Madonna beim Super Bowl: Fingergate statt Nipplegate


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Madonna hatte schon im Vorfeld versprochen, dass es kein „Nipplegate“ geben werde. Aber sie hatte ihr musikalischen Gäste – und das waren einige – anscheinend nicht ausführlich gebrieft. Für einen Eklat der kleineren Sorte sorgte nämlich diesmal M.I.A., die in ihrem Part in „Give Me All Your Luvin'“ zwar das „shit“ in „we don’t give a shit“ verschluckte, dabei dem nächstbesten Kameramann jedoch einen Mittelfinger zeigte.

„Fingergate“ statt „Nipplegate“ also – und es dauerte natürlich nicht lange, bis sich die National Football League in aller Form entschuldigte. Ein Statement, das eine gewissen Komik in sich trägt, wenn man Zeilen wie diese liest: „The incident was reminiscent of Janet Jackson’s infamous ‚wardrobe malfunction‘ eight years ago — a surprise risque moment in front of tens of millions of unsuspecting viewers.“ Aufgrund des sogenannten „Nipplegates“ hatte der übertragende Sender NBC extra ein „Delay System“ installiert und eine minimal zeitversetzte Übertragung erwirkt. Aber, wie ein NBC-Sprecher erklärte: „It was a spontaneous gesture that our delay system caught late.“ Was wiederum die NFL erzürnte. Deren Sprecher bemerkte, dass M.I.A. diese Geste in den Proben nicht gemacht hätte. „The obscene gesture in the performance was completely inappropriate, very disappointing, and we apologize to our fans.“ Nun ja: Football Fans werden sich garantiert nicht an einem Mittelfinger stören, immerhin ist man vom Spielfeld ja schon einiges an verbaler und körperlicher Ruppigkeit gewöhnt.

Madonnas rund 13-minütige Show in der Halbzeit brachte dann so einiges auf die Bühne und setzte von den ersten Sekunden an auf Überwältigung – was ganz gut davon ablenkte, dass ihre Tanzperformance nicht immer passgenau war. So wurde Madonna von zahlreichen Statisten mit Footballer-Statur auf einer Sänfte auf die Bühne getragen. Kleopatra und das Römische Reich ließen an dieser Stelle gleichermaßen grüßen. Neben zahlreichen Tänzern, Akrobaten, einem Gospelchor und einem Dutzend Trommlern umgab sich Madonna mit diversen Stars aus anderen Altersklassen. Neben Nicki Minaj und M.I.A. hatten die prolligen Wirrköpfe von LMFAO den längsten Gastauftritt und durften mit „Sexy And You Know It“ und „Party Rock Anthem“ gleich zwei ihrer leicht debilen Hits anspielen. Cee Lo Green gesellte sich am Ende der Show zum Gospelchor.

In Sachen Songauswahl präsentierte Madonna ein Medley, das ihre neue Single „Give Me All Your Luvin'“ in die Mitte nahm. „Vogue“ aus dem Jahre 1990 eröffnete, begleitet von eindrucksvollen Visuals, die Show und ging dann in „Music“ (2000) über, das von dem kurzen LMFAO-Zwischenspiel abgelöst wurde. Anschließend enterten dann die schon aus dem Video bekannten Cheerleader die Bühne und Madonna startete den Werbeblock für den Vorboten aus „MDNA“, das Ende März erscheinen wird. Danach folgte der besinnliche Ausklang, eingeläutet mit den Trommlern, die mit Cee Lo auf die Bühne stapften und einer alten Perle aus ihrem Oeuvre: „Open Your Heart“ vom 86er-Album „True Blue“. Es folgte ein Auszug von „Express Yourself“ bevor sie mit „Like A Prayer“ das Medley ausklingen ließ. Am Ende verschwand Madonna in einer Nebelwolke und hinterließ als Botschaft in riesigen Lettern: „World Peace“.

Die ganze Show gibt’s hier:

Ach ja: Die New York Giants gewannen den diesjährigen Super Bowl übrigens und besiegten die New England Patriots, die bis kurz vor Ende des vierten Viertels noch in Führung lagen, mit 21 zu 17. Damit verpasste Sebastian Vollmer von den Patriots die Chance, als erster Deutscher den Super Bowl zu gewinnen.