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Jenseits aller Grenzen – Das CTM-Festival in Berlin


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Die 14. Ausgabe des CTM – Festival for Adventurous Music and Arts, versucht Berlin vom 28. Januar bis 3. Februar in das goldene Zeitalter zeitgenössischer Musik zu tauchen. Die Popmusik der Zukunft trifft in Konzerten, Ausstellungen, Filmvorführungen, Workshops und Gesprächen auf eine Avantgarde der Vergangenheit. Das sorgsam kuratierte Programm führt verschiedene Genres und Strömungen zusammen. Dabei können ökonomische wie ästhetische Begriffe fallen. Punkbands wie Iceage zertrümmern ihre Instrumente. Im Berghain wird nach elektronischer Musik aus der Zukunft geforscht.

Zur Eröffnung im HAU1 bieten die schweren Matmos ihr neues Album „The Marriage of True Minds“ als Weltpremiere an – bevor man darüber nachdenkt, „dass jegliche musikalische Struktur in einer Art historischer und stilistischer Schwerelosigkeit existiert und somit prinzipiell zwischen allen Stilen und Epochen hin und her driften kann” (AtomTM & Marc Behrens). Stichwörter: schweben, strömen, abheben, Ambientmusik – alles eine Frage der Perspektive.

„Shoegaze Techno“-Star Pantha du Prince spielt mit The Bell Laboratory Glocken, Dean Blunt (Hype Williams) präsentiert sein spannendes Solo-Projekt „The Narcissist“. Dazu die Weltpremiere mit Jamie Stewart (Xiu Xiu) und Eugene S. Robinson (Oxbow), die ihre Kollaboration Sal Mineo vorstellen. Der Kanadier d’Eon (Hippos in Tanks) zerschmilzt klassische Klavierwerke, New-Age Kitsch und Pop zu Symphonie und Weirdness. Clubabende führen über Simian Mobile Disco in dystopische Techno-Landschaften, vom Retro-Horror und Gatekeeper, zu brachialer Distortion mit Sun Worship.

Das CTM ist eng verbunden mit dem Schwesterfestival „Transmediale“. Beide Veranstaltungen leihen/teilen sich Künstler und Ideen. Der theoretische Schatten wird stets mitgedacht und gefühlt. Man lässt Konzeptperformance, experimentelle Klangforscher oder selbst die clubdressierte Partymaus selig zueinander finden.

Der natürlicherweise obligatorische Festival Konsens-Abschluss wird mit den immer tollen Sunn O))) monolithisch ins Dunkle gedröhnt, was erfreulich und gleichsam beschreibend ist. Für die Bandbreite, sowie Qualität des gesamten Programms.

Weiterhin als kleinste Auswahl für gelungene Audioextatik zu empfehlen: A Guy Called Gerald (UK), Alec Empire (DE), Carl Schilde (UK), Dean Blunt (UK), Emptyset (UK), Felix Kubin (DE), Florian Hecker (AT), Forest Swords (US), Holly Herndon (US), Iceage (DK), Imogen Heap (UK), Keith Fullerton Whitman (US), Matmos (US), Mykki Bianco (US), Myrninerest (INT), Necro Deathmort (UK), Orphan Drift (UK), Pantha du Prince & The Bell Laboratory (DE/NO), People Like Us (UK), Shackleton (US), Simian Mobile Disco (UK), Skream feat Sgt Pokes (UK), Sun Worship (DE), Sunn O))) (US), Wife (UK), xorzyzt (US).



Die Mauer steht wieder: Roger Waters und „The Wall“

Wir erinnern an dieses große Ereignis mit einem Text aus unserem Archiv über die Wiederaufführung des Spektakels in Deutschland im Jahr 2011: Die Mauer steht wieder Von Brian Hiatt Noch einmal bringt Roger Waters seine Rock-Oper auf die Bühne - zum ersten Mal so, wie er sie selbst geplant hatte. "The Wall" ist das Resümee seines Schaffens und zugleich sein letztes Großprojekt. Nun führt er das Spektakel in Deutschland auf. Herbst 2010, New York City. In diesem Moment wäre Roger Waters froh, wenn er eine Miniatur-Ausgabe seiner "Wall" zur Hand hätte. Kaum dass er seine 1,90 Meter auf dem Rücksitz…
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