Morrissey über „Swords“ und das Ende der Popmusik


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Über die Fanpage „True To You“ trat Morrissey heute mit seinen Fans in Kontakt, um sich unter anderem für seinen letzten Release „Swords“ zu entschuldigen. Außerdem blickte er ein wenig unsicher dem kommenden Jahr entgegen, da er momentan ohne Label sei. Was er gleich zum Anlass nahm, einmal in Richtung Musikindustrie zu kanten. Außerdem zählte Morrissey seine persönlichen Top-Konzerte der letzten Tour auf – Dublin erreichte dabei Platz 1, direkt gefolgt von Düsseldorf und München.

Die von Kollege Willander mit drei Sternen bedachte Kollektion „Swords“ bezeichnete Morrissey in der Nachricht an die Fans als „lahmes Disaster“, vor allem, weil sie die niedrigste Chartposition erreichte, die Morrissey jemals erleiden musste – selbst in England kam sie nur auf Platz 55. Der Grund sei folgender Gewesen: „Es war eigentlich besprochen und ausgemacht, dass es eine Midprice-CD wird. Am Ende wurde es die teuerste CD, die man im Regal finden konnte. Außerdem wurde sie sehr bescheiden vermarktet – sie hatte von Anfang an keine Chance.“

Sein Fazit zur Lage der Musiknation fiel dabei eher bitter aus: „Wir alle wissen, dass die Popmusik heute nur noch vom Geld angetrieben wird, nicht einmal mehr von der Jugend. Talent, die Leistung des Künstler oder die Songs an sich sind überhaupt nicht mehr Teil der Gleichung. Die Kampagne ist alles – sie wird in der Öffentlichkeit diskutiert, sie ist es, die die Presse überzeugt – die Songs sind dabei überhaupt kein Faktor mehr.“ Außerdem würden sich Labels heute nur noch auf die „Künstler“ konzentrieren, die sie selbst aufgebaut haben, „Selfmade-Künstler“ wie er blieben dabei auf der Strecke. An dieser Stelle könnte und müsste man bitte noch einmal Einspruch erheben.

Morrissey, der nach der Trennung von Universal labellos ist, stellte allerdings klar, dass die Kooperation keine Ende mit Schrecken war, sondern man sich im guten getrennt habe. Und Morrissey konstatierte nicht ohne Stolz: „Mit ‚Years Of Refusal‘, ‚You Are The Quarry‘ und ‚Ringleader Of The Tormentors‘ habe ich mich auf der Höhe meines Könnes gezeigt. Dank dieser drei Alben werde ich in Frieden sterben können.“

Für 2010 zeigte er sich vage aber optimistisch: „Was hält die Zukunft für mich bereit? Was hält die nächste Minute für mich bereit? Wer weiß das schon. Jetzt liegt alles mehr denn je in der Hand der Bestimmung und die ist schwer zu ergründen. Das Interesse der Plattenfirmen an mir ist gerade Null – aber es kommen auch wieder bessere Zeiten. Das war schon immer so.“ Mit Blick auf sein wahrlich gelungenes letztes „Ringleader“-Album mag man diesen Optimismus gerne teilen. Wäre doch gelacht, wenn sich für den Herren kein Label finden würde.