Gorillaz: iPad-Album „The Fall“ nun auf Vinyl und CD


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Es war wie Weihnachten, und es war sogar Weihnachten, als die Gorillaz am 25. Dezember 2010 ein neues Album herausbrachten – „The Fall“ wurde an Fanclubmitglieder verschenkt, wer sich in den Newsletter der Band einschrieb, konnte es in voller Länge im Stream hören. Der Clou: Das Album wurde komplett auf dem iPad aufgenommen. Ob da wohl Apple-Gelder geflossen sind?

Nun verkündeten die Gorillaz, dass sie „The Fall“ auch in die Welt der physischen Tonträger bringen wollen. Laut einer Pressemitteilung wird „The Fall“ in England am International Record Store Day – dem 16. April – als 180g-Vinyl-Pressung erscheinen. Der reguläre CD- und Download-Release erfolgt bereits heute. Bisher ist noch unklar, ob der immer noch aktive Stream dann heruntergenommen wird.

In der Pressemitteilung meldet sich auch Cartoon-Charakter 2D zu Wort. In seiner aus den Videos bekannten, bräisgen Art erzählt er, wie simpel das alles lief mit „The Fall“: „The Fall, is mostly just me,“ so 2D, „something more gentle and just … well … it’s just me and an iPad really mucking about … trying out some stuff. Just looking at America and then tapping on the screen … I’m not really concentrating too hard on it … So, right, each album got all of us on it somewhere, but each time it’s … more of one of us than the others … Well, that’s how I see it anyway.“

Aha. Wir haben zu dieser Meldung noch einmal die Besprechung des Albums herausgesucht. Hier ist sie. Der Link zum Stream findet sich am Ende des Artikels:

Damon Albarn und Jamie Hewlett haben mit ihren Gorillaz schon jetzt Popmusikgeschichte geschrieben. Als virtuelle Band gestartet, zum Allstarsensemble mutiert und allerorts als visuell umwerfendeds Live-Erlebnis gefeiert, dürfte ihnen schon jetzt ein Ehrenplatz sicher sein. Nun legt Damon Albarn allerdings noch einen drauf und legt ein mit dem iPad aufgenommenes Album vor. Gab’s das schon mal?

Dem NME sagte Albarn in diesem Zusammenhang: „Ich will das Album unbedingt bis Weihnachten rausbringen, so dass erst gar nicht der Eindruck entsteht, ich hätte ewig dran rumgebastelt und den Sound nachbearbeitet. Wenn ich damit noch bis zum nächsten Jahr warte, werden die Zyniker mutmaßen, dass ich das getan hätte. Wenn ich es bis Weihnachten schaffe, wird das keiner glauben: Schließlich bin ich bis dahin ununterbrochen auf Tour.“

Tatsächlich hat Albarn bei jedem Song penibel in den Linernotes dokumentiert, wo er aufgenommen wurde. So entstanden überwiegend in Nordamerika und Kanada 15 Songs, die allesamt den jeweiligen Aufnahmeort thematisieren. Musikalisch fruchtbar war dabei zum Beispiel der Stopp in Houston – „The Parish Of Space Dust“ ist eines der Highlights auf „The Fall“. Radiosamples, spacige Keyboardflächen (logisch) und verhallte Gesänge, die zusammen ein wenig klingen wie Spiritualized auf Tranquilizern (vor ihrer Gospelphase natürlich). Auch die Stopps in New Jersey und Virginia, die Albarn zu „HillBilly Man“ inspirierten, zeigen die Gorillaz in guter Form. Mick Jones klampft anfangs versonnen, Albarn singt, als sehne er sich auf den „Melancholy Hill“ zurück – bis der Song plötzlich bricht, weirde Bläsersounds auffährt und sich von einem Sample anfressen lässt, das einem hawaiianischen Kriegsgesang nachempfunden ist. Bobby Womack, fester Begleiter der Tour, darf auf „Bobby In Phoenix“ an der Gitarre den Blues schieben, während die Gorillaz im Hintergrund etwas wirr herumfiepen. Die Band selbst sah wohl den Boston-Song „Revolving Doors“ am ehesten als potentielle Single und stellte ihn als Stream ins Netz. Auch keine schlechte Wahl, wie man hier hören kann:

Diesen recht überzeugenden Songs stehen jedoch zahlreiche Nummern entgegen, die im besten Falle experimentell zu nennen sind und wohl eher dazu gedient haben, Tourfrust bzw. -Langeweile zu vertonen. „The Joplin Spider“ zum Beispiel ist billigster Fader-Noise, der allerdings veritable Kopfschmerzen verursacht. „Aspen Forest“ führt zum selben Ergebnis, setzt als Schmerzensbringer aber auf kindliche Fingerübungen am Keyboard. „California And The Slipping Sun“ wiederum mäandert von Zugansagen über Werbesamples und konventionellem Gesang bis hin zu Vocodereinsätzen und aufgenommenen Tourgesprächen. Sehr schön aber kaum durchhörbar ist auch der kurze „Seattle Yodel“, der eben genau das ist.

Dennoch muss man am Ende mal wieder feststellen, dass Albarn kann, was er kann und mit „The Fall“ eine Songsammlung verschenkt, die manch andere Band als regulären Release in die Läden gestellt hätte. Auch die Soundqualität überzeugt – solange man das Album nur auf dem Computer oder dem iPad hört. Aber für eine Vinylveröffentlichung ist es ja eh nicht gemacht worden. Deshalb bleibt als Fazit für dieses Geschenk eindeutig ein herzliches: Danke, Damon!

Hier die komplette Setlist von „The Fall“. Für Technikfreaks findet sich am Ende der Liste eine Auflistung aller verwendeter Apps. Das Album gibt es hier for free.

1. PHONER TO ARIZONA
Recorded in Montreal on 3rd October

2. REVOLVING DOORS
Recorded in Boston on 5th October

3. HILLBILLY MAN
Recorded in New Jersey and Virginia on 10th and 11th October
Additional Guitar: Mick Jones

4. DETROIT
Recorded in Detroit on 13th October

5. SHY-TOWN
Recorded in Chicago on 15th October

6. LITTLE PINK PLASTIC BAGS
Recorded in Chicago on 16th October
Additional Keyboards: Jesse Hackett

7. THE JOPLIN SPIDER
Recorded in Joplin on 18th October
Additional conversations with: Darren ‘Smoggy‘ Evans

8. THE PARISH OF SPACE DUST
Recorded in Houston on 19th October

9. THE SNAKE IN DALLAS
Recorded in Dallas on 20th October

10. AMARILLO
Recorded in Amarillo on 23rd October

11. THE SPEAK IT MOUNTAINS
Recorded in Denver on 24th October
Stream and forest recorded in Santa Fe on 25th October by Mike Smith

12. ASPEN FOREST
Recorded in Santa Fe on 25th October and in Vancouver on 3rd November
Additional Bass: Paul Simonon
Additional Qanun: James R Grippo

13. BOBBY IN PHOENIX
Recorded in Phoenix on 26th October
Vocals and Guitar: Bobby Womack

14. CALIFORNIA AND THE SLIPPING OF THE SUN
Recorded in Oakland on 30th October
Train station announcement recorded at LA Train Station.
Additional conversation with: Darren ‘Smoggy‘ Evans, Mick Jones, Jamie Hewlett and Tanyel Vahdettin.

15. SEATTLE YODEL
Recorded in Seattle on 2nd November
Featuring the Archie McPhee Yodelling Pickle. Copyright 2008 Archie McPhee and Company www.mcphee.com/shop/products/Yodelling-Pickle.html

iPad Applications Used: Speak It! / SoundyThingie / Mugician / Solo Synth / Synth / Funk Box / Gliss / AmpliTube / Xenon / iElectribe / BS-16i / M3000 HD / Cleartune / iOrgel HD / Olsynth / StudioMiniXI / BassLine / Harmonizer / Dub Siren Pro / Moog Filatron