Festivalbericht

Im Metal-Rausch: So war der Freitag bei Rock im Revier

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Im Metal-Rausch: So war der Freitag bei Rock im Revier

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Dass sich dieses Festival einmal so präsentieren würde, hätte vor ein paar Monaten noch keiner gedacht. Nach Anlaufschwierigkeiten bei den Ticketverkäufen gab es den logischen Standortwechsel vom Nürburgring nach Gelsenkirchen – und aus „Grüne Hölle Rock“ wurde schließlich „Rock im Revier“.

Glücklicherweise ist Gelsenkirchen kein Neuling, wenn es um die Ausrichtung von Events und Konzerten geht. In der Veltins Arena, die sonst Austragungsort für die Heimspiele des FC Schalke 04 ist, haben bereits Tagesfestivals, wie Rock im Pott (2013), stattgefunden – mit ein Grund, weshalb bei der Organisation von der ersten Sekunde an alles ineinander greift. Insgesamt drei Bühnen gibt es (Big Stage, Boom Stage, Bang Stage), wobei der Publikums-Fokus bei den den Auftritten natürlich auf der Big Stage (Veltins Arena) liegt.

Der individuell gelegte Festivaltag findet auf der zweitgrößten Bühne, der Boom Stage, mit …And you will know Us By the Trail of Dead seinen Anfang. Schnell fällt auf, dass die Band aus Austin (Texas) live nicht mit ihren Studioaufnahmen zu vergleichen ist. Den feingliedrigen Passagen und erhabenen Pop-Momenten auf den Alben wird auf der Bühne kaum Raum gegeben. Stattdessen knüppelt sich die Gruppe durch eine Wand aus Lärm – auch das kann sie. Ein kurzes, sehr energietisches Set, das sich nur bei „Will You Smile Again?“ kurz verlangsamt, kann die Zuschauer letztlich überzeugen.

Rockstargesten und Blumenmeere

Auf der Big Stage sind im Anschluss Within Temptation zu sehen. Die Musik der Niederländer gibt sich redlich Mühe, komplex zu sein – letztlich beinhaltet sie aber vieles, was man über die Jahre als falsch und unschön abgespeichert hat: überkandidelte Theatralik, unironische Rockstargesten und ein fürs Formatradio geglätteter Sound. Die Stücke kommen gut an, das Publikum geht konstant mit. Ob das auch am aufreizenden Gothik-Outfit von Sängerin Sharon den Adel liegt?

Mike Patton von Faith No More grinst sich was. So zufrieden lächelt nur jemand, der genau weiß, dass ihm niemand so schnell etwas vormachen kann. Auf dem Gebiet des vielfach geschundenen Crossover-Rock-Genres ist die Gruppe immer noch das Maß aller Dinge. Und im Gegensatz zu manchen anderen verstehen sie das Spiel mit der Ironie perfekt. So lassen sie es nicht nehmen, die Bühne in weiße Farben und ein Blumenmeer zu tauchen. Das Setting würde perfekt zu Elton John passen, doch statt Grandezza am Piano folgt ein wüster Ritt durch das Gesamtwerk der Amerikaner. Ihr Stil ist unvergleichlich, Metal-Riffs, Funk-Elemente und Pop ergänzen sich wie eh und je.

Neben frühen Hits wie „Epic“ reihen sich auch die Stücke des diesjährigen Comeback-Albums „Sol Invictus“ perfekt in die Setlist ein. „It’s been a long while“, ruft Patton der Menge zu. Dann wird wohl ihr bekanntester Song angestimmt: „Easy“ von den Commodores. Die Textzeile „easy like sunday morning“ singt das gesamte Stadion wie selbstverständlich mit.

Kollektive Ekstase und selten gespielte Songs

Bevor Metallica gegen 21 Uhr die Bühne betreten, wird es zunehmend enger vor der Bühne. Das erste Mal an diesem Tag liegt ein Gefühl von Euphorie in der Luft. Auf der Bühne stehen Mitglieder des größten deutschen Metallica-Fanclubs „St.Germany“. Nach dem obligatorischen Intro durch das von Ennio Morricone komponierte „Ecstasy of Gold“ aus dem Western „Zwei glorreiche Halunken“ (1966) kann es los gehen:„Gimme fuel, gimme fire, gimme that what I desire“ – mit diesen Sätzen beginnt das zweistündige Set und kollektive Ekstase ist die Folge.

Die Band um Frontmann James Hetfield zeigt sich bestens gelaunt und ernsthaft gerührt – und auch an diesem Abend geht die Gruppe nicht den sicheren Weg. Die Setlist wird bei Metallica nahezu jeden Abend umgestellt, wohl mit ein Grund, warum die Band weiterhin motiviert erscheint – obwohl sie seit „Death Magnetic“ aus dem Jahre 2008 kein neues Album mehr veröffentlicht hat.

Selten gespielte Stücke wie „King Nothing“, oder „Metal Militia“ werden dankbar angenommen. Mit „Enter Sandman“ klingt die Show aus. Den Fans hat es gefallen: „Ich bin immer noch völlig elektrisiert von Metallica“, sagt ein vom Metal-Rausch sichtlich berührter Festival-Besucher auf dem Weg aus der Arena.

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