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The Who – My Generation (Deluxe)

aus ROLLING STONE 10/2002

von Franz Schöler

Um erst gar keinen Irrtum aufkommen zu lassen: In der diesem fabelhaft aufgemachten Set beiliegenden Broschüre wird zwar behauptet, beim ersten Dutzend Songs auf CD 1 handle es sich um das Original-Album. Was im Fall von „My Generation“, der berühmtesten dieser Aufnahmen, aber überhaupt nicht stimmt. Die Originalfassung, die bislang immer auf Single, Vinyl-LPs und auch noch auf dem Box-Set „Thirty Years Of Maximum R&B“ zu finden war, nämlich die mit den vielen Gitarren-Overdubs von Pete Townshend, ist letzter – Track 14 – auf der zweiten CD! Bei der ersteren handelt es sich um einen kompletten Remix von Produzent Shel Talmy – ohne besagte Overdubs jetzt!

Was aber seine Richtigkeit hat. Denn diese Remixes bringen erstmals überhaupt die Qualitäten der Aufnahmen gänzlich zur Geltung. John Entwistles urgewaltigen Bass. Keith Moon am Schlagzeug so entfesselt, dass Charlie Watts dagegen wie ein feingeistiger Minimalist anmute. Pete Townshend mit ein paar unerhört waghalsigen Gitarren-Experimenten, die locker so genialisch klingen wie die berühmten Intros zu „I Feel Fine“ oder „Satisfaction“ . Nichts macht den Unterschied deutlicher als das jetzt noch unendlich spektakulärer klingende Hardrock-Gewitter von „I’m A Man“. Wo sich die Rolling Stones im Fall von „Mona (I Need you Baby)“ ziemlich getreulich bis sklavisch an das Original hielten, transzendierte die Interpretation der Who im Falle von „I’m A Man“ das Bo-Diddley-Original komplett. Dasselbe gilt für ihre frühen Cover-Versionen von Soul-Songs, die beiden James-Brown-Kompositionen mehr noch als die für diese und auch die nächsten LPs aufgenommenen Motown-Klassiker.

Man tritt Beatles, Kinks und Stones nicht zu nahe, wenn man behauptet: Mit „My Generation“ legten die Who von allen das originellste, innovativste und – um den doofen Begriff doch mal zu gebrauchen – „progressivste“ Debüt-Werk von allen vor. Nicht nur, weil es mit den meisten Originalkompositionen ausgestattet war, sondern weil es auch ganz neue Pop-Töne waren, die The Who nach „I Can’t Explain“ auch bei „The Kids Are Alright“, „Much Too Much“ und „Out In The Street“ anschlugen.



Er hat dem Leid die schönste aller Stimmen gegeben: Robert Wyatt wird 75

Er war ein Derwisch, der mit nacktem Oberkörper auf sein Schlagzeug eindrosch und ihm dabei manchmal gar – wie der große Elvin Jones – eine Melodie abrang. Er war ein Tunichtgut und ein Schwerenöter, ein Dadaist und Spaßmacher, ein Anarchist und ein Jazzer, einer, den Grenzen nur interessierten, weil es sie zu überwinden galt. Dann fiel er im Alter von 28 volltrunken aus dem Fenster und musste sich von da an im Rollstuhl fortbewegen. In seiner Musik überwand er aber selbst diese Einschränkung, ließ seine traurige, schöne Stimme klingen wie die Trompete von Miles Davis und verwandelte den Schmerz in…
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