Florence & The Machine: Das nächste Fräulein


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Gerüchte entstehen schnell. Vor allem, wenn der Aufstieg einer jungen Sängerin derart kometenhaft vor sich geht wie der von Florence Welch. Die 23-Jährige, deren Debüt „Lungs“ in diesen Tagen erscheint, erhielt den Kritikerpreis bei den „Brit-Awards“ und trat bei der „NME-Awards“-Tour neben Glasvegas und den White Lies auf.

Für die BBC sind ihre mal verträumten, mal kruden, von Klavier und Schlagzeugbeats unterfütterten Geschichten vom Lieben und Leiden schon jetzt der „Sound für 2009“. Und Vodafone kaufte ihre erste Single „Kiss With A Fist“ prompt für einen Werbespot. Eine Künstlerin, die mit so viel Ehre überschüttet wird, von der man aber so wenig weiß, macht die Presse erfinderisch.

So stammt der durchaus einfallsreiche Satz „Meine Musik ist die Musik, die Lily Allen oder Kate Nash machen würden, wenn sie eingeschlossen in einem Käfig voller Schlangen im Keller eines Beerdigungsinstituts in Louisiana aufgewachsen wären“ gar nicht von ihr- und sie schrieb ihre neuen Songs keineswegs gemeinsam mit dem Blur-Bassisten Alex James. Mit den prominenten Kollegen versteht sie sich nur blendend, mehr nicht.

Schreiben kann Miss Welch schließlich allein. Sie verfasste bereits Liebeslieder, bevor sie überhaupt Beziehungen mit Jungs führte. „Ich habe mir damals schon den Schmerz vorgestellt“, erinnert sich Welch. Am Camberwell College of Arts in London traf sie dann auf die Musiker, mit denen sie anfing, aus ihren Texten Songs zu machen. Für die einstige Chorsängerin kein leichtes Unterfangen: „Ich hämmerte auf dem Klavier oder Schlagzeug herum, und die anderen mussten es in richtige Musik verwandeln.“

Die ersten Experimente liefen unter dem Namen The Toxic Cockroaches- die Punkband war wohl auch eine der Quellen für „Kiss With A Fist“. Im Gegensatz zu den anderen Stücken des Debüts, die eher aus Pop-, Gospel- und Soulquellen schöpfen, zeigt sie in dem Hit ihre Begeisterung für punki-ge Gradlinigkeit. Mit The Toxic Cockroaches konnte es aber nicht weitergehen, und so hießen fortan alle Musiker, mit denen Florence Welch arbeiten sollte, der Einfachheit halber The Machine. „Ich wollte nicht immer nur das Gleiche machen“, erzählt die etwas aufgescheucht wirkende Sängerin über ihre musikalischen Visionen.

Doch wie kann es eigentlich sein, dass aus England im gefühlt wöchentlichen Wechsel Pop-Fräuleinwunder an die Oberfläche gespült werden? Ob Lily, Kate oder Amy MacDonald, La Roux, Adele und Bat For Lashes- aufregend frisierte junge Frauen dominieren dort eindeutig. „Wir wuchsen in der Britpop-Ära der Neunziger auf und hatten es irgendwann satt, immer nur Jungs auf der Bühne zuzuschauen. Also entschieden wir uns, selbst Musik zu machen“, lautet Welchs Erklärung. Keine schlechte Idee.

Jacek Slaski