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Der Hemingway des Rock’n’Roll: So berichtete Joe Perry für ROLLING STONE über Chuck Berrys 90. Geburtstag

>>>Ein Artikel aus dem ROLLING-STONE-Archiv („Die 100 größten Musiker aller Zeiten“)

Von Joe Perry

Wie viele Gitarristen meiner Generation entdeckte ich Chuck Berry durch die Beatles und die Rolling Stones. Damals war ich hin und weg, als ich sie diese Hardcore-Rock’n’Roll-Nummern wie „Roll Over Beethoven“ und „Around And Around“ spielen hörte. Auf den Plattencovern las ich unter den Songtiteln den Namen „Chuck Berry“. Und hatte zum Glück – ebenfalls wie viele Jungs meiner Generation – einen Freund mit einem älteren Bruder, der die Originalplatten besaß: „Wenn euch die Stones gefallen, dann hört euch erst mal das hier an!“ Ich hörte „Chuck Berry Is On Top“ und bin wirklich ausgeflippt. Dieses Kribbeln im Bauch, diese Aufregung, die Gänsehaut im Nacken – das gab mir Berry mehr als jeder andere.

Die Stones kamen gleich danach, weil sie eine der wenigen Bands waren, die Berrys Sachen spielen konnten und dabei wirklich klangen, als wüssten sie, worum’s geht. Die hatten die richtige Kombination aus Technik und dieser Punkattitüde: „Rotzen wir’s hin!“ Sie hatten ihre Hausaufgaben gemacht, aber sie kriegten auch das Feeling, den Rhythmus hin, der in Chuck Berrys Musik so wichtig war.

Der Hemingway des Rock’n’Roll

Dabei geht’s gar nicht so sehr um das, was er gespielt hat – eher um das, was er nicht spielte. Seine Musik ist sehr ökonomisch. Seine Leadgitarre trieb den Rhythmus an, sie lag nicht oben drüber. Die Sparsamkeit seiner Licks und seiner Leads – das trieb den Song vorwärts. Und er baute seine Soli immer so auf, dass ein nettes kleines Statement den Song woandershin lenkte, so dass man bereit war für die nächste Strophe.

Chuck Berry spielt in einer US-Fernsehsendung (1972)
Chuck Berry spielt in einer US-Fernsehsendung (1972)

Als Texter ist Chuck Berry der Hemingway des Rock’n’Roll. Er kommt direkt zum Punkt. Er erzählt eine Geschichte in kurzen Sätzen. In deinem Kopf entsteht ein Gesamtbild von dem, was passiert, und zwar sehr rasch, durch wohlgewählte Worte. Berry war auch ziemlich clever: Er wusste, wenn er den Mainstream knacken wollte, musste er den weißen Teenagern gefallen. Das gelang ihm. In diesen Songs geht’s ausschließlich um Teenager. Ich schätze mal, er wusste, dass er in den R&B-Charts mit eigenwilligeren Sachen auch erfolgreich gewesen wäre, aber wollte da halt raus und den ganz großen Erfolg schaffen.

Chuck Berry feierte den Lifestyle der Rockmusik

Er feierte auch den Rock’n’Roll – den Lifestyle wie die Musik – in Songs wie „Johnny B. Goode“ und „School Days“. Wie da einer eine Gitarre klingen lässt wie eine Glocke. Wenn man die Worte „Rock’n’Roll“ in einen Songtext packt, muss man immer vorsichtig sein, aber er machte das perfekt. „Johnny B. Goode“ ist bestimmt einer der meistgecoverten Songs überhaupt. Barbands, Garagenrockbands – alle spielen ihn. Und so viele spielen ihn schlecht. Der Song macht zwar unheimlich Spaß, aber man kann ihn auch leicht ruinieren. Aber auch in meinem Fall war das wohl der erste Chuck-Berry-Song, den ich gelernt hab. Er trifft einen einfach auf allen Ebenen: Text, Melodie, Tempo, Riff.

David Redfern Redferns


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