Kiss: Paul Stanley im Interview über den Ausstieg von Ace Frehley und Peter Criss


von

Mit „Off the Soundboard“ haben Kiss Live-Alben aus allen Phasen ihrer bald 50-jährigen Karriere angekündigt. Den Auftakt bildet „Tokyo 2001“, das eine schwierige Zeit dokumentiert: Leadgitarrist Ace Frehley wür- de die legendäre Band, die damals schon zu einer „Farewell Tour“ geblasen hatten, bald verlassen, Schlagzeuger Peter Criss war bereits ersetzt worden. Kiss- Sänger Paul Stanley, 69, berichtet über die Herausforderung musikalischer Kontinuität in Krisenzeiten, die Schwierigkeit, eine Pyro-Horror-Show auf einem Live-Album hörbar zu machen – und über seine Twitter-Kommentare zum Sturm auf das US-Kapitol.

Sie bewerben die schlicht gestaltete Serie als „Bootlegs“. Frühere Live- Alben wie „Alive“ protzten mit Glamourdesign. Warum haben Live-Alben es heute schwer?
Technische Entwicklungen machen es Zuschauern leichter, Shows mitzuschneiden. Kiss fingen 1973 an – damals hätte keiner sein Kassettengerät in der Jacke verstecken können. Bootlegs gibt es heute überall, aber das ultimative Bootleg kommt aus unserem Mischpult. Warum sollten die Leute Sachen auf dem Schwarzmarkt kaufen, die schlechter klingen?

Ihr Kollege Gene Simmons spuckt auf der Bühne Blut, Sie fliegen per Seilzug durch die Arena. Das kann man auf Live-Alben nicht sehen.
Rauchbomben und Laser haben wir bisher nicht in unsere Alben hineingeschmuggelt, stimmt. Trotzdem haben unsere Fans die Momente vor Augen. Ein Bühneneffekt schockiert nur beim ersten Mal – und wir haben auch Hörer, denen unsere Konzerte weniger wichtig sind als die Platten.

Was ist das Geheimnis einer guten Setlist?
Eine Band sollte dafür Sorge tragen, dass sie nur das spielt, was die Leute hören wollen – nicht das, was ihr selbst am besten gefällt. Die Songpositionen im Set sind schnell belegt, und 99 Prozent aller Konzertgänger haben kein Interesse an Raritäten. Raritäten sind nicht ohne Grund Raritäten. Das Wort dafür ist „unpopulär“.

„I Was Made For Lovin’ You“ spielten Sie lange Zeit nur in Europa, weil es in den USA keiner mag.
Zuletzt aber auch auf der „Farewell Tour“ in den USA. Bei Metal-Festivals wägen wir immer ab, ob es dort gut aufgehoben ist, bei Leuten, die vor unserem Auftritt eine Band gesehen haben, die darüber singt, wie man ein Haustier tötet. Dabei ist „I Was Made For Lovin’ You“ das Stigma, ein seichter Popsong zu sein, längst los.

Wie vergleichen Sie die Spielweise Ihres aktuellen Leadgitarristen, Tommy Thayer, mit der des ausgeschiedenen, hier noch zu hörenden Fan-Lieblings Ace Frehley?
Tommy trifft immer ins Schwarze. Ace spielt oft erratisch – von Auftritt zu Auftritt wusste ich nie, was ich von ihm bekomme. Die Kiss-Besetzung von heute spielt immer gleich, wir agieren synchron. Natürlich hätte es die Band nie so lange gegeben ohne Ace oder unseren ersten Drummer, Peter Criss. Aber mit den beiden würde es uns heute auch nicht mehr geben. Ohne Frage bilden die Soli von Ace einen Teil des Fundaments, das Kiss auszeichnet.

Auf „Tokyo“ ist Eric Singer als Schlagzeuger zu hören – kurz vor Tourstart schmiss Peter Criss hin.
Eric ist phänomenal und spielt schon seit Jahrzehnten mit uns. Er war bereit. Dass die Spannungen mit Peter größer und sein Schlagzeugspiel immer schlechter wurde, ließ sich nicht übersehen. Dafür stimmte die Chemie zwischen Ace und Eric! 2001 gingen wir zum ersten Mal seit Jahren zusammen essen, redeten also privat. Wir mochten uns, und das hört man auf „Tokyo“.

Auf YouTube finden sich legendäre Streitereien zwischen der Band und Fans, die die Shows stören. Ist das auch auf den „Bootlegs“ zu hören?
Wer würde denn diese Verbalgefechte jedes Mal, wenn das Album läuft, aufs Neue hören wollen? Solche Aufnahmen müssen geschnitten werden, damit sie Zeitlosigkeit erreichen. Diese Störer haben nichts auf unseren Konzerten zu suchen. Warum sollten wir ihnen ein Denkmal setzen?

Als die von Trump angestachelte Meute das Kapitol in Washington stürmte, schauten wir Journalisten auch auf Twitter nach, was dort vor sich ging. Sie waren der erste Musiker, der den Mob verurteilte.
Gerade zu Sportlern und Musikern sagen viele Menschen: Macht doch besser euren Job, statt euch politisch zu äußern! Aber für sie selbst scheint das nicht zu gelten. Der Mann auf der Straße soll eine Meinung haben, aber ich nicht? Shut up and play the guitar? Okay, dann halte du doch auch die Klappe und fege weiter deine Straße!

2022 steht die angeblich letzte „Farewell Tour“ an. Verraten Sie uns bitte ein Detail dazu.
Tja, wenn ich das schon wüsste, würde mich das selbst überraschen! Es gibt viele Bands, die Kiss-Fans sind und die wir auf die Bühne holen wollen. Bis zum letzten Konzert ist es noch lange hin. Hier in Amerika haben wir zwei Arten von Zügen: Express Train und Local Train. Ein Local hält an jeder Station. Und Kiss befinden sich auf dem Local Train. Eins nach dem anderen!

Gewinnen:

Wir verlosen 2 farbige „Off the Soundboard“-Vinyls. Einfach Formular ausfüllen und „Kiss“ als Lösungswort angeben. Einsendeschluss: 01.09.2021, der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Ihr Name (Pflichtfeld)

Ihre E-Mail-Adresse (Pflichtfeld)

Straße und Hausnummer (Pflichtfeld)

PLZ (Pflichtfeld)

Ort (Pflichtfeld)

Ihre Lösung (Pflichtfeld)