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Mardi Gras.bb: Der Abschied des Voodoo-Doktors

Es war ein langer Abschiedsprozess von der Band für „Le Docteur“, bürgerlich Jochen Wenz, der ob seines erlernten Medizinerberufs auch einfach „Doc“ gerufen wird. Gemeinsam mit dem musikalischen Mentor des Kollektivs, „Reverend“ Uli Krug, hob er vor mehr als zwei Dekaden Mardi Gras.bb (das bb steht übrigens nicht für Brass Band sondern double bold, also doppelt fett) aus der Taufe, und in diesen – um genau zu sein – 21 Jahren erspielte sich die Band quer durch Europa eine treue Anhängerschaft und reizte auf zehn Studioalben die Grenzen dieses, um es mit Wenz’ Worten zu sagen, spezifischen Klangkörpers in alle erdenklichen Richtungen aus.

Unterbewusst habe sich sein Abschied von der Band schon vor Jahren abgezeichnet, erzählt er mir kurz vor der Show – eigentlich schon beim Album „The Exile Itch“ im Jahr 2007: „Ich hatte bei dem Album einfach das Gefühl: Jetzt habe ich all die Extreme ausgelotet, die mit diesem Klangkörper machbar sind, die mich auch persönlich interessiert haben. Ich habe bewusst diese New Orleans Marching Band Besetzung gegen den Strich gebürstet, wir haben Musik gemacht, die gar nicht spezifisch auf die beschränkten Stärken dieses Instrumentariums ausgelegt war, wir sind ganz bewusst in extreme Ecken gegangen. Für mich war der Ausflug in diese Walker- Brothers-mäßige, pathetische Rockwelt der weitest mögliche Ausflug. Da hatte ich dann das Gefühl: wenn es nun zu Ende wäre, dann hätte es jetzt einen pathetischen Abgang mit Kirchenhall gegeben“.

Dennoch wurde weitergemacht: Schließlich war Mardi Gras.bb nicht nur soziales Umfeld, sondern auch eine relativ gut funktionierende Maschine. Es brauchte ganze sieben Jahre und zwei ausschlaggebende Faktoren, damit Wenz auch bewusst zu dem Beschluss kam, aufzuhören: einerseits der Konkurs ihres Labels „Hazelwood“, andererseits die gesundheitlichen Probleme ihres Produzenten Gordon Friedrich, die ihn dazu zwangen, die Zusammenarbeit zu beenden. Mit anderthalb Jahren Vorlauf, eben einem ganzen Album-Tour Zyklus.

So zieht gemäß der Tradition des Funeral Marchs entsprechend die Band auch an jenem Abend im Kreuzberger Lido die Band, angeführt von Uli Krug am Sousaphon, durch das Publikum auf die Bühne, und dennoch ist es kein Beerdigungsmarsch, sondern die übliche mitreißende Explosion, die kein Abschieds- sondern wohl ein Übergangskonzert einleitet: Der Doc verlässt die Band, die es dennoch auch weiterhin geben wird, in welcher Form das auch immer sein wird. Nicht nur verzichtet Wenz an diesem Abend völlig auf die für die Spätphase der Band charakteristische Gitarre, auch ist er nicht mehr bei jedem Stück auf der Bühne, zieht sich immer wieder zurück, um den einzelnen Solisten Raum zu geben.

Nichts desto trotz ist, bei allem Respekt vor dem Mastermind der Band Uli Krug, auch eines sonnenklar: Zwei Dekaden Jahre lang war Wenz das, was Mardi Gras.bb so speziell und mitreißend machte: eine äußerst charismatische Bühnenperson wie ein Voodoo-Zeremonienmeister, ein Geschichtenerzähler und Anachronist mit Augenzwinkern und Rhumba-Kugeln, die er stilecht wohl dem Leibhaftigen an den mythenbehafteten Crossroads abgeknüpft hat, der alte Trickster.

Vor dem Zeitgewinn, die der Abschied von der ganzjährig agierenden Band mit sich bringt, hat er durchaus Respekt – Freizeit, die er einundzwanzig Jahre lang nicht gehabt hat . Zwei Dekaden, auf die er gerne zurückblickt, deren Paradigmen und Rahmenbedingungen sich aber mit dem Wandel des Musikgeschäfts geändert, erschwert haben. Als Wenz unlängst von jemanden angesprochen wurde, der begeistert meinte, dass er irgendwo auf der Festplatte ein, zwei Tracks von Mardi Gras.bb rumliegen habe, war das für den Doc das Musterbeispiel für diesen Wandel. Musik machen wird er auch weiterhin in anderem Rahmen und mit anderen Vorgaben, für Afficionados und Gleichgesinnte („Rock’n’Roll muss auch mit Obsession zu tun haben“), möglicherweise ausschließlich auf Vinyl veröffentlichend.

An diesem Abend aber feiert der Doktor noch einmal als Zeremonienmeister von Mardi Gras.bb mit dem Publikum quer durch den Backkatalog der Band, spielt das selten gewordene „Dreamtime in Memphis“  genauso wie die obligaten „Down Down Down“ und „Hop Sing Song“. Und bei „Everybody was Kung-Fu Fighting“ denke ich daran, wie ich die Band zum ersten Mal vor 13 Jahren live im Vorprogramm von BB King und Jeff Beck gesehen habe:

Those years went fast as lightning.


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