Happy Birthday, Dave Grohl!


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Als Dave Grohl ein Jahr nach dem Tod seines Freundes und Bandkollegen Kurt Cobain mit einem neuen Projekt ankam, aus dem sich später eine fixe, wenn auch in der Besetzung wechselnde, Band kristallisieren sollte, war noch nicht abzusehen, dass das Attribut „ehemaliger Nirvana-Schlagzeuger“ und „spielte auf ‚Nevermind'“ nur ein Lebensabschnitt (wenngleich ein natürlich gewichtiger) in der öffentlichen Wahrnehmung werden sollte.

Es war 1995, und das, was man gemeinhin „Grunge“ nannte, war ein Jahr zuvor mit dem freiwilligen Ableben Kurt Cobains mitgestorben – und das selbstbetitelte Debüt von dem, was anfangs als Grohls Soloprojekt gemeint war, eben die Foo Fighters, war rückblickend nur ein netter, aber im Grunde unaufregender Grundstein – für die Karriere einer heute größten Rockbands.

David Eric Grohl, der heute 45 Jahre alt wird, ist im Rockgeschäft längst so etwas wie ein lebender Beweis für das Prinzip des gemeinsamen Nenners – einer, auf den sich, von Courtney Love mal abgesehen – alle irgendwie einigen können. Und das hat viele Gründe. Da wären zu allererst die Songs – nach dem Debüt (von dem vielleicht am ehesten noch das etwas seichte „Big Me“ in Erinnerung geblieben ist) wurden diese bei Grohl ungewohnt poppig und massentauglich. Heute zählen sie längst zum Indie-Songbook. Und weil sich die Foo Fighters Zeit nahmen, eine Band zu werden, entwickelte sich das alles über die Jahre deutlich in eine andere, unverkennbare, Richtung, die mit dem 2011 erschienenen „Wasting Light“ nur in ausgewählten Flecken dieser Erde nicht auf Platz eins der Charts ging.

Da wären auch die Bands und Konstellationen, in denen Grohl seit seinen Tagen in der Washingtoner Underground-Szene gespielt hat, Punkrock-Bands,  die ihn mit 17 Jahren zu Scream und dann zu Nirvana geführt haben. Sie lösten eine musikalische wie populärkulturelle Revolution aus. Dann gab es da noch sein Probot-Projekt mit Lemmy, ebenfalls universaler Sympathieträger des Rock’n’Roll, Them Crooked Vultures mit John Paul Jones von Led Zeppelin und Josh Homme. Sessions mit Bowie, McCartney, Nine Inch Nails, Tom Petty. Tenacious D. Und natürlich die Queens Of The Stone Age, bei denen Grohl immer wieder mal auf dem Schlagzeugsessel saß.

Apropos Schlagzeugsessel. Auch wenn Grohl in der öffentlichen Wahrnehmung mühelos den Wechsel vom Drummer zu Gitarre und Mikrofon geschafft hat: Grohl am Schlagzeug war, ist und bleibt ein Naturspektakel; es macht einfach Spaß, ihm in seiner manisch-begeisterten Art dabei zuzusehen und zuhören, wie er sein früheres Hauptinstrument bearbeitet.

Grohl ist tief im Punkrock verwurzelt, und es ist – ob diese Verwurzelung für ihn auch heute noch ausschlaggebend ist oder nicht –  immer noch die Begeisterung an der Sache und eine ungebrochene Spielfreude, die man Grohl bei seinen vielen Projekten einfach anmerkt. Sein äußerst ausgeprägter Sinn für Humor, der sich nicht nur in zahlreichen Foo-Fighters-Videos zeigt, seine bodenständige, fast schon kumpelhafte Art, seine überwundene und auf YouTube legendär gewordene Kaffee-Sucht („Fresh Pots!!!!“), sein Gesichtsausdruck am Schlagzeug bei der gemeinsamen Performance mit Jimmy Page und John Paul Jones 2008 im Wembley Stadium: Grohl mag man eben.

Dave Grohl war bei einer der essenziellsten Rockbands der Geschichte und hat sich, anstatt es medial wie so viele andere auszuschlachten, die Zeit genommen, um um seinen verstorbenen Freund zu trauern. Er schaffte es, die Vergangenheit hinter sich zu lassen, sich neu zu erfinden und zu etablieren. Und eine neue Band zu gründen, die erneut – wenngleich auch in völlig anderem Kontext – ganz oben steht. Alles Gute, Dave – und Fresh Pots!

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