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jennylee: Die Bassistin von Warpaint sucht nach der eigenen Stimme – und „maskuliner Energie“

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jennylee: Die Bassistin von Warpaint sucht nach der eigenen Stimme – und „maskuliner Energie“

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Bass spielen gehört bekanntlich nicht zu den Premium-Jobs im Rockgeschäft. Man wird mit schlechten Witzen überhäuft und muss sich oft mit der zweiten Reihe hinter egogestählten Sängern und Gitarristen zufrieden geben. Zudem scheint die Aufgabe als Mitglied der Rhythmussektion vor allem in männlicher Hand zu sein.

Zu den Frauen, die das Instrument einer wohltuenden Testosterondiät unterzogen haben: Carol Kaye, Kim Gordon, Kim Deal, Melissa Auf der Maur –, gehört auch Jenny Lee Lindberg, Bassistin der Rockband Warpaint. Ihr Solodebüt, „Right On!“, klingt wie eine weibliche Version einer britischen Postpunk-Band der frühen 80er-Jahre. Bei der Frage, wie ihre Warpaint-Kolleginnen darauf reagiert hätten, kann sie ein Schmunzeln nicht verbergen. „Sie waren ein bisschen schockiert, als ich ihnen sagte, dass ich es tatsächlich tun würde“, gesteht sie, doch sie beteuert auch, dass die anderen sie natürlich unterstützt hätten.

Am Anfang waren The Cure

Lindberg wuchs in Reno/Nevada auf. Ihre Eltern, Sherry Sossamon und Todd Lindberg, wollten, dass sie und ihre Schwester, Shannyn, die Warpaint mitgründete und ihr Geld inzwischen als Schauspielerin verdient, ein „normales Leben“ führen. Erst als Lindberg mit Warpaint zu einer Welttournee aufbrach, akzeptierten sie den Berufswunsch ihrer Tochter. Mit 19 bekam Lindberg von einem Freund ihrer Mutter einen Bass geschenkt, nachdem sie das Instrument sehr lange sehr neugierig beäugt hatte. „In den Songs, die ich damals hörte, brachte mich vor allem der Bass zum Tanzen“, erklärt sie. Derselbe Freund gab ihr schließlich Musikunterricht. Sie lernte Stücke von Weezer und Air, doch den nachhaltigsten Eindruck hinterließ bei ihr eine Gruppe mit Namen The Cure: „ ‚Lovesong‘ war das erste Lied, das ich auf dem Bass spielen konnte.“ Während ihrer Zeit auf dem College hörte sie auch Depeche Mode, später Joy Division und Sioux-sie And The Banshees – alles Einflüsse, die sich auf „Right On!“ widerspiegeln. Die Mischung aus Dark Wave, Dreampop, Shoegaze und dem Indierock der Neunziger unterscheidet sich nicht grundsätzlich vom Warpaint-Sound, wirkt jedoch rauer, offener und – wie Lindberg findet – „verletzlicher“.

Nach der letzten Warpaint-Tour hatte sie den Drang, endlich konkreter über ein Soloprojekt nachzudenken. „Ursprünglich wollte ich ein Album mit Demos aufnehmen. Es sollte sehr roh und punkig klingen.“ Aber dann fügte sie hier und da noch eine Kleinigkeit hinzu, und ehe sie sich’s versah, wurde „Right On!“ zu einer richtigen Studioproduktion, die sich ihren Home-Recording-Charakter erhalten hat.

Mehr männliche Energie

Voraussetzung für das Soloalbum: Ein Unterschied zu den Warpaint-Platten sollte spürbar sein. Lindbergs Lösung: „Ich wollte mehr maskuline Energie.“ Da trifft es sich, dass ihre Heimatstadt L.A. eine der bestvernetzten Musikerszenen der Welt hat, wo es Songschreiber und Instrumentalisten wie Muckimänner am Muscle Beach gibt. Produzent Norm Block und Gitarrist Dan Elkan sorgten für die entsprechenden ausgewogenen Geschlechter-verhältnisse.

Die größte Herausforderung war Lindbergs Stimme: „Die Vorstellung, sie eine Platte lang zu hören, flößte mir Angst ein. Ich mochte meinen Gesang nicht, bis ich merkte, was mich daran störte: Ich versuchte immer, meine Vergangenheit zu verbergen und mit einer Stimme zu singen, die nicht meine war.“ Diese Erkenntnis war ebenso befreiend wie die, dass man als Solokünstlerin weniger auf das Urteil anderer angewiesen ist. „Ich bin sehr stolz, dass ich meine eigene musikalische Vision umgesetzt habe“, sagt sie. „Man muss sich auf niemanden außer sich selbst verlassen. Was für eine Erleichterung!“

(Max Gösche, ROLLING STONE 12/2015)

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