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Greenville 2013: So waren die drei Festival-Tage

Grün – ein Wort mit einem breiten Assoziationsfeld. Angefangen von der Symbolfarbe der Hoffnung, über Claudia Roth bis zum Trend-Imperativ der letzten Jahre. Betritt man nun den Erlebnispark bei Paaren im Glien – dort, wo sonst Muffelwild und eine Käserei zu den Attraktionen gehören – blickt man vor allem auf weite grünen Felder. Die haben von der sengenden Sonne aber einen gewaltigen Gelbstich bekommen. Grün wird das Greenville Festival auch dadurch, dass sich auf dem Gelände Stände von NGOs wie Amnesty International finden oder man sich beim „Electric Hotel“ seinen eigenen Strom fürs Handy erradeln kann. Politik wird aber auf dem Festival nicht gemacht, Musik und Ekstase stehen im Vordergrund. Dieses Jahr sind es nach Schätzungen etwa 20.000 Leute, die daran teilhaben wollten, 2011 waren es etwa die Hälfte.

Wieviele davon letztlich vom Omas Teich Festival kamen, lässt sich bisher nicht sagen – die oft skandierten „Omas Teich“-Sprechchöre gab es zumindest häufig zu hören. Nachdem das Festival im Norden kurzfristig abgesagt wurde, nahm das Greenville Festival nämlich für das Wochenende die Ostfriesen bei sich auf.

Der Freitag beim Greenville Festival 2013

Von den tropischen Temperaturen – teils werden an diesem Wochenende die 35 Grad Celsius überschritten – zeigt sich am ersten Festivaltag Thees Uhlmann nicht beeindruckt. Trotzig trägt er seine Lederjacke und spielt Songs wie „Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluss hinauf“ und mit „Die Bomben meiner Stadt“ den ein oder anderen Vorboten zum neuen Album #2, das im August erscheinen wird. Mit dem sympathischen Uhlmann, der sich augenzwinkernd als „Ende zwanzig“ beschreibt, möchten die meisten seiner Fans sicher alt werden. Zum Schluss bekommt Uhlmann, der mittlerweile wieder in Berlin lebt, einen Indie-Moshpit geschenkt.

Fall Out Boy unterhalten danach auf der zweiten Open-Air-Bühne mit in Richtung Pop-Punk und Screamo gehenden Songs eher mittelprächtig, während im Anschluss die Bloodhound Gang, der erste Headliner des Wochenendes, wie ein alter Witz wirken, der live irgendwie noch funktioniert. Die US-Band weiß, wo sie das deutsche Publikum abholen kann. Transparente wie „DJ Q-Ball kifft mehr als Uli Hoeness Steuern hinterzieht“ und Scooter-Huldigungen (die spielten übrigens letztes Jahr auf dem Festival) ziehen eben. Vor mittlerweile acht Jahren kam mit HEFTY FINE ihr letztes Album heraus. Gegen Ende des Abends verbinden La Brass Banda begeisternd mit Blechblas-Beats Bayern mit Berlin und lassen die Anarcho-Elektro-Punks Atari Teenage Riot die Gehörgänge explodieren. Westbam leitet abschließend in die Aftershowparty über.

Der Samstag beim Greenville Festival 2013

Katzenjammer lassen am zweiten Festivaltag selbigen nicht aufkommen: die vier Norwegerinnen, allesamt Multiinstrumentalisten, haben in den vergangenen Jahren besonders live eine treue Anhängerschaft (darunter auch Ex-Talking-Head David Byrne, der sie auf eines seiner Festivals einlud) um sich herum vereint. Es folgen auf der zweiten Bühne die Echo-Gewinner Jupiter Jones mit leicht angerautem gefühlschwangerem Indie-Deutschrock; unterdessen mehren sich auf dem Festivalgelände die Menschen mit dem T-Shirt eines gewissen Clans. Gegen 22.00 Uhr betritt dann der Wu-Tang Clan die Bühne und es sind wirklich alle acht Mitglieder (inklusive DJ) da. Der Sound ist während den ersten Songs sehr übersteuert und RZA keift Richtung Soundmann, köpft aber dennoch gleich die mitgebrachte Flasche Schampus in Richtung des Publikums. Er ist es auch, der zusammen mit GZA und Method Man die Führung in der Truppe übernimmt.

Der Clan feiert im Jahr 2013 übrigens sein 20-jähriges Jubiläum. Der kommerzielle und künstlerische Höhepunkt der Band, die 1993 mit ENTER THE WU-TANG (36 CHAMBERS) zeigten, dass Hip Hop eine Kampfkunst ist, haben als Kollektiv ihre kommerziellen Hochzeiten (Bestseller war das 1997er Album WU-TANG FOREVER) hinter sich. So richtig wissen die US-Rapper aber nun nicht, wie es weitergehen soll. Freilich stehen gerade Ein-Mann-Unternehmen wie Jay Z und Kanye West ganz oben in der Rap-Liga. Live verlässt sich der Clan vor allem auf Klassiker der ersten beiden Alben und Highlights der Solokarriere von GZA, insbesondere vom LIQUID-SWORDS-Album. Der 2004 verstorbene Ol‘ Dirty Bastard ist mit seinem Trademark-Song „Shimmy Shimmy Ya“ vertreten. Insgesamt fehlt aber der Flow und die Richtung des Auftritts, dazu passt auch die abschließende Frage von RZA an das Publikum: „Wollt Ihr ein neues Wu-Tang-Album?“

Kurz vor Mitternacht unterhalten und irritieren die Cabaret-Punks von Bonaparte („Anti Anti“, „Too Much“) in Latex- und Android-Kostümen. Der Abend endet mit dem Indie-Soul von Alex Clare auf der Hauptbühne.

Der Sonntag beim Greenville Festival 2013

Tocotronic pflegen seit langer Zeit den Pop-Diskurs. Philosophisch bis preschend ist der Auftritt am letzten Festivaltag. Der warme Klang, den die Hamburger Band auf den letzten Alben bis hin zum aktuellen WIE WIR LEBEN WOLLEN ihr eigen nennt, prägt auch diesen Auftritt. In ihren Pop-Betrachtungen hat die Revolution eigentlich nur ein Ziel: „Abschaffen“, und zwar den Tod, zum Beispiel. Obligatorische Zugabe des Sets: „Freiburg“. Die Kaiser Chiefs, die es nun auch schon seit zehn Jahren gibt, könnten sich mit energiegeladenen Auftritten wie dem beim Greenville zumindest als Liveband wieder Gehör verschaffen, nachdem ihre Hits wie „Ruby“ oder „I Predict A Riot“ in der Indie-Disco etwas Staub angesetzt haben. Zuletzt veröffentlichten die Briten eine Singles-Kollektion.

Lustige Gegensätze gibt es danach parallel auf zwei Bühnen zu hören: Einmal norwegischen Metal von Kvelertak und zum anderen Scala & Kolacny Brothers, ein belgischer Mädchenchor, der sich Songs von Rammstein bis Coldplay widmet.

Nun wird es dunkel, der Wind stärker, und der Auftritt von Nick Cave and the Bad Seeds steht kurz bevor. Cave und Band spielen mittlerweile schon seit 30 Jahren zusammen. Zuletzt brachten sie – zum ersten Mal ohne Mick Harvey – das Album PUSH THE SKY AWAY heraus. „We no who u r“ von besagter Platte eröffnet den Abend. Es folgt das ebenso neue „Jubilee Street“, dessen Düsternis Cave und vor allem der großartige Warren Ellis an der Violine schön derart ausdehnen, als wäre man schon bei der Zugabe. Und bereits bei diesem Song knallt Cave das Mikro zu Boden und stürmt Richtung Publikum. Die furiosen Zeiten, als Cave bei den Postpunks von Birthday Party spielte, sind bei dem Australier auch mit Mitte fünfzig präsent. Ein Running Gag, insbesondere für das deutsche Publikum, ist Caves „This song is for Blixa“-Ansage. Der Sänger widmet Blix Bargeld, der zwei Jahrzehnte bei den Bad Seeds spielte, den „Weeping Song“. Mit diesem Konzert-Höhepunkt und einer Unwetterwarnung endet die zweite Auflage des Greenville Festivals.

In Erinnerung bleibt ein schönes Festival, das ein bisschen hip ist, aber mehr als das sein möchte und muss. Oder wie eine Mitarbeiterin treffend feststellt: „Wir sind eben nicht auf der Fusion“.  Die Organisation ließ nämlich streckenweise zu wünschen übrig: So können die Macher bei der Kommunikation nach innen (Infos an die Mitarbeiter) und nach außen (Fragen wie: „Wie war das nochmal mit Olli Schulz als Moderator?“ „Spielen Marathonmann trotzdem noch und warum waren die Shuttlebus-Preise plötzlich doppelt so hoch?“) noch lernen. Wachsen kann das Festival in Paaren bei Glien so auf jeden Fall.


Vor 40 Jahren: John Carpenters „Halloween“ kommt in die Kinos

Bitte keine Angst vor Captain Kirk! Es gibt viele Geschichten um William Shatner, Hauptdarsteller der „Raumschiff Enterprise2-Serie, er singt ja, leistet sich unglaubliche Actionszenen und, immer mal wieder, so sieht es zumindest aus, ein neues Toupet. Aber Shatner als Vorlage für einen Mörder? So will es die Legende. Die Maske des Michael Myers, dem wohl populärsten Serienkiller der Filmgeschichte, soll angeblich einem Gesichtsabdruck des Captain James Tiberius Kirk entstammen. Damit aber ist auch schon alles Lustige über Michael Myers und „Halloween“ gesagt. Der Kinofilm, gedreht 1977 vom damals 29-jährigen John Carpenter, erschien den Zuschauern wie der reine Terror. Am besten,…
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