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His Machine Kills Fascists: Rage-Against-The-Machine-Gitarrist Tom Morello wird 50

Dass sich Rage Against The Machine in den frühen 1990er Jahren mit ihren explosiven Klängen an die Speerspitze des Rock spielen würden, war spätestens beim Gitarrensolo in „Killing In The Name Of“ klar: Hier ist ein Mann am Werk, der mit seinem Instrument in ganz andere Richtungen möchte als alle anderen. Es war Musik, brennend wie ein Molotowcocktail.

Als Gitarrist kommt Morello eigentlich aus einer Zeit, in der das „Shredding“ noch eine bewundernswerte Guitar-God-Tugend war: Wahnwitzige Arpeggios und Solo-Läufe in Überschallgeschwindigkeit, quer durch die tonalen Gegebenheiten der sechs Saiten, oft mehr Selbstzweck (manchmal auch nur musikalische Masturbation), als ein echter Beitrag zum Klangbild. Das machten etwa Yngwie Malmsteen vor, Paul Gilbert, Jason Becker oder Michael Angelo Batio. Letzterer wurde vorallem durch seine vierhälsige Gitarre bekannt (man sehe sich seine wahnwitzigen Eskapaden auf YouTube an: nicht alles – bei aller Liebe zur Technik – ist ein musikalischer Hochgenuss). Batio war aber auch eine zeitlang Morellos Lehrer.

Es hätte also durchaus ein Gitarrengott der alten Schule, welche heute außerhalb eines sehr devoten Hörerkreises als etwas verstaubt gilt, aus Tom Morello werden können. Dem Schicksal sei Dank: Es kam anders. Man muss allerdings noch weiter zurück gehen um den Grundpfeiler seines Spiels zu erkennen: Seine Liebe zur Rockmusik wurde durch Kiss, Iron Maiden, Led Zeppelin und Black Sabbath erweckt, und gerade Sabbath wurden für Morellos Spiel ausschlaggebend. Morello scheint Tony Iommis simple, aber ungeheuerlich effektive Riffs verinnerlicht zu haben, und wie auch bei Iommi ist der Blues deutlich zu hören. Die Blues-Pentatonik zieht sich quer durch die Riffs, die Morello für Rage Against The Machine schrieb – „Bombtrack“, „Bulls on Parade“, „Killing In The Name Of“, „Guerilla Radio“ … die Reihe lässt sich fortsetzen: simpel und erdig, unverkopft aber ungemein effektiv und mit viel Wiedererkennungswert. Tony Iommis Lick in „Sabbra Cadabra“ beispielsweise: Hierin wurzelt Morello.

Noch spektakulärer als sein Rhythmus-Spiel ist seine Lead-Gitarre. Morello definierte das in den Neunzigern gerne verschmähte Wort „Gitarrensolo“ neu: Er benutzte Effekte und Geräusche, adaptierte das Vinyl-Scratching auf sechs Saiten, setzte auf Rhythmik, Akzentuierung und Sound-Manipulationen. Morellos Läufe klangen nicht wie Gitarrensoli und hätten nicht weiter entfernt von der Solisten-Ästhetik der 1980er Jahre sein können. Wie wenige andere Rockgitarristen des Jahrzehnts schaffte Morello es, einen eigenständigen und unverwechelbaren Klang zu erschaffen.

Zur Person Thomas Baptiste Morello gäbe es freilich viel zu erzählen. Geboren wurde er 1964 als Sohn der US-amerikanischen Aktivistin Mary Morello und des ersten kenianischen Botschafters in den USA, Stephen Ngethe Njoroge. Das politische Bewusstsein wurde ihm somit in die Wiege gelegt. Nicht umsonst ziert eine seiner Gitarren der Spruch: „This Machine Kills Fascists.“ Tom zog es nach der Highschool auf die Harvard Universität, wo er einen Bachelor in „Social Studies“ absolvierte. Als er Anfang der Neunziger auf den Sänger Zack De La Rocha traf, ging alles sehr schnell: Rage Against The Machine waren geboren, wurden zu einer der wichtigsten Rockbands. Drei Studioalben ab 1992 und einen Longplayer mit Coverversionen später lösten sich Rage Against The Machine auf. De La Rocha hatte keine Lust mehr, die anderen drei übrigen Mitglieder holten sich Soundgarden-Sänger Chris Cornell ins Boot und gründeten „Audioslave“.

Als Morello für das Cover-Album „Renegades“ den Bruce-Springsteen-Song „The Ghost Of Tom Joad“ einspielte, ahnte er noch nicht, dass er viele Jahre später Teilzeit-Mitglied von Springsteens E-Street-Band werden würde: 2013 sprang er auf deren Australien-Tour für den verhinderten Steve Van Zandt ein, ist aber auch seit dessen Wiederkehr immer wieder dabei. Mit seinem Solo-Projekt „The Nightwatch Man“ widmet er sich dem Folk-Singer/Songwritertum und dem politischen Lied, sein neuestes Projekt ist Street Sweeper Social Club.

Von Rage Against The Machine sollte man sich allerdings wohl nicht mehr allzuviel erwarten: 2009 kam die Band für einige Live-Konzerte wieder zusammen, zeigte sich in bester Form und weckte somit die Hoffnung auf ein neues Album. Ein Longplayer, auf dem man vergeblich warten dürfte.

Morello aber bleibt einer der wichtigsten Rock-Gitarristen der jüngeren Rock-Musik.

Zum Beweis ein Video aus der Blütezeit der Band, 1994:


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