Folge 4: Alabama Shakes. Welcome to Athens, Alabama!


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Athens, Alabama (nicht zu verwechseln mit der Heimat von R.E.M.) ist, so klischeevoll das klingen mag, eines dieser identitätslosen Käffer in den Südstaaten der USA, die man als junger Mensch mit Träumen so schnell wie möglich hinter sich lassen will. Knapp 20.000 Einwohner, eine kleine Uni, größter Arbeitgeber ist das Atomkraftwerk Browns Ferry Nuclear Power Plant, in dem sich in den Siebzigern einer der größten atomaren Zwischenfälle in der Geschichte der USA ereignete.

„Athens ist ein schöner Platz, um Kinder großzuziehen und ein normales Leben zu führen“, sagt Brittany Howard, „aber wenn man andere Pläne hat, kann man dort eigentlich nur saufen.“ Howard ist die Sängerin der Alabama Shakes, einer neuen Band aus Athens, die auf den ersten Blick sämtliche vermeintlichen Regeln und Klischees geschickt umkurvt − und vielen vielleicht gerade deshalb so vorkommt, als sei sie der Fantasie eines geschickten A&R-Managers entsprungen.  Da ist zunächst die Sängerin selbst: Howard, 23, ist kräftig bis dick, schwarz und entspricht in keiner Weise gängigen Schönheitsidealen. Dafür hat die Frau eine Stimme, wie man sie nur noch selten hört in diesen Tagen: eindringlich und soulful, aber im entscheidenden Moment zupackend, asthmatisch rasselnd, angriffslustig. Eine Stimme irgendwo zwischen Caleb Followill, Janis Joplin und Bon Scott.

Damit sind auch schon die wesentlichen Koordinaten der Band benannt. Die Alabama Shakes, darin liegt ihr Verdienst, verknüpfen eindrucksvoll einige der wichtigsten Strömungen der aktuellen Rockmusik: den Südstaaten-Indie der Kings Of Leon mit dem Rauschebart-Folk-Rock von Bands wie My Morning Jacket sowie dem Neo-Soul von Adele, Amy Winehouse und all den anderen. Eine Band mit so unterschiedlichen Einflüssen konnte wohl nur in einem Kaff wie Athens passieren, wo man froh ist, überhaupt jemanden zu finden, der ein Instrument spielt und es keine Szenen oder Codes gibt. Howard und der Bassist Heath Fogg kennen einander, seit sie 13 sind. Irgendwann nahmen sie sich ein Herz und fragten Zac Cockrell, den besten Gitarristen ihrer Schule, ob er sich ihnen anschließen wolle. Das Line-up komplettierte schließlich der Rock-Schlagzeuger Steve Johnson.

Anlässlich des letzten Record Store Day spielten die Shakes dann in Nashville. Ein begeisterter Zuhörer berichtete einem Freund aus L.A. von der Band, der schrieb einen Bericht in seinem Blog, am nächsten Tag klingelten sämtliche Telefone: „Dieser Blog hat 20.000 Leser täglich. Plötzlich hatte ich das ganze Postfach voll mit Anfragen von Managements, Plattenfirmen, Produzenten“, sagt Howard. Die Plattenfirmen überboten sich gegenseitig, schließlich unterschrieben die Shakes bei ATO. So viel Begeisterung ruft auch Kritiker auf den Plan: Als der Blogger Bob Lefsetz schrieb, die Shakes seien ein Synonym für unsere Zeit, in der durchschnittliche Bands künstlich hochgejazzt würden, obwohl sie nicht das Potenzial für eine längere Karriere hätten, pflichteten ihm diverse Studio-Granden aus der traditionsreichen Heimat der Band bei. Das Alabama-Shakes-Debüt hatte Lefsetz freilich ebensowenig gehört wie die vielen Follower der Band bei Facebook − das Album erscheint erst im April.

Die Alabama Shakes sind – von uns präsentiert – im April auf Tour. Wir verlosen 2×2 Tickets für das Hamburg-Konzert. Wer hin möchte, der schreibe uns mit dem Stichwort „Alabama“ an verlosung@www.rollingstone.

26.04. Hamburg, Molotow

27.04. Berlin, Magnet

Infos: www.fkpscorpio.com

Wir stellen Alabama Shakes in unserem Artist To Watch Special: 12 für 2012 vor. Hier finden Sie die bisherigen Folgen: