Manic Street Preachers

HAMBURG, GROSSE FREIHEIT

So klein sehen sie aus auf dieser gar nicht so großen Bühne. Und schlecht gekleidet sind sie. Aber dann fangen die Manie Street Preachers an zu spielen, und plötzlich werfen Zwerge lange Schatten. Diese Melodien! Das Pathos! Der Widerspruch! Großartig, wie sie immer wieder betont haben, endlich zurück zum Punkrock zu wollen, um dann ausgerechnet „Ybu Stole The Sun From My Heart“ zu schmettern, ihren kitschigsten Song.

Aber die drei Waliser trauen sich ja noch viel mehr. Da ertönt schon mal das Anfangsriff von „Sweet Child O‘ Mine“, und dann steht James Dean Bradfield plötzlich ohne Band da, nur mit der akustischen Gitarre. Altmodisch, mag sein, aber es funktioniert. „Ocean Spray“ wird zweifellos zum rührendsten Song des Abends, bis am Ende doch noch „A Design For Life“ kommt. „Fbund That Soul“ ist wunderbar und viel eindrucksvoller als Sozi-Hymnen wie „The Masses Against The Classes“. Um Botschaften soll es heute nicht gehen, sie würden ohnehin im doch recht heftigen Lärm versuppen. Zudem ist Bradfield auf der Bühne kein Mann der großen Worte. Er beschränkt sich auf Hallo und Goodbye und zwei, drei Worte zwischendurch. Man kennt das ja, aber es ist doch immer wieder enttäuschend. Man fühlt sich ein bisschen alleingelassen, aber die Musik fangt einen immer wieder auf, wenn die grauenvolle Lightshow und der Krach zu viel zu werden drohen. Das lieblos abgespulte „If You Tolerate This—“ bringt es heute nicht, aber „Tsunami“ reißt mit wie beim ersten Hören, und bei „You Love Us“ lächelt schließlich sogar Nicky Wire. Es stimmt ja. Wir lieben sie, aber ihre Platten noch mehr als ihre Konzerte.

Abonniere unseren Newsletter
Verpasse keine Updates