Nach Vorwürfen gegen Win Butler: So reagierten Band und Fans bei Arcade Fires Tourauftakt


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Am Wochenende wurden Vorwürfe gegen Win Butler erhoben: Der Sänger von Arcade Fire soll sich zwischen 2016 und 2020 des sexuellen Fehlverhaltens schuldig gemacht haben. Drei junge Frauen und eine non-binäre Personen schilderten anonym gegenüber „Pitchfork“ unter anderem, dass Butler ihnen gegen ihren Willen Dickpics geschickt habe und Sexting betrieb. Auch sei es bei Treffen zu sexuellen Handlungen gekommen, die die mutmaßlichen Opfer zum jeweiligen Zeitpunkt nicht explizit verneinten, sie ihnen im Nachhinein aber übergriffig vorkamen. Butler habe seine Macht als Sänger einer weltbekannten Indierockband missbraucht.

Butler gab zu, dass es zu derartigen Textnachrichten und auch Videocalls gekommen sei. Auf beides sei er nicht stolz, ferner sei ihm nicht bewusst gewesen, dass sein Verhalten übergriffig erscheinen könnte. Dafür bat er um Entschuldigung. Er dementierte aber ausdrücklich, jemals eine dieser oder anderer Personen gegen ihren Willen berührt oder zu wie auch immer gearteten Handlungen genötigt zu haben. Alles Körperliche sei vollkommen einvernehmlich passiert. Seine Frau Régine Chassagne, ebenfalls Mitglied bei Arcade Fire, unterstützte ihren Mann: Er sei zeitweise an „dunklen Orten“ gewesen, ihm ging es nicht gut, aber sie liebe ihn, wisse, dass er ein guter Mensch sei und dass er niemals Frauen gegen ihren Willen auch nur berühren würde.

Der Zeitpunkt der Anschuldigungen war und ist für Arcade Fire ein denkbar schlechter: Im Mai veröffentlichten sie ihr sechstes Album WE, dieser Tage beginnt ihre dazugehörige Welttournee. Am Dienstag traten sie in Dublin auf. Die Frage lautete und lautet: Wie gehen Band und Fans mit den Schlagzeilen um? Augenzeug*innenberichten zufolge habe Win Butler die Vorwürfe auf der Bühne nicht explizit adressiert, dem Publikum aber „from the bottom of my heart“ dafür gedankt, dass es so zahlreich erschienen sei. Die 3Arena war bis auf wenige frei Plätze in den oberen Reihen ausverkauft. Auch mischte sich Butler vor der Show unter die Leute.

Arcade Fire begannen ihr Konzert mit ihrem größten Hit „Wake Up“. Dies führte zu „hinreißendem Applaus“, wie eine Userin auf Twitter schrieb und dokumentierte. Andere werfen der Band in den sozialen Medien vor, diese Entscheidung sei ein PR-Move gewesen, um das Publikum sofort auf ihrer Seite zu haben. Überhaupt hätte das Konzert den Eindruck erweckt, Arcade Fire versuchten „business as usual“ zu betreiben, als sei nichts geschehen. Bei Twitter, Reddit und Co. diskutieren Fans und Kritiker*innen seitdem darüber, wie Butler und seine Band mit den Vorwürfen bisher umging, auf der Tour umgeht und am Besten umzugehen habe.

Im Vorprogramm spielte Feist. Die Musikerin hat sich zwar bisher nicht öffentlich zu den Vorwürfen und eventuelle Folgen für ihre Zusammenarbeit mit Arcade Fire geäußert – aktiv wurde sie dennoch: Beim Merchandise-Stand in Dublin machten Schilder darauf aufmerksam, dass Feist sämtliche Einnahmen aus Verkäufen von T-Shirts, Beuteln und Co. an „Women’s Aid Dublin“ spende. Die Organisation setzt sich gegen häusliche Gewalt ein und hilft betroffenen Frauen.

Inwiefern diese Entscheidung unmittelbar mit den Vorwürfen gegen Win Butler zu tun hat, bleibt derweil offen: Feist spendete bereits in der Vergangenheit ihre Mercheinnnahmen für Frauen, die Opfer von Gewalt wurden:

 

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In den kommenden Wochen sind zahlreiche weitere Arcade-Fire-Konzerte in Europa geplant, darunter auch drei in Deutschland. Am 14. September sollen sie in Köln auftreten, am 18. September in München und am 29. September in Berlin.