Kim Novak: „Scandalous“-Biopic mit Sydney Sweeney falsch besetzt

Hollywood-Legende Kim Novak (93) lehnt das Biopic „Scandalous“ über ihre Beziehung zu Sammy Davis Jr. ab und kritisiert Besetzung und sexualisierte Darstellung. Alle Details.

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Hollywood-Legende Kim Novak (93) hat deutliche Kritik an einem geplanten Biopic über ihr Leben und ihre Beziehung zu Sammy Davis Jr. geäußert. Im Gespräch mit der Londoner „Times“ bezeichnete sie die Besetzung von Sydney Sweeney als „völlig falsch“.

Der Film mit dem Arbeitstitel „Scandalous“ soll die kurze, aber folgenreiche Beziehung zwischen Novak und Davis in den späten 1950er-Jahren beleuchten – eine Liaison, die in der damaligen US-Gesellschaft aufgrund rassistischer Vorurteile erheblichen Druck erzeugte. Berichten aus Insider-Kreisen zufolge ist das Projekt aktuell ins Stocken geraten. Als Regisseur wird Colman Domingo („Euphoria“) gehandelt; es wäre sein Debüt hinter der Kamera. Die Rolle von Davis soll der britische Schauspieler David Jonsson („Deep State“) übernehmen.

Dass das Projekt derzeit stagniert, könnte auch mit der offenen Ablehnung seiner zentralen Zeitzeugin zusammenhängen. Zugleich wirft die Debatte ein Schlaglicht auf die anhaltende Spannung zwischen historischer Aufarbeitung, künstlerischer Freiheit und der Frage, wem die Deutungshoheit über gelebte Geschichte gehört.

Novak befürchtet sexualisierte Darstellung

Novak stellt nicht nur die Besetzung infrage, sondern auch die inhaltliche Ausrichtung des Films. Sie befürchtet, dass ihre Beziehung zu Davis auf eine sexualisierte Darstellung reduziert werde. „Es scheint offensichtlich, dass das Thema als sexuelle Liaison erzählt werden wird“, sagte sie und verwies dabei explizit auf das öffentliche Image Sweeneys. Sie selbst habe das Projekt „niemals genehmigt“.

Kim Novak Speaking

Bereits zuvor hatte Novak den Filmtitel kritisiert: Die Bezeichnung „Scandalous“ spiegele nicht ihre eigene Wahrnehmung der Beziehung wider. Davis beschreibt sie als jemanden, mit dem sie eine tiefe Verbindung geteilt habe – geprägt von dem gemeinsamen Wunsch, „für das akzeptiert zu werden, was wir sind, nicht wie wir aussehen“.

Sammy Davis Jr.: Mehr als ein Showbiz-Mythos

Die Debatte rückt zugleich eine der prägendsten Figuren der US-Unterhaltungs- und Musikgeschichte ins Blickfeld. Sammy Davis Jr. war weit mehr als ein Nebendarsteller im amerikanischen Showbiz-System: Als Mitglied des legendären „Rat Pack“ um Frank Sinatra und Dean Martin verband er Jazz, Swing und Pop mit Vaudeville-Traditionen und entwickelte sich zu einem der vielseitigsten Entertainer seiner Zeit. Songs wie „Mr. Bojangles“ oder seine Interpretationen des Great American Songbook machten ihn zu einer Schlüsselfigur der US-Showkultur – zugleich blieb er als schwarzer Künstler strukturellem Rassismus ausgesetzt, selbst auf dem Höhepunkt seines Erfolgs.

Eine Beziehung unter gesellschaftlichem Druck

Die Beziehung zwischen Novak und Davis begann 1956 und entwickelte sich zunächst im Verborgenen. Während der Dreharbeiten zum Hitchcock-Film „Vertigo“ besuchte Davis Novak regelmäßig; Feiertage verbrachten sie gemeinsam. Als die Beziehung 1958 öffentlich wurde, reagierte das Studio Columbia Pictures mit Sorge auf mögliche gesellschaftliche Reaktionen. Berichten zufolge wurde Davis massiv unter Druck gesetzt, die Beziehung zu beenden – ein drastisches Beispiel für die rassistischen Strukturen der damaligen Unterhaltungsindustrie.

Sydney Sweeney hatte sich noch im vergangenen Jahr „geehrt“ gezeigt, Novak zu verkörpern, und betont, wie aktuell deren Geschichte im Umgang mit öffentlicher Kontrolle und medialer Zuschreibung sei. Eine Reaktion auf Novaks jüngste Kritik steht bislang aus.

Smith Collection/Gado Getty Images

Ralf Niemczyk schreibt freiberuflich unter anderem für ROLLING STONE. Weitere Artikel und das Autorenprofil gibt es hier.