Gary Lightbody + Peter Buck = Tired Pony


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Anfang Januar wirkten die Andeutungen von Gary Lightbody fast noch ein wenig wie eine typische Spinnerei, die zu einem Supergroup-Twitter-Gewitter heranwuchs. Damals sagte der Snow Patrol-Sänger, er wolle in Portland ein Country-Album aufnehmen. Tja, das gibt es nun tatsächlich. Und was man so hört, kann Angst und Hoffnung zugleich machen.

Denn man fürchtet sich schon ein wenig vor dem Ergebnis, wenn ein zweifelsohne toller – aber in letzter Zeit eher durch Schmachtfetzen auffällig gewordener – Sänger aus Nordirland sagt, er wolle eine Countryplatte machen. Und dann auch gleich die heiligsten Namen in die Runde wirft: „Das Album wurde inspiriert von meiner Liebe zu Wilco, Calexico, Lambchop, Palace, Smog – all diese Bands, die auch die düsteren Seiten Amerikas besingen.“ Auch Songtitel wie „Get On The Road“ oder „Dead American Writers“ oder „Northwestern Skies“ lassen den Klischee-Keuler auch schon vor freudiger Erwartung zittern.

Aber die Liste der beteiligten und die ersten Hörproben machen durchaus Mut: Zum einen ist da die nicht unspektakuläre Mitarbeit von R.E.M.s Peter Buck, der sich von der einwöchigen Zusammenarbeit geradezu begeistert zeigte. Es habe sich alles sehr „kraftvoll“, „frei“ und auch „emotional“ angefühlt. Und: „Ich weiß nicht, ob Gary geplant hatte, es über die gemeinsame Woche hinaus weiterzuführen, aber am Ende der Wochen fühlten wir uns definitiv wie eine Band.“ Es wäre verrückt, dieses Gefühl nun nicht auszukosten so Buck.

Diese besagte Band besteht neben Lightbody und Buck im harten Kern aus: Troy Stewart und Iain Archer (beides Mitglieder aus dem groesseren Snow Patrol Umfeld), Belle & Sebastian-Drummer Richard Colburn, Produzent Garret ‚Jacknife‘ Lee sowie Scott McCaughey (seit 1994 ebenfalls staendiger Aushilfsmusiker bei R.E.M.). Da kann man doch nicht meckern. Auch die beiden She & Hims Zooey Deschanel und M. Ward wirkten mit – und sogar Tom Smith, der zu countryesken Klängen gar keine so schlechte Figur macht. Das Album, das den Namen „The Places We Ran From“ trägt, wird am kommenden Freitag erscheinen. Nun gibt es den ersten Clip zur Single: „Dead American Writers“. Wem der junge Mann vor der Kamera bekannt ist, der darf einen exquisiten Filmgeschmack sein Eigen nennen – Joseph Gilgun war nämlich der sympathische Skinhead Woody aus Shane Meadows „This Is England“:

Ebenfalls sehr sehenswert ist diese Kurzdokumentation, über die gemeinsame Arbeit im Studio: