John Lydon verachtet die neue Serie über die Sex Pistols mit allem, was er hat


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Es knistert im Gebälk der Sex Pistols: Zwischen John Lydon und seinen ehemaligen Bandmitgliedern schwelt seit Monaten ein öffentlich ausgetragener Streit um die sechsteilige, autobiografische TV-Serie „Pistol“. „Meiner Meinung nach ist dieses Projekt nichts anderes als Gift“, sagte Lydon schon im Januar vergangenen Jahres. Regie führte kein geringerer als Oscar-Gewinner Danny Boyle, der sich unter anderem für „Slumdog Millionär“ verantwortlich zeigt. Er hielt dagegen: „Ich liebe Lydon für das, was er tut, und ich will nicht, dass er es mag – ich will, dass er es angreift.“

Die verkaufte Seele der Sex Pistols

Dafür gab es nun die Retourkutsche von Lydon: „Oh, wie feige von ihm“ sagte er in einem neuen Interview mit dem „Guardian“ – und fügte hinzu, dass er nur den Trailer und nicht etwa die vollständigen Episoden gesehen habe. Noch einmal fasste er zudem dezidiert seine Abscheu gegen das Projekt in Worte: „Es ist wirklich ekelhaft. Wie kann man wahrheitsgetreu sein, wenn man den Haupt-Frontmann nicht mit einbezieht, der diese Songs geschrieben hat und die Versteckspiele, Tritte und öffentlichen Ermahnungen ertragen musste?“, so der 66-Jährige.

Aus seiner Sicht haben Schlagzeuger Paul Cook und Gitarrist Steve Jones (auf dessen Autobiografie die Serie basiert) ihr Erbe verkauft: „Das steht im Widerspruch zu allem, wofür wir einst standen. Das Einzige, was du in deinem Leben von Wert hast, und das willst du für einen zusätzlichen Fünfer verramschen? Das ist nicht gerade sehr menschlich“, sagte Lydon.

Lydon: „Sie haben nicht verstanden, was ich gemacht habe“

Vielleicht von seinem Groll getrieben, fiel auch die Rückschau auf alte Tage schmählich aus: So habe die Zeit mit den Pistols in den 70er-Jahren keinen Spaß gemacht: „Es war zu hektisch, zu viel in einer so kurzen Zeitspanne. Und es war sehr schwer, mit der Band umzugehen, weil sie mir gegenüber so gleichgültig waren. Sie haben nicht verstanden, was ich gemacht habe – und es hat sie auch nicht interessiert.“ Allerdings habe ihm die Inkompetenz seiner Mitstreiter in gewisser Hinsicht seine Arbeit erleichtert: „Die Band war nicht sehr fähig, was es einfacher machte. Ein blöder Reim konnte sehr gut zu einer blöden Note passen. Aber sie schenkten den Texten nie viel Aufmerksamkeit, also hatte ich freie Hand.“

Er fuhr fort: „Man kann nicht die Lieder schreiben, die ich schreibe, ohne eine gewisse Rücksicht auf seine Mitmenschen zu nehmen“, und weiter: „Die Medien sahen mein Zeug damals als unflätiges Dies und Jenes und das andere … Nein, nein, nein, nein, es ist alles von einem Standpunkt der Empathie ausgegangen.“