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„Geilomat!“ Interview und Session mit Nicolas Sturm

Der Name ist gut, so Tarantino-„Inglourious Basterds“-gut. Nicolas Sturm. Es kommt aber noch besser. „Das Schlimmste sind die Duschdinger, die man mit Aufklebern bekleben muss. Vorne und hinten per Hand.“ Die Rede ist von L‘Oréal-Shampoo. Um sein Leben und seine Musik zu finanzieren, arbeitete der dreißigjährige Songwriter zwei Jahre lang am Band. In der Fabrik in der Nähe von Karlsruhe gibt es mehrere Linien. Die Shampoo-Linie, die Wimperntusche-Linie und so weiter. Zu Schichtbeginn kommen die Linienführer. Die niederen Arbeiter tragen Schilder auf der Brust, auf denen nur Früh- oder Spätschicht steht, kein Name. Die Führer selektieren. „Du, du und du, du kommst zu meiner Linie“, und so entscheidet sich, ob Shampoo oder Mascara für die nächsten acht Stunden dein Freund ist. In den zwei Jahren hätte Sturm es ja auch zum Linienführer bringen können, sagt er. Aber das Wort Führer habe ihn abgeschreckt. Bei seinem Namen käme das aber schon gut. „Sturmführer“, kichert er.

Mit dem ersten Plattenvertrag in der Tasche muss er zum Glück nicht mehr kleben. Vor Kurzem hat er den Panik-Preis der Udo-Lindenberg-Stiftung gewonnen: 3000 Euro und ein Auftritt mit Udo, der auch mehr so in die Richtung Tarantino ging. Beim Hesse-Festival in Calw, Sturm hat schon gespielt, ist Udo an der Reihe. „Noch zwei Songs“, sagt eine Stagehand. Lindenbergs Bodyguard reicht ein großes Tablett mit Eierlikör herum. Dann wird Sturm auf die Bühne geschubst, keine Ahnung, welcher Song gleich kommen wird. Er schaut hilfesuchend zum Panik-Gitarristen. Dann spielt er einfach mit. Udo legt den Arm um ihn, sie gehen vor zum Teleprompter. Sturm hat Angst, auch noch singen zu müssen. Muss er aber nicht. Noch mal gut gegangen.

Seit zwei Jahren spielt Sturm solo, vorher in kleinen Bands, die nach Tomte und Tocotronic klangen. Sein Vater hat ihn mit den Sixties in Kontakt gebracht: Beatles, Kinks, Stones. Sturm wäre fast nach Liverpool an die Musikschule. Blieb dann doch und begann, deutsche Songs zu schreiben.

Er erzählt von Stacheln und Dornen, von Bob Dylan und Ben Hur. Er trägt Schuhe vom Wiener Schumacher Ludwig Reiter, macht also auch stilistisch alles richtig. Sturm dichtet und singt auf seinem Debüt so schön wie zurzeit höchstens Gisbert zu Knyphausen. Und das ist irre gut oder wie Udo sagen würde: „Geilomat!“


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Eine amateurhafte Aufnahm des frühen „I Feel It In My Heart“ (1976) zeigt die allerliebste Tina Weymouth mit gescheitelter Kurzfrisur an ihrer großen Bassgitarre, die sie ja bediente wie kein anderer Mensch - sie gab stets das Muster für das Bassgitarrespielen überhaupt. Der nervöse David Byrne singt dieses zarte, verzweifelte Lied über jemanden, der gern Freude an seiner Arbeit hätte und der Familie ein Sonnenschein wäre. Er müßte es halt nur noch entschiedener versuchen, glaubt er. https://www.youtube.com/watch?v=ewY34GqbRkA Damit war der Ton vorgegeben, der die Studien in Soziopathie auf „77“ (★★★★★) bestimmt. Zum trockenen Groove besingt Byrne die Nöte und Wonnen…
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