Greatest Hits und Arschparade: So war Pharrell Williams in Berlin


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Ist das jetzt ein Konzert oder ein Adidas-Showcase? Vor lauter Dreiblatt-Logos kann man da schonmal durcheinander kommen. Pharrell Williams – dieses Mal nur einen Hut der Größe M tragend – hat sich samt Backing-Band und Tänzerinnen ganz markentreu eingekleidet, sogar auf dem Allerwertesten des Sängers prangt das große Logo. Williams ist Geschäftsmann, da muss die künstlerische Glaubwürdigkeit eben etwas leiden. Das stört an diesem Abend in der Berliner Max-Schmeling-Halle jedoch keinen, denn etwas kann der musikalische Allrounder noch besonders gut: Party machen.

Schon beim Opener „Come Get It Bae“ erweist sich das Publikum als feierwütig. Da bleibt Williams nur noch ein zufriedenes Nicken. „I like to break the rules. I heard Berlin had a wall once and you broke the rules, too“, erklärt der Sänger bevor er sein Greatest-Hits-Set beginnt. Na gut, den Fall der Mauer mit Songs wie „Hot In Herre“ und „I Just Wanna Love You“ zu vergleichen, mag etwas hoch gegriffen sein, aber sehen wir das mal nicht so eng.

Das Tanzen überlässt das Multi-Talent an diesem Abend größtenteils den „Baes“, seinen fünf Background-Tänzerinnen, die zeitweise etwas verloren um ihn herumhopsen und denen die Bühne zwischenzeitlich komplett für ein Dance-off (alternativ auch „Arschparade“) überlassen wird.

Williams kommt anschließend nicht alleine zurück, sondern hat seinen N.E.R.D.-Kollegen Shae Haley im Schlepptau, und mit Songs wie „Rock Star“ und „She Wants To Move“ erreicht die Stimmung einen ihrer Höhepunkte. Plötzlich Déjà-vu: Für „Lapdance“ fordert er alle auf, aufzustehen. Das Publikum scheint seine Lektion aus dem Kanye-West-Rollstuhl-Desaster gelernt zu haben und erhebt sich artig von den Sitzen, während der Sänger springend über die Bühne rotiert.

In der Mitte des Sets spielt Williams so ziemlich alle Songs, an denen er jemals als Produzent, Songwriter oder Gastmusiker beteiligt war – die Reihe seiner Solo-Hits ist eben doch recht überschaubar. Bei Songs wie „Beautiful“, „Blurred Lines“ und „Get Lucky“ ist das noch sehr unterhaltsam, als schließlich Gwen Stefanis „Hollaback Girl“ angespielt wird, kommt man jedoch nicht umhin sich zu fragen, was ihn da geritten hat: Das Neptunes-Mastermind selbst singt keine einzige Textzeile in dem Song, der sich somit auf Playback-Einspieler und das Po-Gewackel seiner Tanzmäuschen beschränkt. Muss das sein?

Nach einer guten Stunde geht das Set in die Verlängerung. Williams springt in den Bühnengraben, Kreischanfälle und Selfie-Attacken vorprogrammiert. Vor „Happy“ referiert er schließlich noch ausgiebig über Hass, Angst und positive Energie: „Tonight we won’t be afraid no more“ beschwört er mit fast Martin-Luther-King’scher Bedeutungsschwere. Der Sänger schafft es schließlich, dass man auch an diesem totgespielten Gute-Laune-Hit noch einmal Freude haben kann.

So ganz rund ist dieser Abend nicht: Die Bühne scheint zu groß für Williams und seine Crew, jedes Bandmitglied steht in einer anderen Ecke, während die Tänzerinnen bemüht lässig hin- und herrennen. Ohne Halb-Playback kommt anscheinend auch kein Song aus, oder wo kommen bei nur drei Menschen mit Mikro auf einmal die ganzen Stimmen her? Ein bisschen unsicher scheint er zu sein, der Superstar Pharrell. Schließlich erklärt er: „Playing a big arena tour like this is a new experience for us“. Vielleicht profitiert er ja bei der nächsten Tour von seinen Erfahrungen.

Kurz bevor die letzten Akkorde von „Happy“ verklingen, schießen noch zwei Kanonen Konfetti, das langsam auf das Publikum niederschwebt. Alles ist bunt, die Stimmung könnte besser nicht sein und während tausende von Menschen laut den Sommerhit 2014 mitsingen, hat Pharrell Williams trotz einiger Kritikpunkte dann wohl doch recht: „Happiness is the truth“.