Kinostart der Woche II: „Sin Nombre“ von Regiedebütant Cary Fukunaga


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Rund 7000 Menschen sterben jährlich in Mexiko durch Banden- und Drogenkriege. Eine der mächtigsten Organisationen ist die Mara Salvatrucha, über die der Franzose Christian Poveda die Dokumentation „La Vida Loca“ drehte, was ihm 2009 das Leben kostete. Einen Blick in diese unbarmherzige Welt wirft auch Fukunagas Regiedebüt. Casper (Edgar Flores) gehört einer lokalen Gang der Maras an, liebt aber ein Mädchen, das bei der Vergewaltigung durch seinen Boss Lil‘ Mago stirbt.

Als der sich bei einem Überfall auf einen Zug mit Flüchtlingen aus Honduras an der jungen Sayra (Paulina Gaitlan) vergreift, tötet Casper ihn im Affekt. Er flieht mit ihr durchs Land, doch trotz einer zaghaften Zuneigung verschenkt Fukunaga keine Sentimentalitäten oder heroischen Sympathien. Casper bleibt ein ambivalenter Charakter, ein Killer ohne Zukunft. Und obwohl mit fiebriger Gewaltpoesie in Cinemascope furios gedreht, ist das Roadmovie beängstigend authentisch.

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Oliver Hüttmann