Marek Lieberberg: „Liebe allein wird nicht ausreichen, den Terror zu besiegen“


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Nach dem kurzzeitigen Aussetzen von „Rock am Ring“ in der vergangenen Woche nach einer „terroristischen Gefährdungslage“ reagierte Live-Nation-Deutschland-Chef Marek Lieberberg noch vor Ort mit einer deftigen Wutrede. Der Konzertveranstalter diktierte Journalisten in den Notizblock, dass er sein Festival mittlerweile als Sündenbock für gesellschaftliche Probleme sehe. Zudem positionierte er sich eindeutig zur Sicherheits- und Gesellschaftspolitik in Deutschland, als er forderte, sich deutlicher gegen gewaltbereite Islamisten in Stellung zu bringen. Muslime in Deutschland sollten sich seiner Meinung nach auch weitaus vernehmbarer distanzieren.

Möglicherweise auch, weil sich Lieberberg nach der intuitiv gehaltenen Brandrede missverstanden fühlte, legte er mit einem Interview in der „Welt am Sonntag“ am Wochenende nach. „Unsere Gesellschaft ist inzwischen daueralarmiert“, sagte der 71-Jährige. Viel Hoffnung, dass sich etwas an dem Zustand ändern lasse, wenn die Menschen mit Offenheit und Toleranz reagieren, hat der Konzertveranstalter nicht: „Ich sage: Die Liebe ist nicht stärker. Liebe allein wird nicht ausreichen, den Terror zu besiegen.“

Lieberberg will mehr Polizeipräsenz

Lieberberg äußerte zudem Zweifel, dass sich Konzerte und Festivals nach derzeitigen Sicherheitsstandards angemessen schützen lassen. Er forderte Konkret mehr Unterstützung vom Staat. „Wir brauchen diese Präsenz bewaffneter Polizisten bei Konzerten“, so der Festival-Fachmann. „Sie ist notwendig, um die Veranstaltung zu schützen.“

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„Rock am Ring“ musste bereits 2016 vorzeitig abgebrochen werden. Nach mehreren Verletzten durch Blitzeinschlägen und weiterer Gewitter-Gefahr hatten sich die Behörden dazu entschieden. 2017 nun erneut ein Ausfall für Lieberberg, diesmal traf es „nur“ die Band Rammstein, die ihren Headliner-Auftritt absagen musste.

Die Polizei hatte zuvor zwei mutmaßlich aus Syrien stammende Männer bei einer Verkehrskontrolle festgehalten, weil sie sich zunächst nicht ausweisen konnten, aber Bändchen trugen, die ihnen Zugang zu sensiblen Bereichen des Festivals verschafft hätten. Später kam noch heraus, dass Kontakt in die hessische Salafistenszene bestand. Daraufhin entschied sich die Polizei, das Gelände auf dem Nürburgring zu durchsuchen. „Rock am Ring“ wurde nach dem Abbruch am Freitag ohne weitere Zwischenfälle am Samstag fortgesetzt.