Braucht es erst Joko und Klaas für die drastische Ukraine-Wahrheit?
Die Moderatoren haben die von ProSieben zugesicherte Sendezeit genutzt, um ganz nah von der ukrainischen Front zu berichten. Motto: #dontlookaway.
4 Jahre, 3 Monate und 12 Tage befindet sich die Ukraine im Krieg mit Russland. Das sind 1562 Tage, die für die Menschen in Osteuropa zur Hölle geworden sind. Während die katastrophale Lage der von Putin bombadierten Menschen in den ukrainischen Städten allgemein bekannt ist und Ausschnitte davon in den Nachrichten zu sehen sind, ist über jene, die gegen Russland kämpfen wenig bekannt.
Joko Winterscheidt und Klaas-Heufer Umlauf wollten das ändern und nutzten die 15 Minuten Sendezeit, die sie von ProSieben für ihren Sieg in der Show „Joko & Klaas gegen ProSieben“ geschenkt bekamen, um ganz nah an die Front heranzugehen. Aus einer Viertelstunde wurden am Ende mehr als drei Stunden Sendezeit mit „Joko & Klaas Live- #dontlookaway“.
Ein Drohnen-Pilot, ein Chirurg, ein Evakuierungshelfer, eine Mitarbeiterin der Stadtverwaltung von Cherson und ein Polizist stellten gaben einer vor Ort lebenden Kontaktperson Rede und Antwort und brachten so drastische Wahrheiten über den Ukraine-Krieg, die sonst eher in Nebensätzen zur Berichterstattung über die Kriegslage genannt werden.
Zu sehen sind hier Menschen, die das tun, was in dieser Lage getan werden muss. Anderen helfen, Orientierung im Notfall geben, Waffen auf ihren Einsatz vorbereiten, gegen den eigenen Zynismus ankämpfen. Immer wieder sind Handkameraaufnahmen aus den getroffenen Kriegsgebeieten zu sehen. Dabei wirkt es zunächst so, als wäre alles in Ordnung, bis plötzlich ausgebrannte Autos und Menschen in Schockstarre zu sehen sind.
Der Ukraine-Krieg erscheint als ein Konflikt unter vielen
Ohne Werbeunterbrechung zeigten Joko und Klaas hautnah, was ein nicht enden wollender Krieg mit den Menschen macht, die ihn führen müssen. Es bleibt aber die Frage, warum erst zwei Entertainer auf die Idee kommen müssen, die nackte Realität in der Ukraine, die auch die Sicherheitslage aller anderen europäischen Länder beeinflusst, mit einer Live-Sendung zu zeigen.
Das wäre eigentlich die Aufgabe der seriösen Nachrichtenmedien, die sich in den letzten Jahren womöglich zu sehr darin eingerichtet haben, nur noch das Nötigste zu schildern. Zwischen Betroffenheit mit den Opfern und der Zurschaustellung von Statistiken ging dabei mitunter der Blick auf das tägliche Erleben im Dauerausnahmezustand verloren.
In den letzten Jahren haben die 15-Minuten-Aktionen der Comedians etwas an Relevanz verloren. 2021 gelang ihnen allerdings schon einmal ein Coup, der mit der Ukraine-Aktion durchaus vergleichbar ist. Unter dem Hashtag #NichtSelbstverständlich wurde die komplette Frühschicht der Pflegekraft Meike Ista in Echtzeit übertragen. Sie arbeitet auf der Knochenmarktransplantations- und Intensivstation des Uniklinikums Münster und bekam eine Bodycam, so dass ihr Berufsalltag minutiös nachverfolgt werden konnte. Neben der Live-Schicht kamen in Einspielern zahlreiche andere Pflegekräfte zu Wort, die über chronischen Personalmangel, schlechte Bezahlung und Überlastung vor allem während der Corona-Zeit berichteten.