Letzter öffentlicher Auftritt: David Lynch erklärt die Beatles, wie keiner vor ihm es konnte

David Lynch über die Beatles. In Worten, wie kein anderer vor ihm sie formulieren konnte.

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Der große David Lynch ist tot. Aber er war nicht nur ein großer Regisseur. Er war auch ein großer Musikexperte. Er erkannte Offiside-Songs und nutzte sie klug. In „Lost Highway“ spielte David Lynch den unauffälligen David-Bowie-Song „I’m Deranged“ (aus dem „1. Outside“-Album) an prominenter Stelle ein. Und machte ihn zum Hit. Er wollte das Pixies-Mauerblümchen „Ana“ für „Lost Highway“ einsetzen (und scheiterte am Kaufpreis). Er machte Rammstein groß. Er zeigte Marilyn Manson in eben jenem Film, als den Clown noch keiner kannte. Natürlich war er ein Beatles-Experte.

Und er lobte die Beatles. So, wie niemand es vor ihm tat. Mit einfachen Worten. Und einhundertprozentig korrekt.

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In der Disney+-Doku „Beatles ’64“ war David Lynch als Talking Head geladen. Zur Magie der Beatles gab er Sätze zu Protokoll, die man so noch nie über die Fab Four gehört hat. Eine einfache und umso wahrere Deutung.

David Lynch sagte: „Their music is like fire, water and air. It is almost a thing. It does so much. It does a thing for the intellect. It does a thing for the emotions.“

Das war Lynch: Seine Filme galten als „intellektuell“. Aber er redete stets in klaren Worten. In einfach Worten erklärte er Musik. Reine Magie.

David Lynch ist tot

Der visionäre Filmemacher David Lynch ist tot. Das gab am Donnerstag (16. Januar) seine Familie auf seinem Facebook-Account bekannt.

Lynch teilte noch im vergangenen Jahr mit, dass bei ihm nach lebenslangem Rauchen ein Emphysem diagnostiziert worden war und er wahrscheinlich nicht mehr in der Lage sein würde, sein Haus zu verlassen, um Regie zu führen. Ob sein Ableben mit seiner Erkrankung in einem Zusammenhang steht, wurde zunächst nicht bekannt.

Auf Facebook hieß es: „Es gibt eine große Lücke in der Welt, da er nun nicht mehr unter uns ist. Aber, wie er zu sagen pflegte: ‚Behalte den Donut im Auge und nicht das Loch’“.

David Lynch, geboren am 20. Januar 1946 in Missoula, Montana, wurde 1977 schlagartig bekannt, als er mit „Eraserhead“ einen der prägenden Filme des Mitternachtskinos schuf. Jahre hatte Lynch daran gearbeitet, sogar am Set geschlafen. Die groteske Geschichte erzählt von einem jungen Mann, der Vater eines nicht näher definierbaren Wesens ist und daran verzweifelt.

Zuvor hatte Lynch, der gleich mehrere künstlerische Begabungen in sich trug, bereits zu malen begonnen. Er hatte sich gleich an mehreren Kunsthochschulen eingetragen, doch erst an der Pennsylvania Academy of the Fine Arts in Philadelphia fand er zum Film. Während dieser Zeit schuf er seinen ersten Kurzfilm, „Six Men Getting Sick“ (1967). Weitere folgten, darunter die erschreckenden „The Alphabet“ und „The Grandmother“. Lynch bezeichnet seine Zeit in der Stadt oft als düster und die Stadt als prägende Inspiration für seine Arbeit.