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Kat Edmonson: Viel zu eigenwillig für “American Idol”

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Kat Edmonson: Viel zu eigenwillig für “American Idol”

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Normalerweise würde man einem Casting-Show-Teilnehmer keine anspruchsvollen Songs zutrauen. Erwartbar ist eher, was sich bei den Google-Ergebnissen zu Kat Edmonsons englischer Fast-Namensvetterin (Kate mit e) bietet: etwas Wasserstoffblondes, das sich erschreckend unerotisch in Unterwäsche um einen Mikrofonständer windet. Kat Edmonson dagegen hat keine gefärbten Extensions und peinliche Unterwäschefotos gibt es auch nicht. Mit 19 kam sie in die

Vorauswahl der amerikanischen -Version American Idol und wurde glücklicherweise nicht in die Show gecastet. Also tingelte sie durch Clubs und bezahlte die Produktion ihres ersten Albums mit Geld, das sie über die Crowdfunding-Plattform Kickstarter gesammelt hatte.

Fraglos ein Werdegang, den man als zeitgenössische Karriere bezeichnen kann, auch wenn Kat Edmonson mit dem Wort wenig anfangen kann. Ihre Musik bezeichnet sie selbst als eine Mischung aus American Songbook, Retro-Filmmusik und verrauchten Jazz-Elementen alles auf ihrem bereits dritten Album The Big Picture zu hören. Kat Edmonson pendelt zwischen Moderne (Song-Ideen nimmt sie sofort mit dem Smartphone auf) und verklärter Nostalgie.

Die zierliche Sängerin mit den großen Augen und dem raspelkurzen Bubikopf ist in Texas aufgewachsen. Sie spricht ohne Akzent im Gegensatz zu meiner Mutter. Von ihr wurde Kat als Kind regelmäßig vor den Fernseher gesetzt, um Filmklassiker zu sehen: Marilyn Monroe kokett über dem Lüftungsschacht, Liz Taylor weinend in Big Daddys Farmhaus, der trottelige Inspektor Clouseau und Komponist Henry Mancini haben in einem nicht unwesentlichen Maße inspiriert. Ich bin ein Pink-Panther-Typ meint Edmonson viele ihrer Songs sind ein Mix aus übermütiger Gaunerkomödie, zuckrigem Moon River und Liebes-tohuwabohu à la Frühstück bei Tiffany.

Auch eine Holly-Golightly-hafte Dickköpfigkeit darf man der Sängerin unterstellen. Die Juroren der American Idol-Show um Simon Cowell hatten weder an eine Karriere geglaubt noch brauchbare Tipps für die Arbeit in der Musikbranche gegeben. Kat ging erst mal zurück aufs College. Während einer Autofahrt habe ich dann all die Country-Sänger im Radio gehört, die darüber gesungen haben, dass sie die Schule abgebrochen haben.Das gab ihr den Kick, das Studium abzubrechen und fortan mit Jazz-Bands in diversen Clubs in Austin aufzutreten wo sie zunächst Lyle Lovetts Freundin, später dann Lovett selbst auffiel. Die Bekanntschaft führte unter anderem zu einer gemeinsamen Tour und zwei Duetten: dem Klassiker Cold Outside auf seinem und dem beschwingten Long Way Home auf Edmonsons Album. Wir sind Freunde, sagt sie über ihn Lyle Lovett ist wohl ein weitaus besserer Freund als Ex-American Idol-Juror Simon Cowell.

Obwohl die neuen Stücke vor allem um Herzschmerz und unglückliche Liebe kreisen, ist The Big Picture für Kat hauptsächlich ein fröhliches Album. Freude hat doch immer eine bittersüße Komponente, ist die Vereinigung von Glück und Traurigkeit. Ich schreibe meine Songs meist aus der Verzweiflung heraus.Diese fröhlichen, verzweifelt geschriebenen Songs singt sie mit kehliger Stimme zu Jazz-Arrangements. Im an Bond-Songs erinnernden Rainy Day Woman, zu dem Eis in geschütteltem Martini klirrt, stellt Edmonson fest: Keiner hat dich jemals so geliebt wie ich dich. Keiner. Und bleibt dabei fast trotzig gut gelaunt. Oh My Love dagegen verströmt knarzigen Schellackplattensound. Die Nadel kratzt über den Song, und über allem schwebt Edmonsons rauchige Stimme als hinge Nina Simone sehnsüchtig vor der Auslage von Tiffany in New York.

Wir verlosen 3x ihre Platte “The Big Picture”. Einfach mailen und Name, Adresse und Telefonnummer angeben.

Rainy Day Woman von Kat Edmonson auf tape.tv.

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