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„Kessler ist…. „: Fantastische Verwandlungen

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„Kessler ist…. „: Fantastische Verwandlungen

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Ein bisschen gruselig klingt die Idee immer noch. In der ersten Staffel von „Kessler ist…“ verwandelte sich Michael Kessler unter anderen in Heino, Markus Kavka und Michaela Schaffrath. In der zweiten, die jetzt donnerstags bei ZDF und ZDFneo läuft, hat der Komiker sechs weitere Prominente im Blick, die er nicht nur trifft, sondern schließlich auch sich selbst gegenüberstellt: Im Interview am Ende sieht Kessler mal mehr, mal weniger wie der Befragte aus. Er verlässt sich allerdings nicht bloß auf seine Maske, übt Mimik und Sprache, versucht wie sein Gegenpart zu denken – und das Ergebnis ist fast immer verblüffend.

„Viele denken viele Dinge nicht von mir!“

Ob Horst Lichter oder Kai Pflaume, Stefanie Hertel oder Götz Alsmann: Kessler trifft sie tatsächlich alle. Er befragt Bekannte und Verwandte, macht sich Gedanken und beobachtet die Menschen ganz genau – auch im Fall von Stefan Effenberg (30.7. ZDF, 6.8. ZDF neo). Plötzlich ist kein Ausweichen mehr möglich, keine Hampelei und keine Manierismen. „Viele denken viele Dinge nicht von mir“, sagt der Ex-Fußballer, der gern gärtnert, sehr oft „alles gut“ findet und putzige Schiebermützen trägt.

Wie ein Profiler setzt Kessler seine Vorstellung der Prominenten zusammen. Er hat eine Wand, wie man sie aus CIA-Serien kennt: vollgepflastert mit Fotos, Zeitungsausschnitten, Zetteln. Effe hat damit kein Problem, er erzählt von seiner Lehre bei der Post, von ersten Erfolgen und von Claudia natürlich auch. Als der Kessler-Effenberg auf den echten Effenberg trifft, ist das zunächst – wie bei fast allen dieser Spiegelbild-Begegnungen – etwas peinlich.

Es ist wohl die seltsamste Maske der Staffel,  Kessler sieht keinen Moment wie Effenberg aus, aber er redet genau in den Stanzen des Hamburgers – und der muss manchmal darüber lachen, wenn er sich nicht gerade mal wieder selbst sehr ernst nimmt. Von seinen Schwächen hört er nicht so gern, bei der Frage nach seiner Zukunft sieht er nachdenklich aus. Und ruft, als es endlich vorbei ist: „Großer Sport!“

Michael Kessler trifft Michael Mittermeier
Michael Kessler trifft Michael Mittermeier

Trifft ein Komiker den anderen

Kann auch das lustig sein? Bei Michael Kessler und Michael Mittermeier schon (6.8. ZDF, 13.8. ZDFneo) – vor allem ist es aber interessant, weil Mittermeier nicht nur witzig ist, sondern immer eine dezidierte Meinung hat und nie damit hinterm Berg hält. „Er ist eine tolle Rampensau“, sagt Kollege Rick Kavanian bewundernd, Autor Sven Kemmler bezeichnet ihn als „wahnsinnig verlässlich“ und „sehr echt. Man kann ihn hinsetzen, wo man will, er wird immer Michl sein“.

Kessler geht mit ihm Whisky-Trinken und zeigt ihm die CIA-artige Wand, die Mittermeier überfordert: „Der schon wieder!“ sagt er und zeigt auf eines der vielen Fotos von sich selbst. „What the fuck?!“ Es ist einer der großen Momente, weil man merkt, dass das Erstaunen über die eigene mediale (Über-)Präsenz nicht gestellt ist. „Ein Arschloch wird ein größeres Arschloch, wenn es erfolgreich ist“, stellt Mittermeier schließlich fest – in dem guten Gewissen, dass das auf ihn nicht zutrifft.

Lockerlassen ist gar nicht so einfach

Bei der Gegenüberstellung mit dem verwandelten Kessler ist Mittermeier erst mal ein bisschen irritiert. Nicht wegen der großen Nase, sondern weil Kessler doch sehr viele Dinge sagt, die Michl ähnlich, wenn nicht gar genauso sagen würde (oder halt schon gesagt hat). Kesslers Bayrisch lässt zu wünschen übrig, doch der Duktus, mit dem er spricht, passt genau. „I muss noch a bissal der Durchatmer-Sepp werden“, legt Kessler den Finger auf die Wunde: Der Michl ist etwas manisch, er kann nicht so gut lockerlassen. Der Falsche redet sich immer weiter in die Rolle hinein, der Echte sitzt am Ende etwas bedropst da und fragt sich, was da passiert ist – „nicht schräg – toll“ sei das gewesen.

Nur die aufdringliche Thrillermusik und Kesslers Geschwafel von den intensiven Recherchen und den „letzten Fragen“ nerven manchmal ein bisschen, aber im Showgeschäft muss man sich wohl ständig selbst sagen, wie gut man ist – dann glauben’s auch die anderen. That’s entertainment.

Mike Christian ZDF und Mike Christian
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