Michael Ochs Archives/Getty Images

Merry Playlist!

Keine Lust mehr auf „Last Christmas“-Dauerbeschallung? Im ROLLING STONE-Adventskalender stellen wir bis Heiligabend jeden Tag einen neuen tollen Weihnachtssong vor.
Empfohlen von Leser*innen des Newsletters ROLLING STONE-Wohnzimmer und Autor*innen des ROLLING STONE.

Von Rolling Stone 1. Dezember 2021

John Cale: „Child’s Christmas In Wales

Natürlich ist das surrealistisch verspielte Eröffnungsstück von „1919“, John Cales Kammerpop-Verneigung vor nahezu der gesamten Hochkultur Europas, nicht wirklich ein klassischer Weihnachtssong, auch wenn er einem durch das schummrige Zusammenspiel von Slide-Gitarre, Bass, Klavier und Orgel so vorkommt, als würde es einen mit Wärme umhüllen wie das brutzelnde Feuer in einem Kamin. Die weit geöffneten Kinderaugen zum Fest hatte Cale aber doch als Referenz im Sinn, vor allem auch seine eigene Kindheit im walisischen Garnant, die er zumindest über den Titel auch an das Werk eines anderen berühmten (Sprach-)Melodikers aus Wales anbindet: Dylan Thomas. Ein paar Anspielungen auf dessen poetischen Stil hat Cale, nachgewiesenermaßen Verehrer des Dichters, einfließen lassen, sie aber vor allem auch um seine eigene, dadaistische Sprachkunst erweitert. Das, was dem Hörer um die Ohren brummt, ist dann gleichsam anheimelnd und unheimlich: „With mistletoe and candle green / To Halloween we go / Ten murdered oranges bled on board ship / Lends comedy to shame / The cattle graze bold uprightly / Seducing down the door/ To saddle swords and meeting place / We have no place to go.“ Es soll Menschen geben, die bevorzugen neben der watteweichen „1919“-Fassung eher die reduzierte Klavierversion auf „Fragments Of A Rainy Season“, doch das ausgefallenere Geschenk ist natürlich die von Nico gesungene Variante, die Cale 1979 mit der Sängerin im CBGB’s aufnahm. (Marc Vetter)

The Beatles: „Penny Lane

Tja … das ist vielleicht etwas prosaisch: Ich hatte kurz vor Weihnachten das Blaue Album der Beatles bekommen (da war ich wohl so 12 Jahre alt) und hörte mich durch diese Wunderwelten – vor allem auf Seite 3 und 4. Was für eine Reise … „I Am the Walrus” etc. Es war die Zeit, als Winter noch sehr kalt waren und ich wurde krank. Saß auf der Gasaußenwandheizung, die mein kleines Zimmer so gerade erwärmte und hörte immer und immer wieder diese Musik. Walrus im Fieber: toll! Aber: Es ist „Penny Lane”, das mich bis heute an Weihnachten in unschuldigen und langweiligen Tagen der Kindheit erinnert. Und dass mich das Lied da rausgetragen hat. Und irgendwie auch mit befeuerte, dass ich das, was ich heute mache, eben mache. (Andreas Müller, Musikkritiker, Jazzexperte und Moderator des „Soundcheck“ auf RadioEins und der „Tonart“ Deutschlandfunk Kultur)

The Beatles, 1963
David Redfern Redferns

Robert Forster: „Inferno (Brisbane In Summer)“

Die sogenannte Weiße Weihnacht kenne ich eigentlich hauptsächlich aus den Erzählungen meiner Eltern und aus Film und Fernsehen. Dort, wo ich mich an Weihnachten aufhalte, nieselt es eigentlich in der Regel. Dort, wo Robert Forster sich an Weihnachten aufhält, ist es dagegen meist unerträglich, ja, infernalisch heiß. Denn er lebt im australischen Brisbane und da beginnt im Dezember der Sommer. „The heat of the morning has come too soon/ And the rain that is falling is falling far away far away up on the moon“, singt er und als er ein Foto von einer paradiesisch anmutenden Schneelandschaft in den Händen hält, das ihm vermutlich seine Frau Karin mal geschickt hat, als sie zur Weihnachtszeit bei ihrer Familie im niederbayrischen Geiselhöring weilte, versuchen die beiden sich an einen ihrer früheren gemeinsamen Besuche dort zu erinnern: „Do you remember winter at all?/ You in a frock coat and me in a shawl.” Aber, ach, es wird sicher nieseln in Berlin. (Maik Brüggemeyer)

Haim: „Christmas Wrapping 2020 (all I want for christmas is a vaccine)“

Weihnachten ist ja bekanntlich alle Jahre wieder, aber vor allem dieses Jahr wiederholt sich 2020 gefühlt. Oder hat das Jahr nie aufgehört? Jedenfalls haben HAIM, im Rahmen eines Chanukkah-Specials auf ihrem Instagram-Account, dem vergangenen Jahr einen denkwürdigen Weihnachtssong gewidmet, der auf tragikomische Weise auch 2021 funktioniert. „Christmas Wrapping”, ein Eighties-Weihnachtshit der amerikanischen Band The Waitresses, wurde von den Schwestern aus Los Angeles mit zeitgenössischen Lyrics und einem herrlich ironischen Video direkt in das letzte Jahr befördert. Und da große Teile der Bevölkerung erneut auf eine Impfung warten, ist der Wunsch “all I want for christmas is a vaccine” weiterhin zutreffend.

Es ist nicht ganz klar, ob der Song nun zum manischen Lach-Weinen anregen soll, oder aber rhythmisches Hin- und Hergeschunkele wie im Video die angemessenere Reaktion wäre. Mit Grammy-Gewinner Thundercat am Bass und Lyrics von Bühnenautor Jeremy O. Harris ist der Song zumindest eine ernstgemeinte Spaßveranstaltung. (Laura Giesdorf)

Palace Songs: „Christmastime in The Mountains

Nach einer Russland-Reise kehrte Will Oldham, den man heute als Bonnie „Prince“ Billy kennt, 1995 in die USA zurück und schrieb Songs für das Minialbum „Hope“, das er mit den befreundeten Musikern Liam Hayes (der sich bald Plush nannte) und Sean O’Hagan (The High Lamas) an Orgel und Piano aufnahm. Auf der Reise hatte er Nabokov gelesen und bestimmt Dostojewski, und jetzt sang der junge Troubadour aus Kentucky diese ergreifenden Winterlieder. Neben einer kräftigen, feierlichen Ode an Werner Herzog, „Werner‘s Last Blues To Blockbuster“, brachte Oldham mit klarer Stimme zur akustischen Gitarre die stille Folk-Ballade „Christmastime In The Mountains“: „Time is the enemy/ Time is the guide/ We need an enemy/ I’m saving all my rage.“

Es ist ein wirklich sehr kurzes Weihnachtslied. Vielleicht das kürzeste. (Arne Willander)

The Pearlfishers: „Ice Race

Die Pearlfishers verbreiten mit ihren Songs auf ihrer Weihnachts-Veröffentlichung „A Sunflower at Christmas“ sofort gute Laune. Zum Beispiel „Ice Race“. Obwohl hier das Wort Xmas nie auftaucht, ist man in eine winterliche, fröhliche, ausgelassene Weihnachtsstimmung versetzt. (Dr. Christian Hay)

David Scott von The Pearlfishers
© Marina Records

Tom Liwa feat. Moritz R: Ich will die Geschenke sehn

Es gibt ja leider an Weihnachten oft wenig zu lachen, deshalb hier mal ein Lied, bei dem es nicht allzu besinnlich zugeht. „Ich hab lang genug gesessen und alles aufgegessen/ Jetzt will ich die Geschenke sehn!” fordert Tom Liwa zu einer Melodie, die tagelang nicht mehr aus dem Kopf geht, und mal ehrlich: Wer kennt diese Ungeduld zwischen Plätzchen und Päckchen nicht? Nach dem Glöckchenläuten taucht am Ende auch noch ein Überraschungsgast auf: Moritz R® (Der Plan) gibt den Grinch, der dem fröhlichen Fest einen herrlich gespenstischen Dämpfer versetzt. (Birgit Fuß)

Tom Liwa
Frank Hoensch Redferns

Erdmöbel feat. Maren Eggert: „Lametta

Einer der ewigen Favoriten ist immer noch und immer wieder der Klassiker „Happy XMas (War Is Over)” von John Lennon und der Plastic Ono Band, der etwas jüngere Klassiker ist die traumschöne Erdmöbel-Version „Weihnachten ist mir doch egal” des Dauerheulers von Wham, aber kaum zu toppen ist das Erdmöbel-Weihnachtslied von 2011: „Lametta”! Da funkelt und glitzert und flötet und posaunt und jauchzt es in den Ohren und im warmen Herzen sowieso … Lalala, Lalalala, Lalala, Lala, Lalala, Lalalala-metta! Hach. (Eva Emskötter)

Alle Jahre wieder: Erdmöbel
Matthias Sandmann

Joni Mitchell: „River“

Joni Mitchell hat sich gerade von ihrem Freund Graham Nash getrennt, als die Leute am Lookout Mountain in Laurel Canyon/Los Angeles, wo sie lebt, unter der kalifornischen Sonne mit den Weihnachtsvorbereitungen beginnen. Sie fällen Bäume, stellen Rentierattrappen auf und singen Lieder über love and peace. Mitchell erinnert diese Geschäftigkeit nur an all das, was fehlt: der Schnee, das Eis, die Liebe. Sie beginnt sich nach ihrer kanadischen Heimat zu sehnen, wo es echte Rentiere gibt und einen richtigen Winter: „But it don’t snow here/ It stays pretty green/ I’m gonna make a lot of money/ Then I’m gonna quit this crazy scene/ I wish I had a river I could skate away on.” Jede*r, der schon mal frisch getrennt auf die Weihnachtsfeiertage zugesteuert ist, wird das nachvollziehen können, selbst, wenn sie oder er nicht besonders gut Schlittschuhlaufen kann. (Maik Brüggemeyer)

Mark Kozelek: „2,000 Miles

Regelmäßig zu Weihnachten schafft es der Song „2,000 Miles“ von den Pretenders in die britischen Charts. Es scheint in dem Song um zwei Liebende zu gehen, die einen kalten Winter getrennt voneinander verbringen müssen. Doch tatsächlich schrieb Chrissie Hynde Zeilen wie „He’s gone/ 2,000 miles/ Is very far/ The snow is falling down/ It’s colder day by day/ I miss you” für den an einer Kokainintoleranz verstorbenen Pretenders-Gitarristen James Honeymoon-Scott. Für den ROLLING STONE-Wohnzimmer-Leser Wolfgang Hochwald stammt die schönste Version dieses Songs von Mark Kozelek, weil sie „wunderbar melancholisch ist und es so abrupt endet“. Dass Kozelek den Song so unvermittelt beendet ist wohl eine Referenz an Honeymoon-Scotts plötzlichen und unerwarteten Tod.

Mark Kozelek
Linn Heidi Stokkedal Caldo Verde Records

Randy Newman: „Christmas In Capetown

Eine sinistre Rollenprosa von dem Album „Trouble In Paradise“ (1983) über einen amerikanischen Handlungsreisenden in Südafrika. Erfreut bemerkt der Ankömmling und wurschtige Erzähler des Songs: „All the boogies in the street/ Radios turned up very loud/ Playin‘ ,Dancing Queen‘/ They love our music.“ Dann lernt er „this English girl from the North somewhere“ kennen. Sie trinkt all sein Bier aus. „Talking about the poor niggers all the time/ It’s a real disgrace, she says.“ Nun wird der Erzähler wütend: „I tell her, Darling, don’t talk about things you don’t understand/ I tell her, Darling, if you don’t like it here, go back to your own miserable country.“

Es ist Weihnachten in Kapstadt, aber es ist nicht dasselbe: „Oh the boys on the beach are still blowin’/ And the summer wind still kicks the clouds around/ And christmas lights still shine.“ Der kleine Bruder des Erzählers fährt am Morgen mit ihm raus zur Diamantenmine, wo die Arbeiter in langen Schlangen vor dem Tor stehen: „You know those big old lunch pails they carry, man/ With ,Star Wars‘ painted on the side/ They were starin‘ at us real hard.“ Er selbst trinkt nicht mehr wie früher, Mann, das Bier schmeckt einfach nicht mehr so, wie es sollte, man weiß es nicht. Schau dich mal um. „What are we gonna do, blow up the whole damn country?“ (Arne Willander)

Chris de Burgh: „A Spaceman Came Travelling

Erstmals hat der Song in den 70ern mein musikalisches Radar erreicht. Ich fand ihn ganz originell und hab ihn dann wieder vergessen. Beruflich habe ich dann Musik studiert, wurde Musiklehrer und habe durch meine Schüler*innen so ziemlich alle Arten von Pop und Rock kennen und manchmal lieben gelernt. Natürlich waren bei diesem Job Weihnachtslieder in allen Formen „Saisonware” und wurden pflichtgemäß abgefeiert. Durch einen Zufall kam mir dann vor circa 10 Jahren der „Spaceman” in Erinnerung. Ich überwand gewisse Skrupel (CdB als Kulturgut auf unschuldige Schüler*innen loslassen) und brachte den Song im Unterricht – zum Hören und zum Singen. Und oh Wunder: Meine durchaus nicht pflegeleichten Kids (über 90 % Migrationshintergrund, sozialer Brennpunkt usw.) waren begeistert! CdB müssen die Ohren geklungen haben, so oft ertönte sein Song in Schulhaus und Pausenhof. Alle haben ihn friedlich miteinander gesungen, egal ob Rap-, Metal- oder sonstige Popliebhaber*innen. (Stefan Spindler)

Billy Mack: „Christmas Is All Around

Weihnachtshits bringen richtig Geld und gewähren selbst der Sippschaft noch ein ziemlich festliches Leben, das wissen wir spätestens seit Nick Hornbys „About A Boy“. Und wie gelingt einem jetzt der Hit, der in den Kaufhäusern zur Weihnachtszeit zum fröhlichen Konsum anregt? Billy Mack zeigt es uns in „Tatsächlich…Liebe“ mit „Christmas Is All Around“. Nämlich mit ätzendem Zynismus unter dem vom Alkohol- und Drogenkonsum schlaff gewordenen Herzen. Der von Bill Nighy mit Lust am britischen Schlawinerspiel verkörperte Sänger, der nach zahlreichen Eskapaden erkennt, dass er seinem korpulenten, aber herzigen Manager zugetan ist, interpretiert die zu Tode gecoverte Schnulze der Troggs und scheitert nicht nur an der christlichen Botschaft, sondern fast auch an den wenigen Textänderungen. Der ziemlich gut verkaufte Soundtrack zu „Tatsächlich…Liebe“ enthält natürlich wesentlich charmanteres Material (zum Beispiel das prominent in die Handlung montierte „Both Sides Now“ von Joni Mitchell), aber „Christmas Is All Around“ spiegelt eben auch jene gewagte emotionale Gewürzmischung dieses erstaunlich dreisten und zugleich niemals auf dem Glatteis ausrutschenden modernen Weihnachtsklassikers, der mangels Konkurrenz – wer würde auch je wieder ein solches Ensemble zusammentrommeln können – nur jedes Jahr besser wird. (Marc Vetter)

Erdmöbel: „Weihnachten (Last Christmas)

Die schreckliche Version von Wham! haben sie damit aus meinem Hirn gelöscht, und ich kann wieder aus vollem Herzen mitsingen. Ich freue mich auch schon auf das Weihnachtskonzert mit ihnen, die uns schon so viele tolle Weihnachtslieder geschenkt haben. Ich werde in Mannheim dabei sein, wie jedes Jahr. Jedes einzelne Lied hätte verdient, im Rolling Stone Adventskalender aufzutauchen, auch die „Hoffnungsmaschine” oder „Weihnachten im Weltall” zum Beispiel. (Axel Stamm)

Whams „Last Christmas” kann ich mir im Grunde das ganze Jahr anhören. Ein guter Song ist ein guter Song und bleibt ein guter Song. Auch wenn er im Formatradio jedes Jahr auf’s Neue gnadenlos verramscht und totgenudelt wird, spätestens wenn die ersten Lebkuchen Anfang September im Supermarktregal stehen. Das könnte mit Erdmöbels Version jedenfalls nicht passieren. Auch wenn dem Sänger hier Weihnachten im Grunde genauso egal ist, wie dem seligen George. In der etwas tieferen Tonart verströmt „Weihnachten” jedenfalls genau die gleiche melancholische, weihnachtliche Grundstimmung, die ich an dem Weihnachtsfest immer so schätze. (Christian Gintzel)

The Beths: „Have Yourself A Merry Little Christmas“ 

Eines der schönsten Weihnachtslieder haben für mich The Beths aus Neuseeland eingespielt … und zwar eine Interpretation des Xmas-Standards „Have Yourself A Merry Little Christmas“.

Besonders wird das Ganze durch das supersüße Official Video dazu. The Beths sind damals (2018) als nahezu unbekannte Band lange durch die Welt getourt (es gab damals nur eine 5-Song-EP) – und kamen zur Adventszeit wieder nach Hause in NZ – Freunde hatten das Video vorbereitet. Auch in Europa und Deutschland gab’s einige Termine – und ich hatte eine Lücke zwischen Terminen in der Schweiz und Hamburg erspäht. Umso mehr hab ich mich gefreut, dass ich für die Band hier in München ein Open-Air-Konzert an einem wunderschönen Ort, dem Kulturstrand an der Isar, organisieren konnte. Leider fiel das Konzert einem Gewitter zum Opfer. Mit ihrem vielbeachteten Debüt-Album „Future Me Hates Me“, das dann im August 2018 auf Carpark Records erschien, ist die Band mir ein bisschen ans Herz gewachsen … nächstes Jahr im April kommen sie dann endlich zum ersten Konzert hier nach München, sofern da so ein blödes Virus nicht noch in die Quere kommt. (Christian Strätz)

Vince Guaraldi / Lee Mendelsohn: „Christmas Time Is Here

Mit den „Peanuts“ von Charles M. Schulz tue ich mich etwas schwer – der Trübsinn der Kinder, aber auch ihre Altersweisheit wirkt für mich aufgesetzt, so, als hätte ein erwachsener Autor die Stories in Wirklichkeit für Erwachsene geschrieben. Aber es ist großartig, dass eine eigentlich an junge Menschen adressierte Sendung mit einem Jazz-Soundtrack bestückt ist. „Christmas Time Is Here“ stammt aus dem „A Charlie Brown Christmas“-Score von 1965, der Kinderchor ist ein professioneller, die Mädchen und Jungen singen für die „St. Episcopal Church“ im kalifornischen San Rafael. Mich überwältigt die Demut in ihren Stimmen, der Gleichklang. Die Chor-Kinder nehmen die Rollen der „Peanuts“-Kinder in diesem TV-Weihnachtsspecial ein. Hier zanken die Peanuts sich nicht, üben sich auch nicht in Verzweiflung oder lachen sich gegenseitig aus. Sie singen mit einer Stimme, sind vereint in der Freude über die schönste Zeit des Jahres: „Snowflakes in the Air / Carols everywhere / Olden Times and ancient rhymes / Of love and dreams to share“. Die Aufnahme-Session soll bis spät in die Nacht gegangen sein, und die Kinder wurden von Komponist Vince Guaraldi dafür mit ordentlich Eiscreme belohnt. (Sassan Niasseri)

The Lilac Time: „The Needles

Auch im Jahr 2019 kann man noch einen gehaltvollen Song über Weihnachten schreiben. Stephen Duffy findet bei seiner Liebeserklärung das treffende Bild, wie schnell die Zeit zwischen Weihnachtsbaumaufstellen und -abräumen vergeht. Und was bleibt übrig? Die Tannennadeln … (Markus Bleutge)

The Lilac Time/ Stephen Duffy

Twisted Sister: Oh Come All Ye Faithful

Wer mit offenen Ohren hinhört, kann erkennen, dass Twisted Sister damals bei ihrem Hit „We’re Not Gonna Take It” (1984) ungeniert das Traditional „Oh Come All Ye Faithful” als, sagen wir mal, freie Vorlage benutzt haben – und warum auch nicht? Der Erfolg gab ihnen ja recht. 2006 spielten Dee Snider und Kollegen den Weihnachts-Klassiker auf ihrem Album „A Twisted Christmas” dann liebevoll im 80er-Jahre-Hair-Metal-Sound, so dass sich ein Kreis schloss – vor allem mit dem dazugehörigen Video: Da gibt Snider noch einmal den Bürgerschreck, der einem Ehepaar hilft, sich aus der Spießerhölle zu befreien und ein wirklich fröhliches Fest zu feiern. (Birgit Fuß)

Dee Snider von Twisted Sister, 1982.
Michael Putland/Getty Images

They Might Be Giants: Santa’s Beard

Dieser Mann mit dem langen weißen Bart und dem langen roten Mantel ist schon eine seltsame Figur. Einerseits scheint er streng und furchteinflößend zu sein, wenn er in sein goldenes Buch schaut, um zu sehen, ob man denn auch brav war, andererseits bringt er einem Geschenke. In amerikanischen Filmen und Serien sind es oft gebrochene Männer, die in das Kostüm des Santa Claus schlüpfen und die Festzeit in irgendwelchen deprimierenden Malls verbringen müssen, um Frohsinn zu verbreiten und sich von kleinen frechen Kindern beklettern zu lassen. Der Sänger/Erzähler aus dem Beach Boys-Song „Santa’s Beard“ nimmt seinen kleinen Bruder mit in ein Kaufhaus und setzt ihn auf den Schoß des alten heiligen Mannes. Der zieht ihm allerdings gleich das Kissen unter dem Mantel weg und den Bart vom Kinn: „You’re not really Santa Claus!“ Der Sänger/Erzähler des gleichnamigen Songs von They Might Be Giants weiß von Anfang um die falsche Identität des Santas: Es handelt sich um einen Freund, der ihn einmal im Jahr kostümiert besucht. So ganz wohl ist dem Sänger aber nicht dabei, wenn seine Frau auf den Schoß des Besuchers klettert oder mit ihm unter dem Mistelzweig schnäbelt. „I saw my baby wearing Santa’s beard/ Thrilling Christmas, trembling fear/ I saw my baby wearing Santa’s beard/ I wish he would go, he’s breaking up my home.“ (Maik Brüggemeyer)

The Pearlfishers: „Snowboardin

„Snowboardin’“ ist der Einstieg in das „A Sunflower at Christmas“ betitelte Weihnachtsalbum der Pearlfishers aus dem Jahre 2004. Das Bandprojekt um Mastermind David Scott aus Glasgow veröffentlichte über 22 Jahre 8 Alben und diverse EPs auf dem deutschen Marina Label und pflegte damit über die Jahre einen Sound voller opulenter Klanggemälde, die Pet Sounds mit Prefab Sprout und Burt Bacharach verblendete. Stefan Kassel von Marina lieferte mit seinem Traum von einem Christmas Album auch die Initialzündung für die Platte, einen zeitlosen Klassiker, die den Sound der Band in die gute alte Tradition des Weihnachtsalbums transportiert. Die Beach Boys, mit deren Genius David Scott gegen seinen Willen oft verglichen wird, hatten das 1964 vorgemacht – die Pearlfishers nehmen mit „Snowboardin’“ deren Vibe auf und machen Lust darauf, die Freuden des Winters zu genießen. (Andreas Heß)