KINKY FRIEDMAN

Niemals, hatte der „Kinkster all die Jahre getönt, werde er hierzulande auftreten. Denn: „The Germans are my second favourite people.“ Sein Lieblingsvolk sei der Rest der Welt. Die schiere Monstrosität des Holocaust hatte so tiefe Furchen ins Gemüt des heranwachsenden Texas-Jewboy gepflügt, seine Germanophobie hatte sich so festgefressen, daß mit Nachsicht nicht mehr zu rechnen war. Forgive and forget? Kein Gedanke, denn wie geht der Titel eines der grimmigsten Friedman-Lieder: „They Ain’t Makin‘ Jews Like Jesus Anymore“. Ein Fan mit bundesrepublikanischem Paß war es, der Friedman auf dessen Farm in Texas besuchte und dieses Dogma ins Wanken brachte.

Und nun steht er also auf deutschem Boden. In Berlin! Vor dem Altar der Passionskirche, um sich herum christlicher Kitsch und Kinkerlitzchen, vor sich ein Publikum, das ihm, dem Song-Sarkasten und Crime-Autoren, dem Hardboiled-Humoristen und Apologeten des aufrechten Sexismus aus der Hand frißt. Kinky Friedmans Fangemeide ist bestens mit den Songs des Meisters vertraut, kennt all die prekären Kalauer und die ausgewählten Buchpassagen. Und lacht dennoch schallend an den strategischen Stellen. An beiden Abenden. Wiewohl es doch im wesentlichen dieselben Leute sind – und dieselben Gags. „Tom T. Hall is a genius. I love his songs. Both of’em.“

Dabei schaltet das Unikat ständig um zwischen frivolen Scherzen und ernsten Songs, zwischen bösen kleinen Geschichten und vulgären Country-Gassenhauern, zwischen dem tieftraurigen „Wild Man From Borneo“ und dem lärmend-antipatriotischen „I’m Proud To Be An Asshole From El Paso“. Und manchmal kommt alles zusammen, das Feixen und Kopfschütteln über diese dämliche Welt, der Hohn und der Schmerz. Das sind die großen Momente, die unvergeßlichen. „Get Your Biscuits In The Oven And Your Buns In The Bed“, jenes feinsinnige Liedchen, das ihm vor genau 25 Jahren den Women’s Lib-Ehrentitel „Sexist Of The Year“ einbrachte (worauf er heute noch stolz ist), hatte er – so erzählt Kinky trocken – k. d. lang geschickt mit der Bitte, diesen Song für ein geplantes Tribute-Album zu covern. Und k. d., er könne es nicht fassen, habe doch tatsächlich abgelehnt. Wahnwitz. Die Legende lebt.

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