Liam Gallagher: Volle Breitseite gegen Suede und Manic Street Preachers
Liam Gallagher schießt gegen die Manic-Street-Preachers-und-Suede-Tour: Die Britpop-Kollegen seien „ziemlich öde“ – was steckt hinter dem Konflikt?
Liam Gallagher ist offenbar langweilig. Nach dem Finale der gefeierten Oasis-Reunion-Tour in der brasilianischen Metropole São Paulo Ende November ‘25 war erst einmal Chill-out angesagt. Nun wieder schnelles Umschaltspiel zur Abteilung Attacke.
In gewohnt ruppiger Manier stänkert der Sohn Manchesters gegen die gemeinsame Tour von Manic Street Preachers und Suede.
Damit ist die alte Dynamik aus Rivalität und dicker Hose wieder entflammt – und die aktuelle Britpop-Nostalgie, die gerade in die nächste Runde geht, bekommt ausgerechnet von einem ihrer prägendsten Protagonisten einen derben Punch.
Die Co-Headliner-Tour als Auslöser
Auslöser ist eine Co-Headliner-Tour, die nach gemeinsamen Stationen in Nordamerika (2022) und Großbritannien (2024) nun als bislang größtes gemeinsames Projekt zwischen Suede und den „Manics“ gilt. Für die Fans ist es eine späte Würdigung zweier Acts, die bereits 1994 gemeinsam unterwegs waren. Gallagher hingegen gibt sich demonstrativ unbeeindruckt.
Auf der Plattform X reagierte der ehemalige Oasis-Frontmann mit Stunk: „Scheiß auf die!“ Auf Nachfrage britischer Musikmagazine legte er nach und formulierte seine Kritik in einem Mix aus Provokation und Selbststilisierung: Beide Bands seien „ziemlich öde“. Es fehle ihnen „an Ausstrahlung, Swagger und Stil“. Besonders spöttisch äußerte er sich zum äußeren Erscheinungsbild: „Klamotten wie Immobilienmakler.“
Gemeinsame Geschichte, torpedierte Verbindung
Liam Gallagher ist als Poltergeist weithin bekannt. Dennoch überrascht die neu aufgemachte Front – gerade gegenüber den Manic Street Preachers, die mit Oasis eine gemeinsame Geschichte verbindet. 1996 begleiteten sie die Band beim ersten Oasis-Stadionkonzert in Manchester sowie beim legendären Auftritt in Knebworth, einem Schlüsselmoment der Britpop-Hochphase. Auch auf der US-Tour waren sie damals dabei, die jedoch vorzeitig abgebrochen wurde.
Anlass genug für den NME und andere Plattformen, in die Geschichtsbücher zu blicken: Manics-Bassist und -Texter Nicky Wire erinnerte sich an diese turbulente Zeit. Während Oasis im Brüderzwist ins Wanken geraten sei, hätten die Manics erstmals globale Stabilität erlebt. Schon damals sei es zu Beleidigungen im Catering-Bereich gekommen. Dennoch blieb der Respekt für die Live-Präsenz der Kollegen: Oasis seien in der Lage gewesen, Stadien „zum Beben zu bringen“, so Wire im NME-Interview.
Dass Gallagher nun ausgerechnet diese Verbindung torpediert, wirkt wie ein kalkulierter Bruch mit dem Gestern. Zumal er noch 2024 öffentlich mit dem Gedanken spielte, die Manics als Support für eine Oasis-Reunion-Tour einzuladen – nur um kurz darauf Richard Ashcroft den Vorzug zu geben.
Suede und der Britpop-Begriff
Im Fall von Suede ist diese Distanz weniger überraschend. Die Band um Brett Anderson galt als früher Wegbereiter des Britpop, positionierte sich später jedoch explizit kritisch gegenüber dem Begriff. Anderson bezeichnete das Genre rückblickend als eine „prollige, geschmacklose, misogyn geprägte, nationalistische Karikatur“ und hielt Suede auf Abstand zur Bewegung.
Gallagher konterte diese Sichtweise bereits damals mit Spott. Die Britpop-Abgrenzer seien ohnehin eher „BLOUSEY“ gewesen – ein Begriff, mit dem er die Szene als geschniegelt und wenig rebellisch charakterisierte. Zugleich stellte er klar, wo er die Hierarchie der 1990er verortet: The Verve und Oasis hätten „in einer anderen Liga gespielt“.
Zwei Strategien im Umgang mit dem Britpop-Erbe
Damit inszeniert sich der 53-Jährige einmal mehr als Gegenpol zum versöhnlichen Erwachsenen-Duktus seiner Zeitgenossen – als letzter Vertreter eines Rock-’n’-Roll-Ethos, das sich über Stilwillen und Abgrenzung definiert.
Manic Street Preachers und Suede segeln einen anderen Kurs: Kontinuität statt Konfrontation. Anderson betonte zuletzt, wie wichtig es ihm sei, weiterhin relevante Musik zu machen und nicht auf nostalgische Rückblicke zu setzen. Die eigene Vergangenheit sei zwar ein Fundament, doch kein Ruhekissen, das man nur neu aufschütteln müsse.
So steht die kommende Doppel-Tour auch symbolisch für zwei unterschiedliche Strategien im Umgang mit dem Britpop-Erbe: hier eine versöhnliche Fortschreibung der Oeuvres, dort die provokative Selbstvergewisserung über die eigene Glorie. Ein deutliches Zeichen dafür, dass diese Ära noch immer nicht zu Ende erzählt ist.