Für junge MAGA-Männer: Ist Iran der letzte Strohhalm?

Trump gewann junge Männer mit dem Versprechen auf Antiinterventionismus – doch der Irankrieg bringt selbst treue Unterstützer ins Zweifeln.

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Im Zuge von Trumps überraschendem Angriff auf Iran sprach ich mit einem jungen Mann, der beim Präsidenten sein Kreuz gemacht hatte. Er war grundsätzlich zufrieden mit Trumps zweiter Amtszeit und hatte sich aufgrund sozialpolitischer Themen sowie des Versprechens, verschwenderische Ausgaben zu kürzen, für den Präsidenten entschieden. Doch er – wie seine Kommilitonen im Turning Point USA-Chapter seiner Universität – tat sich schwer damit, den gegenwärtigen Moment einzuordnen. Trump hatte als Außenseiter kandidiert, der das System aufmischen würde, als Dealmaker, der Amerika aus sinnlosen Kriegen heraushalten würde. Wie viele der jungen Männer, die dieses Versprechen geglaubt hatten, kommen ihm nun Zweifel.

Schon Trumps Schweigen zu den Epstein-Akten sei, mit seinen Worten, „beunruhigend“ gewesen – auch wenn er glaubt, dass „beide Seiten“ schuldig seien, Informationen zurückzuhalten. Jetzt ist die Aussicht auf einen weiteren endlosen Krieg im Nahen Osten seine größte Sorge. „Ich glaube nicht, dass irgendjemand ein neues Afghanistan oder Irak will“, sagte er mir.

Ich bin Direktor des Young Men Research Project (YMRP), einer Forschungsorganisation, die politische Trends unter jungen Männern durch Umfragen und Analysen untersucht. Mit 24 Jahren gehöre ich selbst dieser Altersgruppe an. Ich kann euch sagen: Er ist kein Einzelfall. Für viele junge Männer – und für ihre beliebtesten Influencer, von denen viele den Präsidenten unterstützt hatten – sind außenpolitische Interventionen und die Epstein-Akten eigenständige Themen. Aber sie dienen auch als Lackmustest: Ist Trump etwa doch nur ein weiterer abgehobener Politiker, der die Mächtigen schützt und durch Chaos ablenkt?

Junge Männer und Trump

Bei der Wahl 2024 schwenkten junge Männer entschieden zu Trump. Laut Catalist, einem progressiven Datenanbieter, fiel die demokratische Unterstützung unter Männern zwischen 18 und 29 Jahren bei der letzten Wahl auf 46 Prozent – nach 55 Prozent im Jahr 2020. Manche entschieden sich für den republikanischen Kandidaten wegen der anhaltenden Inflation oder explodierender Wohnkosten; andere, offen gesagt, wegen des „Vibes“. Der gemeinsame Nenner war eine Fiktion, die Trump geschickt konstruiert und verkauft hatte: dass er das Gegengift zum vielgeschmähten Establishment sei – genau jenem Establishment, das er heute verkörpert.

Gen-Z-Männer sind wohl das am wenigsten ideologisch geprägte, politisch losgelösteste Segment der amerikanischen Wählerschaft – und an der Wurzel davon steckt ein tiefes Misstrauen gegenüber der herrschenden Klasse. In einer repräsentativen Befragung von Männern zwischen 18 und 29 Jahren, die YMRP/YouGov im vergangenen Sommer durchführte, war die häufigste Antwort auf die Frage, welche Partei „korrupter“ sei: beide. Auf die Frage, welche Partei ehrlicher sei, antwortete eine Pluralität (35 Prozent): keine.

Die Klagen dieser Generation über das politische Establishment sind kaum originell – Interessengruppen, die die Taschen der Mächtigen füllen, der schleppende Wandel (vor allem bei wirtschaftlichen Fragen, aber nicht nur dort) und außenpolitisches Abenteuerertum, das weniger als Stärkung der nationalen Sicherheit gilt, sondern eher als sinnloser Konflikt, der ausschließlich dem militärisch-industriellen Komplex dient.

Viele beginnen zu glauben, dass man ihnen ein faules Ei verkauft hat – einen Präsidenten, der nicht nur im sprichwörtlichen Sumpf steckt, sondern interventionistische Kriege ohne klares Ende vom Zaun bricht. Nirgendwo zeigt sich der Backlash deutlicher als in den Ecken des Internets, die Trumps junge männliche Koalition mobilisiert hatten.

Risse in der MAGA-Basis

In der Außenpolitik waren die Risse schon länger sichtbar. Nach dem Angriff auf iranische Atomanlagen im vergangenen Sommer versicherte Charlie Kirk seiner Basis, Trump und MAGA hätten „niemals für einen Regimewechsel gestanden und werden es niemals tun.“ Im Gespräch mit „This Past Weekend w/Theo Von“ nach der Gefangennahme von Nicolás Maduro zerriss der libertäre Comedian und Podcaster Dave Smith – ein früherer Trump-Unterstützer, der bei jungen Männern beliebt ist – die Operation als „unerträgliche Erniedrigung“ der Kernanhänger des Präsidenten; Von zeigte sich verständnisvoll. Mit Iran kochte die Wut nun vollends über. Adin Ross, der 25-jährige rechtsextreme Streamer, der ebenfalls hinter Trump gestanden hatte, schimpfte die Angriffe seien „wirklich beschissen dumm“, während „Fresh & Fit“-Host und Manosphere-Stammgröße Myron Gaines in den Chor derer einstimmte, die Trumps Vorgehen beklagten.

Für viele sind Iran und Epstein untrennbar miteinander verbunden. Ryan Garcia – der 27-jährige Boxer, der Trump stolz unterstützt hatte – distanzierte sich öffentlich von seiner früheren Unterstützung wegen Trumps Erwähnung in den Akten, und Joe Rogan bezeichnete die ICE-Razzien der Regierung in Minnesota als „Ablenkung“ vom Epstein-Drama. Unter populären rechtsextremen männlichen Influencern wie Dan Bilzerian wird derselbe Vorwurf – dass der Präsident Chaos inszeniert, um von den Akten abzulenken – nun auf Iran übertragen, was auf ein weiteres Misstrauen in seiner Basis und in der Öffentlichkeit hindeutet.

Sie misstrauen traditionellen Politikern

Diese Influencer verfügen über enorme Reichweiten. Aber sie sind auch nützliche Stellvertreter für die ideologisch formbaren, politisch unabhängigen jungen Männer, die Trump ins Weiße Haus geholfen haben. Sie misstrauen traditionellen Politikern und sind anfällig für Außenseiterkandidaten (Joe Rogan unterstützte Bernie Sanders 2020, und Ro Khanna ist auf diesen Shows fast ein Stammgast); sie verabscheuen Cancel Culture (zwei von drei jungen Männern stimmen laut YMRP-Umfragen zu, dass Typen heutzutage „ihren Ruf ruiniert bekommen können, nur weil sie ihre Meinung sagen“); sie sind neugieriger auf Verschwörungstheorien als der durchschnittliche Wähler – und wie die jungen Männer, mit denen sie sprechen, sind sie größtenteils antiinterventionistisch.

Umfragedaten und Midterms

Die Herbstumfrage des YMRP ergab, dass junge Männer eine weniger aktive amerikanische Rolle in der Welt um 17 Punkte bevorzugen: 53 Prozent stimmen zu, dass die USA „sich weniger aktiv in Weltangelegenheiten einmischen müssen, weil wir uns mehr auf Probleme im eigenen Land konzentrieren müssen“ – gegenüber 36 Prozent, die sagen, die USA sollten aktiv engagiert bleiben. Unter Unabhängigen weitet sich die Nettounterstützung für eine reduzierte globale Rolle auf 24 Punkte aus, und auch eine Mehrheit der Trump-Wähler bevorzugt eine weniger aktive Außenpolitik.

Diese Opposition manifestiert sich in Echtzeit. Eine nationale Fox-News-Umfrage vom 3. März ergab, dass Amerikaner unter 30 Jahren am stärksten gegen Trumps Vorgehen sind – von allen Altersgruppen: Nur 15 Prozent sagen, der Umgang des Präsidenten mit Iran habe das Land sicherer gemacht, gegenüber 65 Prozent, die sagen, weniger sicher. Von „America First“-Hardlinern wie Nick Fuentes – der ankündigt, 2026 demokratisch zu wählen, nicht aus Überzeugungswandel, sondern um eine GOP zu bestrafen, die er konsequent als zu wenig radikal geißelt – bis hin zu denen, die aus weniger ideologischen Gründen für Trump gestimmt hatten: Der Präsident gewinnt niemanden hinzu und verprellt aktiv viele, die vor 14 Monaten sein Kreuz gemacht hatten.

Der junge Mann, mit dem ich gesprochen habe, hat kein Interesse daran, in absehbarer Zeit demokratisch zu wählen. Aber ein andauernder Konflikt, sagte er mir, könnte Grund genug sein, 2026 und 2028 zu Hause zu bleiben. Acht Monate vor den Midterm-Wahlen könnten junge Männer wie er erneut entscheidend sein. Manche, die zu Trump gewechselt waren, könnten die Seiten wechseln; die meisten werden es nicht. Aber für viele werden die Gründe, überhaupt zur Wahl zu gehen, immer weniger.

Charlie Sabgir ist Direktor des Young Men Research Project. Weitere Texte von ihm finden sich auf seinem Substack.

Charlie Sabgir schreibt für den ROLLING STONE USA. Hier geht es zum US-Profil