzupressen – wegen einer angeblichen Verletzung der Bedingungen eines „rechtswidrigen“ NDAs, das an ihren Vergleich aus dem Jahr 2025 geknüpft ist. Das geht aus einer Klage hervor, die FKA Twigs am Mittwoch eingereicht hat.

In den beim Superior Court of Los Angeles eingereichten und von ROLLING STONE eingesehenen Gerichtsdokumenten behauptet die Grammy-prämierte Sängerin, bürgerlich Tahliah Barnett, LaBeouf habe im Dezember eine „geheime Schiedsklage“ eingereicht – und zwar wegen eines Interviews, das sie im Oktober dem „Hollywood Reporter“ gegeben hatte. Damit setze er sein Muster fort, sie „fast ein Jahrzehnt lang“ zu „kontrollieren“.

Zum Zeitpunkt des Interviews hatte die „Eusexua“-Sängerin gerade ihren Rechtsstreit aus dem Jahr 2020 gegen LaBeouf beigelegt, dem sie sexuelle Nötigung, Körperverletzung und psychischen Missbrauch während ihrer einjährigen Beziehung zwischen 2018 und 2019 vorgeworfen hatte. Auf die Frage, ob sie sich nach dem Erlebten „sicher“ fühle, antwortete Barnett offen.

Das Interview als Auslöser

„Nein, ich würde nicht sagen, dass ich mich sicher fühle“, sagte Barnett. „Ich bin sehr leidenschaftlich dabei, mich bei Organisationen wie Sistah Space und No More zu engagieren, um Überlebende auf jede mögliche Weise zu unterstützen. Ich glaube, es geht an diesem Punkt weniger um mich und mehr darum, nach vorne zu schauen. Einfach, na ja, mein Leben weiterzuleben.“

Dieses „lobenswerte, allgemeine und harmlose“ Statement, so die Klage, nutzten LaBeouf und seine Anwälte anschließend, um „exorbitante Summen von ihr für die angebliche Verletzung der (rechtswidrigen) NDA-Bestimmungen des Vergleichs zu fordern“.

Ein Anwalt LaBeoufs reagierte auf Anfrage von ROLLING STONE zunächst nicht.

Barnetts Anwalt greift an

In den Gerichtsdokumenten argumentiert Barnetts Anwalt Mathew Rosengart – der Britney Spears in ihrem Vormundschaftsstreit vertreten hatte –, LaBeouf versuche unverhohlen, Barnett zum Schweigen zu bringen, und verstoße damit direkt gegen den California STAND Act (Stand Together Against Non-Disclosure Act), der NDAs in Vergleichen aus Fällen sexueller Nötigung und Belästigung verbietet.

„Es geht in diesem Fall um Gerechtigkeit und Recht, nicht um Geld“, schreibt Rosengart in der 22-seitigen Klageschrift. „[Sie] hat aus diesem Verfahren weder beruflich noch finanziell etwas zu gewinnen. Sie reicht diese Klage ein, um ein Unrecht zu korrigieren – und auch im Namen anderer Frauen, die Opfer sexueller und häuslicher Gewalt sind und nicht die Mittel haben, sich zu äußern und sich gegen Täter zu wehren. Damit will sie sicherstellen, dass Überlebende sexuellen Fehlverhaltens nicht wie sie selbst durch Vereinbarungen eingeschüchtert oder zum Schweigen gebracht werden, die gegen kalifornisches Recht und die öffentliche Ordnung verstoßen.“

Die Klage argumentiert, LaBeoufs Schiedsklage sei aus drei Gründen rechtlich haltlos: Barnetts vages Statement, in dem LaBeouf nicht einmal erwähnt wird, würde selbst bei Durchsetzbarkeit des NDAs keine Bedingung verletzen; das NDA sei grundsätzlich rechtswidrig; und aufgrund von LaBeoufs eigenem Verhalten könne er keine nachweisbaren „Schäden“ durch eine etwaige NDA-Verletzung geltend machen.

Absurde Klauseln im Vergleich

Über die grundsätzlich behauptete Rechtswidrigkeit des NDAs hinaus hebt Rosengart die „Absurdität“ und „Unpraktikabilität“ einiger seiner Klauseln hervor, die laut der Klageschrift versuchen, „die Art und Weise einzuschränken, in der Ms. Barnett an Wohltätigkeitsorganisationen im Zusammenhang mit häuslicher und/oder sexueller Gewalt oder Missbrauch spenden kann“.

„Mit anderen Worten: Der Vergleich zielt nicht nur darauf ab, Ms. Barnett über ihre eigene Geschichte als Überlebende zum Schweigen zu bringen, sondern auch darauf, sie daran zu hindern, andere Überlebende zu unterstützen“, heißt es in der Klage weiter.

Laut Barnetts Klage behaupteten LaBeoufs Anwälte, nachdem sie am 4. Februar eine erste Antwort erhalten hatten, in der Barnetts Seite diese Argumente vortrug, LaBeouf sei „nicht vom STAND Act erfasst, weil er von Ms. Barnett 2020 angeblich nur wegen sexueller ‚Nötigung‘ (battery), nicht wegen sexueller ‚Körperverletzung‘ (assault) verklagt wurde und der STAND Act ihn als Täter sexueller Nötigung nicht abdecke“.

Festnahme mitten im Streit

Darüber hinaus hält die Klage fest, dass LaBeouf in New Orleans wegen Körperverletzung festgenommen wurde – weil er angeblich zwei Bargäste geschlagen hatte –, während seine Anwälte ihren Standpunkt noch aggressiv verfolgten und Schadensersatz von Barnett forderten. Er kam am nächsten Tag gegen Kaution frei und war wenige Stunden später wieder auf den Straßen beim Mardi-Gras-Treiben zu sehen.

Später in jenem Monat trat LaBeouf in einem YouTube-Interview auf, in dem er dem Moderator unaufgefordert und freiwillig von seiner Beziehung mit Barnett erzählte – „womit er genau jene Vertraulichkeitsbestimmungen wesentlich verletzte, deren volle Durchsetzbarkeit gegenüber Ms. Barnett er soeben noch behauptet hatte“, so die Klage.

Barnetts Klage führt aus, die Sängerin habe keine andere Wahl gesehen, als rechtlich gegen LaBeouf vorzugehen: Zwar habe er Anfang des Monats zugestimmt, seine eigene Schiedsklage fallen zu lassen, „weigerte sich jedoch weiterhin anzuerkennen, dass die NDA-Bestimmungen illegal und nicht durchsetzbar sind“.

Barnetts Forderungen

Die Sängerin beantragt eine Feststellungsentscheidung eines Richters, der das an ihren Vergleich geknüpfte NDA für „rechtswidrig, ungültig und nicht durchsetzbar“ erklären soll, sowie die Erstattung der Anwaltskosten für die Klage.

„Wenn Ms. Barnett – eine erfolgreiche Künstlerin und kulturelle Ikone – jahrelang zum Schweigen gebracht und eingeschüchtert werden kann, dann kann jede Frau, die Opfer sexuellen Missbrauchs wurde, ebenfalls zum Schweigen gebracht werden – vor allem jene mit weniger Ressourcen oder Zugang zum System“, heißt es in der Klageschrift. „Diese Klage wird darüber entscheiden, ob Ruhm und Geld eines prominenten Täters die wichtigen Rechte aushebeln können, die der Gesetzgeber geschaffen hat.“