Fred Schneider von den B-52’s: Vor diesem Song hat er Angst

Mit fast 75 Jahren steht Fred Schneider noch ­immer gerne mit den B-52’s auf der Bühne.

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Vor 50 Jahren erfanden Fred Schneider, Kate Pierson, Keith Strickland, Cindy Wilson und ihr Bruder Ricky in Athens ein Musikgenre: New Wave, garniert mit Sixties-Call-and-Response-­Gesang, Secondhand-Minikleidern, Hochfrisuren, Keyboardminiaturen und Riffs. The B-52’s machten auch nach dem Aids-Tod von Ricky 1985 weiter und präsentierten mit „Rock Lobs­ter“, „Party Out Of Bounds“ oder „Dance This Mess Around“ erfolgreich das Lebensmotto eines queeren, selbstermächtigten Undergrounds. Zum Zoom-Inter­view ist Schneider pünktlich, weigert sich aber, die Kamera anzuknipsen – der von der B-52’s-Las-­Vegas-Residency im Venetian Zugeschaltete ist gerade erwacht und fühlt sich „etwas derangiert“. Ausgeschlafen erlebt man ihn in seinen „Fred Sez“-Clips auf Social Media. Darin sinniert er etwa: „If life hands you lemons, put them in the freezer and throw them at people that make you miserable.“

Und, wie ist das, in Las Vegas ­aufzutreten?

Verrückt. Die Leute singen die ganze Zeit mit, und wenn ich meinen Text vergesse, muss ich nur zuhören.

Was ist bei aktuellen B-52’s-Gigs anders als früher? Weniger Groupies?

Wir werden besser bezahlt! Haha. Nein, Groupies hatten wir schon damals nicht, vielleicht war ich auch zu dämlich, um die zu bemerken … Die Leute wollten eher mit uns befreundet sein. Außerdem war ich meistens in Beziehungen. Jetzt sehen mich die Fans eher als ihren netten, wilden Onkel. Aber wir sind immer noch spitze. Wir sind kein flacher „campy Pop“, nicht fancy. Unser Sinn für Humor hat sich nicht geändert – wir sind wohl eher noch alberner geworden.

Haben Sie junge Fans?

Ja, das ist irre, da kommen ganze Generationen. Ich bekomme Videos geschickt, in denen Knirpse zu B-52’s tanzen. Sie krabbeln auf die Couch und singen: „Looking for my baby!“

Für mich waren Sie immer auch politisch, weil Sie queere und Hetero-Mitglieder, Frauen und Männer zusammenbringen …

Wir haben politische Songs und interessieren uns für linksliberale Politik. Doch wir hatten uns entschieden, Songs einfach passieren zu lassen, sie nicht mit politischen Absichten zu schreiben. In Interviews haben wir aber schon über Politik gesprochen – ich wollte nicht nur über meine Kleidung reden. Es hieß damals, wir würden den „Thrift-Shop-Schick“ bekannt machen, und ich sagte: Schaut euch die Klamotten mal an, die sind alles andere als „schick“!

Die politische Situation in den USA ist beängstigend. Ist es als queerer Mensch schwerer ­geworden?

Manche Dinge sind leichter – vor 40 Jahren gab es wahrscheinlich in der Öffentlichkeit noch mehr Gay-Bashing als heute. Aber das ist ja eh nur ein Aspekt meines Lebens, ich bin vielleicht auch nicht sofort als schwuler Mann zu erkennen. Ich habe mich immer als „try-sexual“ bezeichnet: I try anything! Jedenfalls unterstützen wir queere Interessen.

Gibt es einen Song, den Sie nicht mehr spielen?

„Quiche Lorraine“, denn bei dem habe ich bei einem Fernsehauftritt mal den Text vergessen, das hat mich traumatisiert. Was für ein weirder Song! Ich war stoned, als ich den schrieb. Aber ich bin nicht „Love Shack“-müde und schon gar nicht „Rock Lobster“-müde. Wir bringen die Songs immer noch besser als eine Coverband! Manchmal muss ich bei Hochzeiten Coverbands über mich ergehen lassen, die „Love Shack“ nachspielen … Ich tu dann so, als fände ich das lustig.

Ist „Downtown“ Ihre einzige ­Coverversion?

Ja. Ich habe Petula Clark sogar mal getroffen. Den Song sollten wir mal wieder live spielen! Ansonsten covern wir nicht, ich ruiniere aber ab und an gern Songs beim Karaoke. Zum Beispiel „Laughter In The Rain“ von Neil Seadaka, dann singt mein Assistent den Text und ich mache das Gelächter.

Schmeißen Sie eine Party zu ­Ihrem 75. Geburtstag am 1. Juli?

Irgendjemand sollte auf jeden Fall eine schmeißen! Normalerweise feiere ich auch am 4. Juli, aber bei dieser politischen Lage werde ich an dem Tag wohl eher Schwarz tragen.

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