Konstantin-Wecker-Skandal: Chatverläufe und E-Mails gesichtet

Zeitung dokumentiert Fall Konstantin Wecker: Chatverläufe, E-Mails und Aussage des Musikers zu Vorwürfen wegen Kontakt zu Minderjähriger ab 2011.

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Konstantin Wecker sieht sich mit schwerwiegenden Anschuldigungen konfrontiert. Eine heute 30-jährige Frau, die in einem ausführlichen Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ mit dem Pseudonym „Johanna“ auftritt, beschreibt eine Beziehung, die begonnen haben soll, als sie gerade 15 Jahre alt war. Wecker war zu diesem Zeitpunkt 63 Jahre alt.

Erstes Treffen bei Konzert in Niedersachsen

Der erste Kontakt zwischen dem Musiker und der damaligen Schülerin sei im März 2011 zustande gekommen. Die Neuntklässlerin besuchte gemeinsam mit ihrer Familie und einer Freundin, die Wecker persönlich kannte, ein Konzert in Worpswede, Niedersachsen. Nach der Veranstaltung hätten sich die beiden Mädchen ohne Wissen der Familie mit dem Künstler an der Hotelbar getroffen. Dort soll Wecker nach Darstellung der Frau unmittelbar begonnen haben, mit der 15-Jährigen zu flirten.

Täglicher Kontakt per SMS und Telefon?

Noch am selben Abend hätte die Jugendliche die erste Textnachricht von Wecker erhalten. Er habe gewollt, dass sie auf sein Hotelzimmer komme, was sie ablehnte. Dennoch hätte sich ein intensiver Kontakt entwickelt: nahezu täglich per SMS oder Telefon. Die Schülerin hätte ihm heimlich während des Unterrichts geschrieben, das Mobiltelefon unter dem Tisch verborgen.

Die „Süddeutsche Zeitung“ hatte Zugang zu Chatverläufen und E-Mails aus dieser Zeit. Aus diesen gehe hervor, dass Wecker der Jugendlichen mitteilte, er finde sie sehr begehrenswert, müsse aber warten, bis sie 16 Jahre alt sei. In einer SMS soll er geschrieben haben: „Wenn ich 20 wäre, dürfte ich das alles.“ Zudem habe er sie angeblich aufgefordert, alle Nachrichten zu löschen und im Fall einer Entdeckung alles abzustreiten.

Eifersüchtiges und kontrollierendes Verhalten?

Die Nachrichten würden unterschiedliche Stimmungen des Musikers zeigen. Mal sei er betrunken gewesen, mal nüchtern. Er habe eifersüchtiges Verhalten gezeigt und einmal gefordert, sie solle eine Burka tragen, damit andere Männer sie nicht ansehen könnten. Andererseits habe er ihr Komplimente gemacht wie „Du bist wunderbar.“

Physische Treffen ab dem 16. Lebensjahr

Als die junge Frau 16 Jahre alt wurde, kam es nach ihren Angaben zu physischem Kontakt. Insgesamt soll es viermal zu Treffen in Hotelzimmern gekommen sein. Zum damaligen Zeitpunkt habe sie den prominenten Künstler „angehimmelt“ und sich in einer „Liebesbeziehung“ mit ihm gewähnt. Erst später habe sie erkannt, dass es sich um Manipulation und Machtmissbrauch gehandelt habe.

Aggressive Reaktion auf neue Beziehung?

Als die damals 16-Jährige Wecker 2012 mitteilte, dass sie mit einem Gleichaltrigen geschlafen habe, habe sich der Ton seiner Nachrichten drastisch geändert. Die Mitteilungen seien beleidigend und aggressiv geworden. Begriffe wie „Schlampe“ und „Matratze“ sollen gefallen sein. Er habe ihr mitgeteilt, ihr diesen „Spaß“ nicht zu gönnen, und ihr ein schlechtes Gewissen gemacht. Er selbst war zu diesem Zeitpunkt verheiratet.

Weckers Stellungnahme über seinen Anwalt

Der 78-jährige Liedermacher räumt über seinen Rechtsbeistand den Kontakt ein. Er spricht von einer „einvernehmlichen Beziehung“, die jedoch „unter moralischen Maßstäben ein gänzlich unangemessenes Verhalten“ darstelle. Als Erklärung führt Wecker an, er habe damals „sehr viel und über längere Phasen Alkohol konsumiert“ und sei nicht „Herr seiner Sinne gewesen.“

In seiner Stellungnahme bittet der Musiker die betroffene Frau um Entschuldigung. Ebenso entschuldigt er sich bei seinen Fans und Anhängern dafür, dass seine Musik „erneut“ nicht das Einzige sei, womit sie sich in Verbindung mit ihm beschäftigen müssten. Sein Anwalt betont zudem, Wecker gehe davon aus, damals keine strafbaren Handlungen begangen zu haben.