Folge 11: Vondelpark. Mit langsamen Schritten aus dem Nebel

Fast war es ein wenig zu einfach, Lewis Rainsbury für ein Interview zu gewinnen. Der junge Brite, der mit  Alex Bailey und Matt Law unter dem Namen Vondelpark wunderbar schwerelose Songs komponiert, wurde nämlich in den Weiten des Internets zu einer Art Phantom stilisiert. Oder vielmehr: Vondelpark selbst war ein Phantom. Ob sich dahinter eine Band verbirgt oder ein Solokünstler, war nicht so leicht herauszubekommen. Das einzige Interview, das man lange Zeit finden konnte, stammte aus dem August letzten Jahres und wurde von der Website des Vice Magazins geführt, die es interessanter fand, drauf rumzureiten, dass Vondelpark nicht mal eine Myspace-Seite haben. Seitdem tauchten immer wieder verschwommene Videos zu tollen Songs auf, hoch gelobt in den einschlägigen Blogs und immer mit der Verwirrung begleitet, das man nicht wusste, wer oder was sich denn nun hinter Vondelpark verbirgt – außer dem namensgebenden Park in Amsterdam. Wer hätte gedacht, dass es nur eine Mail an das belgische Label R & S Records brauchte, die sich für den Release der „Sauna EP“ verantwortlich zeichneten.

Dennoch hat man das Gefühl, Lewis Rainsbury war es ganz Recht so, dass sie lange Zeit nicht greifbar waren. „Wir arbeiten im Moment konzentrierter denn je, und wir haben so langsam das Bedürfnis, ein paar Dinge klarzustellen: Aber wir sind definitiv dann am besten, wenn wir ganz in unserer Vondelpark-Welt versinken, was das Label uns auch immer ermöglicht hat.“ Und die Spekulationen über Vondelpark? „So was passiert eben, wenn die Leute über neue Künstler berichten wollen, aber keine handfesten Informationen haben. Anscheinend macht sich dann auch keiner die Mühe, selbst zu recherchieren, wenn das im Netz noch keiner für ihn erledigt hat.“ Die Sache mit der nicht vorhandenen Myspace-Seite will Lewis hingegen nicht zu hoch hängen: „Ich hatte selbst nie ein Myspace-Profil. Und als wir anfingen, mit R & S zu arbeiteten, wurde mir irgendwie klar, dass ich es schöner fände, wenn die Leute die Musik auch kaufen. Das Label steckt eine Menge Arbeit in uns, da wäre es ja auch ihr Verlust…“. Zum Glück haben Vondelpark es sich nicht nehmen lassen, ihre Songs mit zwar nur halbprofessionellen aber sehr stimmigen Videos zu bewerben.

Clips wie diese waren es schließlich auch, die die Kunde von Vondelpark im Netz verbreiteten. Private Amateuraufnahmen, wackelige Atmobilder –  wie gemacht für den schwer greifbaren Sound des Trios. „Hat ja lange gedauert, bis das erste The xx-Rip-off kommt“, ätzte ein User bei YouTube und trifft die Sache damit nicht wirklich. Auch Lewis Rainsbury weiß nicht so ganz, welche Zutaten ihr erstes musikalisches Lebenszeichen – die „Sauna EP“ auf R & S Records – innehat: „Das lässt sich schwer an konkreten Namen festmachen. Ich glaube, unser Sound fängt eher diese trübe, dunstige Stimmung ein, die viele Menschen in London momentan fühlen. Inspiriert haben uns dabei Musiker wie Pat Metheny, John Martyn, Dennis Wilson, Mogwai und Radiohead – aber ich weiß nicht, ob man das unserer Musik wirklich anhört. Mich hat vor allem interessiert, Sampling-Techniken und Auto Tune-Effekte, die man aus Mainstreamproduktionen kennt, in einem Lo-Fi-Umfeld anzuwenden.“

Man wird hoffentlich in den nächsten Wochen und Monaten noch einiges von Vondelpark hören, jetzt wo sie bereit sind, mit langsamen Schritten aus dem Nebel hervorzutreten. Dieses Interview – ihr erstes in Deutschland – dürfte da ein guter Anfang sein.

Die nebelige Informationslage führte dazu, dass nun jeder denkt, du bist ein schüchterner Solokünstler, der im heimischen Schlafzimmer dem Chillwave verfallen ist. Könntest du hier noch mal klarstellen, wer was in der Band macht?
Lewis Rainsbury: Die Bezeichnung „Band“ führt zwar in der Popkultur immer wieder zu Missverständnissen, aber es gibt wohl leider keine bessere. Ich arbeite alleine im Studio, wenn ich die Songs arrangiere und Vocals und Samples hinzufüge. Alex (Bailey), Matt (Law) und ich erarbeiten jedoch einen Großteil der Hooks und Akkordfolgen in gemeinsamen Jam-Sessions, aus denen ich dann die meisten Samples gewinne. Die beiden vertrauen mir, dass ich produktionstechnisch die richtigen Entscheidungen treffe. Wir liegen da eigentlich immer auf einer Linie – und ich mache dann die finale Feinarbeit.

Ihr seid alle zuvor in anderen Bands gewesen und wolltet es diesmal ein wenig behutsamer angehen. Das hattest du mal in diesem Vice-Interview gesagt. Warum denn eigentlich? Hattet ihr schlechte Erfahrungen gemacht?
Das nicht. Wir  hatten nur die Schnauze voll davon, immer wieder vom neuen heißen Scheiß zu hören und dann zu merken, dass weder Herz noch Leidenschaft involviert sind. Ich bin bereit, Vondelpark die Zeit zu geben, die wir brauchen, und wir finden gerade erst – menschlich wie  musikalisch – in den richtigen Tritt. Aber ich bin froh, dass wir nun langsam mit interessanteren Fragen konfrontiert werden. Das zeigt uns, dass es Menschen gibt, denen wir zumindest etwas bedeuten. Hätte ich aufgrund von ein paar Youtube-Hits schon jedem meine Lebensgeschichte vor die Füße geworfen, wären wir vermutlich schon längst wieder vergessen.

Was macht ihr denn eigentlich, wenn ihr nicht gerade Musik macht?
Klangkunst studieren, über den Straßenmarkt in Dover schlendern, kiffen und bei Domino’s Pizza bestellen.

Und was würdest du nie für ein Karriere tun?
Mich für eine Modestrecke fotografieren lassen.

Wie weit wollt ihr Vondelpark denn treiben?
Wir sind schon jetzt zufrieden, weil wir anscheinend mit unserer Musik ein paar Leute berühren konnten. Das war unser erklärtes Ziel. Vergleichsweise würd es aber auch ein Headliner-Slot auf dem Glastonbury noch vor meinem 30. Geburtstag tun…

Und wo seht ihr euch in – sagen wir – zwei Jahren?
Hoffentlich machen wir was Ungewöhnliches. In Bombay am zweiten Album schreiben – das wäre eine feine Sache. Wir wollen auf jeden Fall viel reisen und uns in interessante Situationen begeben, die unsere Musik bereichern können. Und dabei kreieren wir dann hoffentlich etwas noch nie da Gewesenes…

Wann kann man euch mal in Deutschland sehen?
Im Herbst werden wir vermutlich ein paar Gigs in Europa spielen. Berlin wollen wir auf jeden Fall besuchen. Meiner Meinung nach ist das die zweitbeste Stadt – gleich hinter Amsterdam. Bis dahin hoffen wir einfach, dass das Berghain irgendwann den Drang nach smoothem, entspannten, sexy Soul verspürt und merkt, dass nur ein Vondelpark DJ-Set das liefern kann…

Letzte Frage: Kannst du uns einen Act nennen, den wir unbedingt auf unsere Artist To Watch-Liste setzen sollten?
Dekapote mit „The Gummo Album“! If you want some summery laid back instrumental mixtape vibingzz…

Hier finden Sie die übrigen Kandidaten unserer „12 für 2012“:


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