Live gesehen: Shout Out Louds stellen neues Album in Berlin vor


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Man hatte ein wenig vergessen, wie mitreißend die Schweden um Sänger Adam Olenius sein können. Und es brauchte erst einen alten Gassenhauer der Shout Out Louds, um sich dessen wieder bewusst zu machen. Als Olenius ankündigte „Let’s get oldschool“, um sich dann in diese verzweifelt rausgeschluchzte Hymne „Please Please Please“ zu werfen, da jubelte das Publikum fast hysterisch auf und setzte geschlossen beim Refrain ein: „But we’re all happy cause the streets they’re always there for us / and it’s quite scary when you wake up in the same old clubs / It’s getting darker and I know this time wasn’t meant for us / So won’t you please please please come back to me.“ Das kann man als junger Mensch in Berlin einfach mitsingen, besonders den Club-Part. Und wenn man das ganze dann auch noch in einer charmant widersprüchlichen Verschmelzung aus 60s-Beat und englischer Spät-80er-Smiths-Dramatik vorgetragen bekommt – dann kann man sich des Reizes dieser Band für drei Minuten nicht erwehren. Trotzdem widerstanden die fünf der Versuchung, mit ihren zu veritablen Indie-Hits gereiften „Please Please Please“, „The Comeback“, „Impossible“ oder „Tonight We Have To Leave It“ den Crowdpleaser zu geben – nur zwei alte Songs fanden den Weg ins knappe Set.

Man wollte es also allen zeigen: das neue Material von „Work“, das Ende Februar erscheinen wird. Und man wollte sich auch dem neuen Label empfehlen, denn die Shout Out Louds sind nach dem Start bei Capitol und dem Zweitlingsrelease bei Haldern Pop inwzischen beim Labelriesen Universal untergekommen. Dementsprechend konzentriert fiel die Performance aus. Sänger Adam Olenius verzichtete auf zu viel Theatralik am Mikro und strich sich nur hin und wieder den Scheitel, Keyboarderin Bebban Stenborg verließ sich auf ihre Nico-eske Erscheinung und behielt die Bandmitglieder im Visier, Basser Ted Malmros gönnte zumindest seiner Hüfte ein wenig Bewegung , Schlagzeuger Eric Edman wirke zwischen den Songs fast in sich gekehrt – nur Gitarrist Carl von Arbin zeigte vollen Körpereinsatz – und war auch derjenige, der sich für die Nervosität aller entschuldigte. Es sei beinahe das erste Mal, dass sie die neuen Songs spielen, und man habe Berlin ganz bewusst dafür gewählt. Kein Wunder, denn in Deutschland lief es für die Shout Out Louds im Vergleich ausgesprochen gut.

Aber was ist denn nun vom ersten Eindruck der neuen Songs zu halten? Man muss leider sagen: Der Live-Eindruck war ein durchwachsener. Was natürlich daran liegt, dass die Shout Out Louds mittlerweile komplexer arrangieren und mehr probieren. Was vielleicht auch dem Produzenten Phil Ek geschuldet ist, der sich zuvor durch seine Arbeit mit der Band Of Horses und den Fleet Foxes empfohlen hat, und angeblich auch durchaus noch Einfluss auf das Songwriting für „Work“ hatte. Man muss sich halt daran gewöhnen, dass sie einem nicht mehr eingängige Popmelodien in die Arme werfen, sondern sich auch mal in Experimenten verlieren. So zum Beispiel bei „Moon“, der unglücklich um ein dunkles, zerhacktes Keyboarddröhnen kreist und Olenius‘ Gesang damit so gut wie erstickt. Auch das schon vorab verschenkte „Walls“ braucht erst seine zwei Minuten, bis es einen mit dem Refrain so richtig packt. Die fast wütend gesungene Zeile „We’re the ones building walls“ steht Olenius sogar ganz gut zu Gesicht, weil es mal ein wenig vom melancholischen Indie-Schönlingsbild abweicht. Bei „Too Late, Too Slow“ wiederum gelingt ihnen wieder einer dieser Überhits, die man bisher so zwei oder dreimal auf jedem Album fand.

Dennoch: Nach diesem kurzen Erstkontakt mit einem Album, für dass die Band zu neuen Ufern aufgebrochen ist und Heimatland und Hausproduzenten zurückgelassen hat, sollte man sich noch keine finale Einschätzung erlauben. Nehmen wir also die Einsicht mit nach Hause, dass die Shout Out Louds auch auf „Work“ wieder mindestens eine Single haben werden, die ihnen das Airplay verschafft, das sie verdienen. Das ist ja schon mehr als andere Bands für sich reklamieren können.

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