John K. Samson: Neuer Song „Letter In Icelandic From The Nine“ im Stream


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John K. Samson ist ein kleiner Mann, aber ein großer Geschichtenerzähler. Wir erinnern uns nur zu gerne daran, wie er beim Rolling Stone Weekender 2009 auf der Bühne des Witthues stand und selbst das geschwätzige Thekenpersonal für eine gute Dreiviertelstunde zum Schweigen brachte – und das, obwohl man ihn von dort garantiert nicht auf der flachen Bühne erspähen konnte. Aber diese wehmütige Stimme, diese Geschichten, diese verwehten Impressionen seiner Heimat Kanada – eine Mischung, die einen schnell in den Bann zieht. Man fragte sich damals schon, wie es eigentlich sein konnte, dass Samson mal bei Propagandhi gesungen und geschrien hat. Da passten die Weakerthans schon besser, die zwar auch Schmissiges im Oeuvre haben, aber in den leisen Momenten, in Liedern wie „Left And Leaving“, am Eindringlichsten waren.

Es wundert also nicht, dass John K. Samson auf seinen Soloalbum „Provincial“ nun vor allem die bewährten, leisen Töne wählt, um seine Geschichten zu erzählen. Filigranes Gitarrenspiel, folkige Geigen und dezente Bläser bestimmen das Klangbild. Einlullend ist das in keiner Minute, was auch „Letter In Icelandic From The Nine“ beweist. Wie da erst nach anderthalb Minuten zum ersten Mal die Drums pochen und dem Song einen ruhigen Pulsschlag setzen, wie wenig später die Geigen kurz aufjaulen und dann immer wieder verstummen und klagen, verstummen und klagen – eine wundervolle Komposition. Auch lyrisch ist Samson wieder ganz bei sich, allein das Bild der spielenden Kinder zu Halloween ist meisterhaft formuliert: „and it’s Halloween / skinny ghosts dressed like cowbowys / rest at the railing by my door / on their way from the children’s ward.“ Songwriter-Kollege Frank Turner, der für das Label einen schönen Text über „Provincial“ geschrieben hat, bringt Samsons Können darin charmant auf den Punkt: „Ich war schon immer fasziniert von seiner Art, die Sprache zu nutzen. Sein Vokabular und seine Bilder sind so weit weg von den üblichen, ausgelutschten Rock’n’Roll Klischees. Mir fällt niemand anderes ein, der den Text einer Online-Petition für einen vergessenen Hockey-Spieler singen könnte, und mich dabei sofort überzeugt, selbige sofort zu unterzeichnen.“

John K. Samson – „Letter In Icelandic From The Nine“ by Rolling Stone Magazin

„Provincial“ erscheint bei uns am 27. Januar via Grand Hotel van Cleef. Eine Verbindung, die Sinn macht und persönlich erfreut, denn die Labelmacher und der Künstler sind sich seit langem verbunden. Schon das vielleicht beste Weakerthans-Album „Left And Leaving“ erschien auf dem von Marcus Wiebusch und …But Alive betriebenen Label „B.A. Records“. Auch später zu Kettcar- und eben Grand Hotel-Zeiten äußerte Wiebusch immer wieder seine Bewunderung für das Schaffen Samsons. Auch Tomte-Sänger und Grand Hotel-Mitbetreiber Thees Uhlmann schwärmt seit jeher von den Weakerthans. Ein besseres Label hätte sich John K. Samson also kaum aussuchen können – die volle Unterstützung dürfte ihm im Kreise seiner eigenen Fans gewiss sein.