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Lanz kann’s! Wetten, dass…?

Johannes B. Kerner ist es nun doch nicht geworden. Der selbstverliebte Dampfplauderer mit dem Berufswunsch „Pippi Langstrumpf“ hatte das ZDF ohne Not ein paar Jahre zu früh verlassen, um bei Sat.1 eine konfuse Talk-, Verbraucher- und Gaudi-Sendung ohne festen Sendetermin in die Belanglosigkeit zu reden und sich dann selbst den Stecker zu ziehen. Der Quiz-Onkel Jörg Pilawa erkannte seine eng gesteckten Grenzen und sagte mehrfach ab. Und die chaotischen Sturmhaubitzen Joko und Klaas konnte die Gremien vermutlich nicht davon überzeugen, die größte Samstagabend-Familienshow aller Zeiten zu retten.

In der Rückschau überrascht es beinahe, dass nicht früher an Markus Lanz gedacht wurde, Nachfolger von Kerner und Allzweckwaffe des ZDF. Seine Talkshow ist die beste unter den bunten Abendsendungen – Lanz macht genau das Late-Night-Format, das laut Gottschalk und Schmidt in Deutschland nicht gemacht werden kann. Der alerte, eloquente Lanz kann’s: Er ist schnell, er ist mutig, er ist hartnäckig. Nur der sonor dröhnende Werner Sonne im ARD-Frühstücksfernsehen fragt so stoisch nach – doch Lanz ist geschmeidig und listig; er bringt Leute unter einen Hut, die nichts gemein haben.

Bei „Lanz kocht“ am späten Freitagabend führt er vor, wie man mit eisiger Freundlichkeit und stählerner Neugier das aufgeblasene Getue berühmter Köche zu einer Vorführung der Eitelkeiten machen kann. Keineswegs versucht er, im Wettbewerb mit dem grantelnden Besserwisser Alfons Schubeck, dem fränkischen Spaßvogel Alexander Herrmann oder dem neunmalklugen Kolja Kleeberg die größte Gulaschkanone zu sein. Vielmehr moderiert er die unterschiedlichen Talente in Teufels Küche, in dem er ihnen schmeichelt und sie zu Alleingängen ermuntert. Einem Conaisseur im Publikum werden die Speisen mundgerecht auf einem Tablett serviert wie Graf Koks, nach einer Weile wird spießig ein Gläschen Prosecco kredenzt (die Zuschauer jubeln). Die vorgebliche Manufactum-Kultur wird beim Schaukochen als Billigheimer-Mentalität entlarvt, die mit der Bewunderung von Köchen einhergeht, deren elitäre Verachtung der kurrenten schlechten Ernährung ihre betriebsblinde Arroganz verrät: Auch Mutters angeblich einfache Hausmannskost wird natürlich mit Produkten verfertigt, für deren Erwerb man einen Arbeitstag braucht.

Kooperation

Markus Lanz stammt aus Tirol und verweist gern darauf, dass alle Klassenkameraden heute Skilehrer sind. Sein Hochdeutsch ist so tadellos wie seine Manieren. In der Freizeit zieht es ihn zum Abenteuer an die Pole und nach Grönland, er ist aus härtestem Holz geschnitzt: Einst volontierte er bei dem Krawallsender Radio Hamburg, dann ging er durch die Boulevard-Schule von RTL und Birgit Schrowange, mit der er ein Kind hat. Und er ist erst 42 Jahre alt! Natürlich verzichtet Lanz  bei „Wetten, dass ..?“ auf eine kichernde Beistellfrau wie Michelle Hunziker und plant gleich acht Sendungen im Jahr, darunter je eine mit Kindern und eine im Schnee.

Dass Lanz die Spontaneität, das heißt: Schludrigkeit von Thomas Gottschalk nicht mitbringt, ist kein Manko: Bei Gottschalk blieben berühmte internationale Gäste auch deshalb nicht lange auf dem Sofa sitzen, weil er sie mit seinen peinlichen Fragen und seinem hektischen Gefuchtel schlecht aussehen ließ. Auch Katy Perry oder Madonna, Justin Bieber oder Lionel Richie können wie bei David Letterman glänzen, wenn man sie etwas einstudieren lässt. Gottschalk blamiert – jetzt am Vorabend – einen so gescheiten Kopf wie Hans Küng mit seinem Geschwätz. Die Aufgabe wäre, den großen Mann auch in der Plauderei als großzügig erscheinen zu lassen. Markus Lanz ist so intelligent zu wissen, dass er auf den Schultern von Riesen sitzen muss – und in der Rocktasche von Kindern.


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