Die 100 besten Motown-Songs: Das ultimative Ranking
Die 100 besten Motown-Songs: Von „My Girl“ bis „Superstition“ – Soul, Funk und Geschichte des „Sound of Young America“
85. Boyz II Men, „End of the Road“ (1992)
Die klassische Ära von Motown war zu Beginn der Neunzigerjahre zwar längst vorbei. Aber der größte Hit des Labels stand noch bevor. Als Song war „End of the Road“ für die Songwriter Kenneth „Babyface“ Edmonds und Daryl Simmons eine Möglichkeit, ihre Scheidungen zu betrauern (mit Unterstützung von L.A. Reid).
Als Aufnahme mit ihren schwungvollen Harmonien und Michael McCarys gesprochenem Barry-White-artigen Zwischenspiels stand „End of the Road“ mit einem Bein in der Vergangenheit und mit dem anderen in der Zukunft und hielt sich 13 Wochen lang auf Platz eins, womit es den langjährigen Rekord brach, den Elvis mit „Don’t Be Cruel“/„Hound Dog“ aufgestellt hatte. —K.H.
84. Smokey Robinson and the Miracles, „Going to a Go-Go“ (1965)
Der Titelsong aus dem monumentalen Album der Miracles von 1965 (das auf Platz 420 der Liste der 500 besten Alben aller Zeiten des Rolling Stone steht) ist eine Einladung, auszugehen und in den Club zu gehen, was leicht als Metapher für den einladenden, integrativen Geist von Motown dienen kann.
„Man kann jeden in der Stadt treffen“, sagt uns Smokey Robinson. Die Funk Brothers unterstreichen diese Botschaft mit einem kraftvollen Beat, der den Song neben „Dancing in the Street“ zu einem der großen Hymnen von Motown macht, die für Freude, Hoffnung und Gemeinschaft stehen. —J.D.
83. The Temptations, „Cloud Nine“ (1968)
Als Holland, Dozier und Holland Motown aus finanziellen Gründen verließen, sprangen die Songwriter und Produzenten Barrett Strong und Norman Whitfield in die Bresche und führten das Label in eine ganz neue Richtung.
„Cloud Nine“ war die erste psychedelische Single der Temptations, beeinflusst von der revolutionären, publikumsübergreifenden Soul-Power von Sly and the Family Stone.
Viele Zuhörer, darunter auch Motown-Chef Berry Gordy, nahmen an, dass der Song eine Anspielung auf Drogen sei, aber wie Otis Williams von den Temptations später erzählte: „Ich weiß, dass es keine Anspielungen auf Drogen gab, weil Norman und Barrett keine Drogen nahmen.“ —J.D.
82. Diana Ross and the Supremes, „Someday We’ll Be Together“ (1969)
Ironischerweise war Diana Ross‘ Abschiedssingle mit den Supremes kaum eine Gemeinschaftsleistung. Weder Mary Wilson noch Cindy Birdsong waren darauf zu hören, ihre Plätze nahmen die Session-Sängerinnen Maxine und Julia Waters ein.
Abgesehen von dieser Merkwürdigkeit ist die elegant-opulente Platte – mitgeschrieben von Johnny Bristol, einem Songwriter und Produzenten, der auch im Hintergrund zu hören ist – eine der majestätischsten und ergreifendsten Platten der Motown-Ära.
Als letzter Nummer-1-Hit der Sechzigerjahre war sie ein passender Abschied für die Gruppe und das Jahrzehnt, in dem sie entstanden war. —D.B.
81. Stevie Wonder, „Boogie On Reggae Woman“ (1974)
1974 begann Reggae in den USA gerade erst Fuß zu fassen, aber wie immer war Stevie Wonder allen anderen voraus. Er schaffte es damit in die Top Ten. „Boogie On Reggae Woman” ist ein Synth-Funk-Electro-Skank, bei dem Stevie fast alles selbst spielt, vom Mundharmonika-Solo bis zu der dreckigen Moog-Basslinie.
Er fügt auch die kokette Zeile „I’d like to see you in the raw under the stars above” hinzu. Einer der größten Fans des Songs. Jerry Garcia, der ihn sofort auf Tour spielte und es liebte, „Boogie On Reggae Woman” 17 oder 18 Minuten lang zu jammen. —R.S.
80. The Undisputed Truth, „Smiling Faces Sometimes” (1971)
Norman Whitfield, der Architekt des Psychedelic Soul, und der Singer-Songwriter Barrett Strong schrieben diesen Warnungs-Song ursprünglich für die Temptations, die ihn 1971 aufnahmen.
Aber es war das Motown-Trio The Undisputed Truth, das den ursprünglichen 12-minütigen Jam verlangsamte, Blasinstrumente hinzufügte und ihn zu einem dreiminütigen Stück unheilvoller Soulmusik kürzte. Weit entfernt von den Geschichten über unbeschwerte Romanzen, die in den Sechzigern bei Motown beliebt waren, warnt der Song vor den lächelnden Gesichtern, die „vorgeben, dein Freund zu sein“ und „nicht die Wahrheit sagen“.
Die Gruppe erreichte nie wieder diesen Erfolg. Aber der Song wurde von Rare Earth bis Joan Osborne von zahlreichen Künstlern gecovert. —J.N.
79. The Supremes, „My World Is Empty Without You” (1965)
„My World Is Empty Without You“ ist einer der eindringlichsten Beats von Motown. Diana Ross wird in ihrem einsamen Haus heimgesucht und starrt auf ihre vier Wände. Aber die Traurigkeit liegt ganz im Rhythmus.
Es ist eine Demonstration des Könnens des Schlagzeugers Benny Benjamin. „Mann, er war eine der treibenden Kräfte hinter dem Motown-Sound”, sagte Stevie Wonder 1973 gegenüber Rolling Stone, nur wenige Jahre nach Benjamins tödlichem Schlaganfall. „ Hört euch einfach all diese Motown-Sachen an, wie „Can’t Help Myself“ und „My World Is Empty Without You, Babe“ und „This Old Heart of Mine“ und „Don’t Mess With Bill“. Bei „Girl’s All Right With Me“ knallten die Drums einfach!“ —R.S.
78. Stevie Wonder, „You Haven’t Done Nothin’“ (1974)
Dieser extrem funkige politische Seitenhieb, der zufällig kurz nach Nixons Rücktritt 1974 veröffentlicht wurde, ist wie eine bewaffnete Version von „Superstition“, mit Wonder, der das fieseste Clavinet aller Zeiten spielt, und einem Backgroundgesang der Jackson 5, der in seiner Trotzigkeit geradezu feierlich ist.
Stevie war eindeutig auf einer Wellenlänge mit den Wählern. Der Song führte sowohl die R&B- als auch die Pop-Charts an. Während sich „You Haven’t Done Nothin’“ auf den ewigen Kampf gegen die Mächtigen konzentriert, ist es gleichzeitig auf raffinierte Weise futuristisch, da es Synthesizer und eine neue musikalische Erfindung integriert: die Drum Machine. —K.H.
77. Brenda Holloway, „Every Little Bit Hurts“ (1964)
Brenda Holloway, eine Sängerin aus Los Angeles mit Gospel- und Klassik-Hintergrund, sang mit einer alten Seelenmüdigkeit, die sich von der jugendlichen Energie Motowns abhob. Insbesondere in dem schmerzlich traurigen „Every Little Bit Hurts”.
Holloway hatte kein Interesse daran, den Song aufzunehmen, und man kann diese bedrückte Anspannung ein wenig in ihrer grüblerischen Darbietung hören. Es war der Beginn einer Reihe von Hits, die von gebrochenen Herzen handelten. Die offensichtliche Verletzlichkeit des Songs traf einen Nerv und inspirierte unter anderem Aretha Franklin und The Clash zu eigenen Versionen. —J.D.
76. The Jackson 5, „The Love You Save“ (1970)
Von einem erdigen Groove, der an Sly and the Family Stone erinnert, bis hin zu Texten, die einen flirtenden Partner warnen, „es langsam anzugehen, sonst wirst du eines Tages ganz allein sein“, war der dritte Nummer-eins-Hit in Folge der Jackson 5 ein Schritt in eine erwachsenere Richtung als „I Want You Back“ und „ABC“.
An der Spitze stand natürlich Michael, Seine dünne Stimme war so intensiv und leidenschaftlich, dass er wirklich wie ein verletzter Erwachsener klang und nicht wie der 11-Jährige, der er damals war. —D.B.