Der neue Streaming-Dienst der Grateful Dead ist das „größte Tape-Transfer-Projekt in der Geschichte des Rock“

Play Dead startet mit über 300 Konzertaufnahmen – darunter 20 bislang unveröffentlichte Archivmitschnitte.

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Deadheads können ab sofort rund 300 Konzertaufnahmen streamen – viele davon erstmals überhaupt auf einer Streaming-Plattform. Möglich macht das Play Dead, ein Abonnementdienst auf Nugs. Wie „Billboard“ berichtet, kooperiert der Service mit Grateful Dead Productions und Rhino Entertainment und bietet für zahlreiche legendäre Konzerte High-Resolution-Audio. Die Zusammenarbeit startete mit 20 bislang unveröffentlichten Archivmitschnitten und hat keinen Einfluss auf die physischen Veröffentlichungen der Band über Rhino.

Die Idee hat eine lange Vorgeschichte: Die Grateful Dead hatten bereits im Jahr 2000 mit Nugs-Gründer und CEO Brad Serling an einem ähnlichen Projekt namens Project Bandwagon gearbeitet, das damals jedoch nie realisiert wurde. Technologische Entwicklungen der Zwischenzeit – Hochgeschwindigkeits-Streaming, iPhones und so weiter – ebneten schließlich den Weg für die Zusammenarbeit mit Rhino und Dead-Archivar David Lemieux. Gemeinsam begannen sie, Mehrspurbänder, Reel-to-Reels und DAT-Kassetten zu digitalisieren. „Was wir jetzt in Angriff nehmen, ist das größte Tape-Transfer-Projekt in der Geschichte des Rock & Roll – soweit ich weiß, zumindest für eine einzelne Band“, sagte Serling gegenüber „Billboard“.

Der Grund für die lange Anlaufzeit liege laut Lemieux in der Qualitätskontrolle. Wie „Billboard“ anmerkt, kursieren rund 2.300 einzigartige Dead-Bootlegs. Das Play-Dead-Team hat sie so gemastert, dass sie deutlich besser klingen als tausendfach überspielte Kassetten. „Das hier ist kein ‚Schnell übertragen und raushauen’“, betonte Lemieux. Die Mindestauflösung für Audio auf der Plattform beträgt 24 Bit und 48 kHz – weit überlegen gegenüber einer herkömmlichen CD.

Mehr als nur Archive

Weitere Vorzüge von Play Dead sind laut den Machern kuratierte Auswahlen von Lemieux, die Möglichkeit, eigene Playlists zu erstellen, sowie eine benutzerfreundliche Oberfläche, die den sonst unübersichtlichen Backkatalog der Dead navigierbar machen soll. Außerdem wird Play Dead – anders als die bisherigen Archivveröffentlichungen, die stets vollständige Konzerte umfassten – auch Teilmitschnitte anbieten.

„Das ist das Nächste, was Sie dem Tonträger kommen können, der damals mit der Band im Raum war – abgesehen von den Bandmitgliedern selbst und denen, die vielleicht noch am Leben sind“, sagte Serling gegenüber „Billboard“. „Das ist das letzte lebendige Relikt dessen, was an einem bestimmten Abend mit der Band im Raum war – und wir erstellen davon eine hochauflösende digitale Aufnahme.“

Die Ankündigung folgt auf eine Reihe von Würdigungen der Dead nach dem Tod von Gitarrist Bob Weir. John Mayer, der in Dead & Company neben Weir die Leadgitarre gespielt hatte, startete auf Sirius XM eine wöchentliche Listening Party für Dead-Fans. Und Schauspielerin Chloë Sevigny hat die Produktion eines Films über Deadheads begonnen.