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Kritik: „The Walking Dead“, Staffel 9, Folge 9: Michonnes langer Abschied

Die Rezension enthält Spoiler, auch mit Blick auf die mögliche Zukunft der Serie.

Wir erinnern uns an eine voran gegangene „Walking Dead“-Kritik: Was waren das noch für TV-Zeiten, als nicht schon vor Beginn einer Season klar war, welche Figur eine Serie verlassen wird? Wer wusste bei einer Serie, sagen wir Anfang der 1980er, sagen wir bei „Dallas“, schon vor dem Start der Staffel, dass Bobby Ewing am Ende stirbt? Warum muss der Zuschauer solche Produktionsdetails, die Arbeitsverträge, überhaupt kennen?

Denn: Jetzt, da klar ist, dass Michonne (Danai Gurira) in Staffel zehn aussteigt, steht sie von nun an im Mittelpunkt – noch acht Folgen wird es mindestens mit ihr geben, und egal, was passiert, Negans Reisen, Gabriels Tollpatschigkeiten, alles dreht sich nur um Gedanken an ihr mögliches Schicksal. Wird sie gebissen? Findet sie ihren Geliebten Rick?

Kooperation

Bis dahin kann man sich zerstreuen mit herrlichem Quatsch, der einem auch beim Midseason-Auftakt von Staffel neun in gewohnter Qualität geboten wird:

Negan bricht aus, und keinen außer Judith kümmert das. Patrouillen im Hektar-großen Camp gibt es nachts, wenn alle schlafen und schutzlos sind, nicht. Tagsüber, wenn alle auf den Beinen sind, dafür umso mehr. Negan scheint tagelang unterwegs zu sein, es werden keine Suchtrupps losgeschickt um ihn einzufangen – keiner scheint Angst zu haben, dass er Informationen an Fremde ausplaudern könnte, die das Lager in Gefahr brächten.

Der moralische Kompass

Nun hat Negan aber den Kompass des Mädchens gestohlen, der, Achtung: auch ein moralischer Kompass zu sein scheint, denn der Sträfling kehrt zurück – nach einer Verfolgungsjagd mit wilden Hunden, die sehr laut bellen können ohne ihr Maul aufzureißen. Judith weiß, wann und auf welcher Straße, sie bringt sich mit ihrem Revolver schon mal in Position. „Wir werden in dieser Season einige coole Abenteuer von Negan sehen“, gab Showrunner Angela Kang ja bekannt. Wir sind gespannt.

Auch Daryl ist sehr mit anderen Dingen beschäftigt. Erzieherische Gespräche mit dem jugendlichen Intensivstraftäter Henry, der eine Strafe absitzen muss. Keine Gedanken an den Erzfeind Negan, der die Landschaft erkunden darf.

Diesen Henry hätte man normalerweise gleich wieder vergessen. Aber die Serienmacher haben wohl Großes mit ihm vor. Weil es Carl Grimes nicht mehr gibt, muss er sich wohl nun – folgt man der Comic-Vorlage – in die Flüsterin Lydia verlieben, was zu einem sehr großen Konflikt zwischen den Parteien führen wird.

Lydia offenbart eine wirklich kuriose Eigenschaft der Whisperers: Wie kann es sein, dass jemand, der seine Freizeit in engster Nähe zu echten Zombies verbringt, zum totalen Angsthasen wird, sobald er in Gefangenschaft gerät? Die Furcht, von den Untoten als Mitläufer enttarnt zu werden – nicht vorhanden? Und wie unfassbar langweilig doch ein Alltag mit den Kreaturen zu sein scheint. Einen Kilometer pro Stunde schlurfen, in ungesunder Geh- und Körperhaltung. Wie das alles erst stinken muss.

Diese Folge bietet einen der lustigsten „Walking Dead“-Momente überhaupt, und, wie es sich gehört, einen der unfreiwillig lustigsten. Als Menschen enttarnt, versuchen zwei der Whisperer allen Ernstes, sich umzudrehen und vor Daryls Truppe in die andere Richtung zu flüchten – im schlurfenden Lahm-Gang.

Was wird aus Rosita? Sie ist schwanger. Wenn sie, wie in den Comics, in Alphas Hände gerät, dürften danach bei Daryl, Eugene und Co. alle Lichter ausgehen.

AMC

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