Musikindustrie schlägt Kennzeichnung für KI-generierte Musik vor

„Labels bieten einen sofort verständlichen und leicht skalierbaren Ansatz für mehr Transparenz.“

ROLLING STONE Badge
Empfehlungen der Redaktion

Mehr als 35 Jahre nach der Einführung des Parental-Advisory-Aufklebers in den USA erwägt die Musikindustrie, ob man Songs mit KI-Beteiligung entsprechend kennzeichnen sollte.

In einer gemeinsamen Ankündigung der Recording Industry Association of America (RIAA), der Grammys, SAG-AFTRA und weiterer Organisationen aus der Musikbranche erklärten die Gruppen einen „einheitlichen Ansatz zur freiwilligen Track-Kennzeichnung, um Fans klarere Informationen über den Einsatz generativer KI (GenAI) in Tonaufnahmen zu geben“.

Was die Idee ist

Der Vorschlag: Digitale Marker – ähnlich wie die Explicit-Hinweise auf Streamingdiensten – bei Songs, die man entweder vollständig durch KI erstellt oder mithilfe von KI-Technologie produziert hat. Ein schwarzes Symbol mit dem großen Schriftzug „AI“ würde vollständig „AI-Generated“-Tracks kennzeichnen, während ein weißes Symbol mit kleinem „ai“ für Songs verwendet würde, die lediglich „AI-Assisted“ sind.

X Corp. Placeholder
An dieser Stelle findest du Inhalte aus X Corp.
Um mit Inhalten aus Sozialen Netzwerken zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir deine Zustimmung.

Transparenz für Fans

„Fans wollen wissen, ob und wie generative KI in der Musik eingesetzt wird, die sie hören“, erklärten IFPI-CEO Vikki Oakley und RIAA-Chairman & CEO Mitch Glazier in einem gemeinsamen Statement. „Angesichts der Bedeutung menschlicher Kunstfertigkeit und Authentizität für Musikliebhaber auf der ganzen Welt werden diese Labels einen sofort verständlichen und leicht skalierbaren Ansatz für mehr Transparenz bieten. Wir erkennen die vielfältigen kreativen Einsatzmöglichkeiten von KI an und erwarten daher, Fans mit wachsender Verbreitung der GenAI-Kennzeichnung und der Weiterentwicklung der Technologie zusätzliche Informationen anbieten zu können.“

Der Ruf nach „Transparenz“ folgt auf Berichte über die grassierende Flut von KI-Musik, die auf Streamingdienste hochgeladen wird. Deezer meldete, dass KI-generierte Songs 44 Prozent aller neuen Uploads ausmachen. Apple Music sprach davon, dass ein Drittel der neu hochgeladenen Musik „100 % KI“ sei.

„Diese neuen Labels helfen Hörern dabei, zwischen rein KI-generierten Aufnahmen und solchen zu unterscheiden, bei denen KI von menschlichen Künstlern in begrenztem Umfang eingesetzt wurde“, heißt es weiter in der Pressemitteilung der beteiligten Unternehmen.

Grammys bereits mit KI-Richtlinien

Grammys-CEO Harvey Mason Jr., der für die Verleihung bereits KI-Richtlinien eingeführt hat, sagte in einem Statement: „Da KI zunehmend in den kreativen Prozess integriert wird, verdienen Künstler und Fans gleichermaßen eine klare Möglichkeit, nachzuvollziehen, wie und wann sie zum Einsatz kommt. Diese Initiative stellt sicher, dass Kreativität, Urheberschaft und künstlerische Intention im Mittelpunkt jedes Songs bleiben. Wenn Künstler diese Geschichte erzählen können, stärkt das das Vertrauen und unterstützt eine nachhaltigere Zukunft für die Musik.“

Ob und wann Streamingdienste die KI-Labels tatsächlich bei Tracks einführen werden, ist bislang unklar.

Daniel Kreps schreibt für den ROLLING STONE USA. Hier geht es zum US-Profil

Die Rolling Stones sind zurück! Alles über ihr neues Album „Foreign Tongues“, Ron Woods Privatarchiv und die Großtaten ihres Produzenten Andrew Watt im neuen ROLLING STONE (Ausgabe 08/26), ab 26. Juni im Handel: Hier bestellen!