Marlene

Seit „Stalingrad“ und den „Comedian Harmonists“ dreht Joseph Vilsmaier über historische Begebenheiten und Personen an einer betulichen Romantik unter dem Hakenkreuz. „Marlene“ schließt nun die Trilogie mit seinem größten Projekt und einer größtmöglichen Symbolik: Die Dietrich litt an Deutschland ebenso wie unter stetem Heimweh, und Vilsmaier hat diese Zerissenheit herausdestilliert als Essenz für eine melodramatische Liebe. Biografische Eckdaten von ihrer Entdeckung 1929 durch den Regisseur Josef von Sternberg für „Der blaue Engel“, ihrer Karriere in Hollywood bis zum Kriegsende sind nur ein zeitkolorierter Rahmen für Marlenes (Katja Flint) fiktive Sehnsucht zum Offizier Carl Seidlitz (Heino Ferch). Sie treffen sich immer wieder, in Berlin, in Österreich und zuletzt 1944 gar in den Ardennen zwischen den Fronten.

Das raubt den Platz für eine intensive Annährung an den Mythos Marlene. „Langsam ist erotisch“, belehrte von Sternberg sie streng. Und die Flint gibt frapierend ähnlich mit kühler Egozentrik eine fabelhafte Dietrich, aber auch eine bodenständig, schnippische, frivole Marlene. Doch kann sie wenig ausrichten gegen ein Skript, das Pillen und Whisky als einzigen Ausdruck für vielschichtige Verzweiflung vorgibt. Vilsmaier findet gerade zweieinhalb Bilder, die der „preußischen Madonna“ oder ihren „dunklen Seiten“ gerecht werden. Dann hastet er kunstlos weiter durch wechselnde Orte, werden die Nazi-Verbrechen abgehakt, muss ein US-Soldat in ihrem tröstenden Beisein sterben. Selbst die Konflikte mit ihrem Gatten (Herbert Knaup) und Tochter Maria geraten so zur Kolportage fürs „Sissi“-Publikum.

Abonniere unseren Newsletter
Verpasse keine Updates