Harry Styles live in Manchester: Eine gewaltige Tanzparty
Harry Styles spielt sein neues Album „Kiss All the Time. Disco, Occasionally“ beim exklusiven Konzert in Manchester – und liefert eine der besten Shows des Jahres.
Kurz bevor Harry Styles die Bühne betrat, dröhnte Elvis Presleys donnerndes Cover von „Bridge Over Troubled Water“ durch die Lautsprecher – zu den 23.500 Menschen, die sich in Manchesters Co-Op Live Arena versammelt hatten. Den 32-Jährigen mit dem King höchstpersönlich zu vergleichen wäre vermessen, aber die ohrenbetäubenden Schreie, die seinen Auftritt kurz nach 21 Uhr begrüßten, rivalisieren durchaus mit denen, die einst den größten Popstars aller Zeiten galten.
Der Grund liegt auf der Hand: Dieses „One Night Only“-Konzert für 20 Pfund pro Ticket war die eigentliche Release-Party für sein viertes Album „Kiss All the Time. Disco, Occasionally“, das noch am selben Tag erschienen war – und der meistgefragte Popstar der Welt war gekommen, um es in voller Länge zu spielen. In den folgenden 90 Minuten läutete Styles diese faszinierende neue Ära auf eine Art ein, die absolut Sinn ergibt.
Den Auftakt machte das wuchtige House-Stück „Aperture“, der Track, der Harrys neue Ära eingeläutet hatte und zunächst für Stirnrunzeln gesorgt hatte – weil er, nun ja, einen Dancetrackt gemacht hatte. Live aber wurde schlagartig klar: Das ist eines der besten Dinge, die er je getan hat.
Musik, die für sich spricht
Styles ließ die Musik beim Rest der Show weitgehend für sich sprechen, machte aber immer wieder deutlich, wie viel ihm dieser Abend bedeutet. „Ich habe neu entdeckt, was für ein Privileg es ist, durch Musik Teil des Lebens von Menschen zu sein“, betonte er an einer Stelle. Dieses Gefühl wurde noch vertieft, als seine Fans scheinbar jede Zeile eines Albums mitsangen, das keine 24 Stunden alt war. Das wehmütige „Coming Up Roses“ ist ein besonders berührender Moment, während der neue Banger „Dance No More“ seine Fans dazu brachte, den scheinbar sinnfreien Lyric „RESPECT YOUR MOTHER!“ zurückzuschreien. Und ja, auch wenn die Qualität der Texte auf Harrys neuestem Album kritisiert wurde – an diesem Abend spielte das keine Rolle, denn jeder Song wurde wie ein neuer Freund empfangen.
Nachdem Styles das Album zu Ende gespielt hatte und für eine makellose Runde älterer Banger zurückkam – „From The Dining Table“, „Golden“, „Watermelon Sugar“ und „As It Was“ – beschlich einen das Gefühl, dass er schlicht und einfach der ultimative Showman des modernen Pop sein könnte.
„In einer Welt wie der heutigen, die sich so chaotisch anfühlt, ist es leicht, die Hoffnung zu verlieren“, sagte er in einer bewegenden Rede vor der abschließenden Version von „Sign Of The Times“. „Ich ermutige euch, weiter die Veränderung in der Welt zu sein, die ihr sehen wollt.“
Ein Abend für die Ewigkeit
Über den Zustand der Welt lässt sich mit dieser Aussage kaum streiten – aber es ist das Verdienst von Styles‘ Musik und seiner magnetischen Performance, dass man sich für 90 Minuten auf eine der wildesten Tanzpartys des Planeten versetzt fühlt. Wenn im Sommer das Wembley Stadium ruft, wird das wie eine andere Welt sein.
Dieser Artikel erschien ursprünglich bei ROLLING STONE UK.