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Happy Birthday, John Travolta! 61 Jahre Coolness

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Happy Birthday, John Travolta! 61 Jahre Coolness

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Galerie: die zehn besten Schauspiel-Leistungen von John Travolta

Daniel Day-Lewis, Sean Penn, Bruce Willis, William Hurt. Alle waren Anfang der Neunziger Stars, alle wollten die Rolle des Vincent Vega in „Pulp Fiction“ spielen. Bekommen hatte sie John Travolta – der vor Drehbeginn 1993 auf dem Tiefpunkt seiner Karriere angelangt war. Oder, wie es dessen damaliger Manager Mike Simpson brutal formulierte: „Travolta was at that time as cold as they get. He was less than zero.”

Aber der junge Regisseur Tarantino, 31, boxte bei der Produktionsfirma Miramax seinen Favoriten in der Hauptrolle durch. Travolta sollte also den Mafiakiller verkörpern, auf den halb Hollywood scharf war. Konkurrent Bruce Willis wurde so zur zweiten Geige als traumatisierter Boxer Butch. In Interviews spricht Travolta offen von Tarantinos ungewöhnlicher Entscheidung: „Ich war so enttäuscht vom Verlauf deiner Karriere“, soll der Regisseur ihm gesagt haben. „Ich will das wieder in Ordnung bringen.“ Travolta: „Davon war ich tief gerührt.“ An einen Erfolg des „kleinen Indie-Films“ glaubte er nicht. Am Ende brachte die Figur des Vincent Vega ihm eine Oscar-Nominierung als „Bester Hauptdarsteller“ ein.

Für den damals 40-jährigen, der seinen Ruf ab Mitte der Achtziger durch Filme wie „Kuck mal wer da spricht“ selbst beerdigte, war es der Beginn seiner zweiten Karriere. In „Pulp Fiction“ spielte er den heroinabhängigen, langhaarigen Mörder im Smoking, der auch mit Bauchansatz noch geschmeidige Bewegungen auf der Tanzfläche hinbekommt. Die Huldigung an seine zuvor bekannteste Darstellung, in der Milieustudie „Saturday Night Fever“ (1977), war jüngeren Zuschauern gar nicht bewusst. Travoltas an einen Gesichts-Striptease erinnernde Zweifinger-Geste, die er beim Tanzen in „Pulp Fiction“ über die Augen zieht, wird bis heute kopiert. Er lieferte eines der größten Comebacks in der wohl unerwartesten Rolle. Und egal, in welches Genre man „Pulp Fiction“ zwängen möchte, welche Ironie, wie viele Zitate man im Film zu finden hofft – es war eine Besetzungsentscheidung, die der Regisseur ohne Augenzwinkern traf.

In den Siebzigern ging für John Joseph Travolta alles noch gut los. „Saturday Night Fever“ hatte den ehemaligen TV-Schauspieler, der in einer kleinen Rolle in Brian De Palmas „Carrie“ erstmals im Kino reüssierte, zum Star gemacht. In „Saturday Night Fever“ war er der perspektivlose Jüngling Tony Manero, der im Nachtleben seine Chance zum sozialen Aufstieg sah. Die Diskothek als Ort, in dem Rangordnungen neu verhandelt werden. Travolta sprach damit eine ganze Generation an. Hier entstand auch dessen Image als „cooler Typ“. Dabei wirkte er gar nicht cool, und schon gar nicht wie ein Tänzer: eher schlacksig, dazu das Babygesicht und diese klaren blauen Augen. Er erinnerte an einen großen Jungen, der gegen Vorurteile ankämpfen muss. Dazu Disco und die Bee Gees mit ihrem Song-Soundtrack – es war das perfekte Hollywood-Paket. 

Nach dem Welterfolg – und einem weiteren Tanz-Hit mit „Grease“ – suchte Travolta sich anspruchsvolle Rollen anstelle von potentiellen Blockbuster aus; so war er der vor den Kopf gestoßene „Urban Cowboy“ (1980), und für Brian De Palmas „Blow Out“ spielte er seine bewegende, beste Rolle, als gutgläubiger Tonmann, der die Technik im Griff hat, aber als Mensch die entscheidenden Sekunden zu spät kommt. Bis heute ist er am überzeugendsten als Figur, die nach Glück strebt, aber scheitert.

Mit der „Saturday Night Fever“-Fortsetzung „Staying Alive“ (1983) war sein Stern schon wieder am Sinken. Travolta, der als Tony Manero nun an den Broadway wollte, kam rüber wie ein Tanzstreber, nicht mehr wie ein Überlebenskämpfer. Regisseur Sylvester Stallone war mit den szenischen Anordnungen völlig überfordert. Die Achtziger waren damit für Travolta gelaufen, er war da noch keine 30 Jahre alt.

Nach dem Comeback mit „Pulp Fiction“ zehn Jahre später war der Mann aus New Jersey übervorsichtig. Travolta zählt zu den Schauspielern, die eine Vielzahl von Rollen ablehnten, für Filme, die dann zu Erfolgen wurden: „Forrest Gump“ (Oscar für Tom Hanks), „Apollo 13“, „An Officer and Gentleman“, „As Good As It Gets“ (Oscar für Jack Nicholson). Vielleicht, weil er den Absturz schon einmal erleben musste, nahm er nun vornehmlich Parts in Actionfilmen und Komödien an, in denen seine Besetzung keine Herausforderung darstellen würde. Darunter hochklassiges Drama („Face/ Off“), aber auch klischeehaftes Explosionskino wie „The Taking Of Pelham 1-2-3“. Als gerecht kann empfunden werden, dass sein als Scientology-Werbung betrachtetes Sci-Fi-Werk „Battlefield Earth“ als einer der schlechtesten Filme aller Zeiten bezeichnet wird.

Bis heute hat Travolta, der 61 Jahre alt wird, in keiner Rolle seit „Pulp Fiction“ mehr überraschen dürfen. Dennoch bleibt er für viele eine Ikone, einer der Lässigsten aus Hollywood. „Ich glaube nicht, dass ich als Mensch cool bin“, sagte er in einem Interview. „Ich bin nur in einer Sache besser als jeder andere – einen auf cool zu machen.“ 

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