Neu im Plattenregal: Die Alben vom 13. April 2012


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In unserem beliebten Überblick der Alben der Woche reisen wir weiterhin durch die Plattenläden des Landes. Heute empfehlen wir einen Besuch bei „Bongartz – Musik in allen Formaten“ in der Hauptstr. 56 in 91054 Erlangen. Alle Infos gibt es auf www.bongartz-musik.de.

Die Ärzte – „Auch“ (Hot Action/UDR/Universal)
Natürlich ein Ereignis: „auch“, das neue Album der Ärzte wird sicherlich mal wieder von 0 auf 1 gehen. Ob es das zurecht tut, erfährt man in unserer Review von Joachim Hentschel.
>>>> Clip 1 zu „ZeiDverschwÄndung“
>>>> Clip 2 zu „ZeiDverschwÄndung“

Battles – „Dross Glop“ (Warp/Rough Trade)
Dass man die Musik der Battles gut verwursten, auseinandernehmen und neu inszenieren – kurz remixen – kann, ist kein Geheimnis. Macht also Sinn, dass ihr letztes Album jetzt noch mal in Remix-Form erscheint. Mit dabei sind z. B. Qluster, The Field, Gui Boratto und die HipHop-Pioniere von Shabbaz Palaces. Man merkt der Sammlung an, dass hier die selben hohen Qualtitätsstandards gelten wie bei herkömmlichen Battles-Produktionen.
>>>> Remixalbumstream

The Black Seeds – „Dust And Dirt“ (Proville/Indigo)
Die Review zum neuen Album der Black Seeds gibt’s bereits online – und zwar hier.
>>>> Albumstream

Chase & Status – „Live At Brixton Academy“ (Mercury/UID/Universal)
Das Duo aus London ist im Heimatland einer jener Acts, die es geschafft haben, die Stilrichtungen Electronica, Dubstep und vor allem Drum’n’Bass aus den Clubs zu holen und in die Arenen zu tragen. Gerade in ihrer Heimat füllen sie damit locker die großen Locations – wie zum Beispiel die Brixton Academy. Auf diesem CD-DVD-Package gibt es einen schweißtreibenden Ritt durch ihre Alben „More Than Alot“ und „No More Idols“. Viele der Vocalparts kommen leider vom Band, da Chase & Status gerne und viel kooperieren. Ein paar Gäste haben sie aber auch live auf die Bühnen holen können, so zum Beispiel den umfeierten Tinie Tempah sowie Liam Bailey, Delilah und Mali.
>>>> Trailer zur DVD

Bobby Conn – „Macaroni“ (Fire/Cargo)
Bobby Conn hat einen an der Klatsche. Muss man mal so feststellen – und wird jeder unterschreiben, der ihn mal live gesehen hat und beobachten konnte, wie Conn ins Publikum steigt und dem Nebenmann über die Wange leckt. Oder der Freundin über die Wange streicht, fragt ob das gefällt, und dann ergänzt, dass er sich gerade mit der Hand in die Hose gefasst hat. Sowas macht Conn gerne und trägt dazu natürlich standesgemäß eine silberne Glamrock-Hose. Der Glamfaktor der Person und Conn – und manchmal auch seiner Musik – ist dann auch vielleicht die einzige benennbare Konstante neben seinem unberechenbaren Performances. Auch auf seinem neuen Album, das erste mit neuer Backingband The Burglars, rauscht er respektlos durch die Stile, streift mal Glamrock, mal Funk, mal Indie, mal den Pop der 70er. Klingt nicht wirklich rund, funktioniert aber für Conn-Möger und ist definitiv besser als das betont hässliche Nudel-Artwork.
>>>> Stream von „Underground Vktm“

Holmes – „Burning Bridges“ (Blackstar/Cargo)
Die Schweden saugen die Melancholie vermutlich schon mit der Muttermilch auf. Und es gibt immer jemanden, der einen mit amerikanischem Folk oder Americana anfixt. Mit Holmes hat man jedenfalls eine weitere schwedische Band, die eher klingt, als stamme sie aus einem Kaff in Nebraska. Reduziert eingesetzte Streicher und Mundharmonikas, dezente Gitarren, eine helle Stimme, die einen direkt ans Lagerfeuer führt. Das alles ist nicht originell und die Stilrichtung leidet ein wenig unter dem inflationären Aufkommen junger Bands, ändert aber nichts daran, dass Holmes das, was sie können, sehr gut können – selbst wenn es jemand anderes erfunden hat.
>>>> Clip zu „Debris“
>>>> Albumstream

King Creosote & Jon Hopkins – „Diamond Mine Special Edition“ (Domino/GoodToGo)
Wie nennt man diese Mischung? Wenn ein grandioser schottischer Gartenzaun-Folker auf einen Produzenten und Musiker trifft, der die hohe Kunst des Ambient-Weichspülens mit feiner Melancholie zu vereinen versteht? Die Schublade muss man wohl erst einmal neu aufmachen. Das Ergebnis ist natürlich ein Album für Leisetreter, was nichts an der hohen Qualität dieser Songs ändert. Vor allem „Bats In The Attic“ und das verwehte „Aurora Boring Alias“ lassen wohl keinen kalt.

Mittekill – „All But Bored, Weak And Old“ (Staatsakt/Rough Trade)
Wir sind begeistert – wie man hier lesen kann.
>>>> Clip zu „Ich will eure Jobs nicht“

Jason Mraz – „Love Is A Four Letter Word“ (Atlantic/Warner)
Da ist kurz dieses Bedürfnis, ihn am Kragen zu packen und zu sagen: „Ganz so einfach ist das nun mal nicht. Das Leben ist doch kein Barfußspaziergang am Strand.“ Oder etwa doch? Jason Mraz zeichnet mit seinem neuen Album „Love Is A Four Letter Word“ zumindest eine Welt, in der alles irgendwie gut sein könnte, wenn man sich nur öfter an sein Herz erinnert, den Moment ehrt, Bäume pflanzt und eben mal barfuß über Straße und Strand läuft. Und so hippiehaft das auch erstmal wirkt, kommt einem kein Zweifel, dass zumindest Mraz selber diesen Lebensplan verwirklicht, tiefenentspannt Sonnenuntergang für –aufgang aufsaugt. Und dann erwischt man sich plötzlich selbst mit dem Kännchen Tee im Park und studiert das Vogelzwitschern. (Miriam Mentz)>>>> Albumstream
>>>> ROLLING STONE Session „I Won’t Give Up“ und Interview

O.S.T. – „Marley“ (Universal)
Der Soundtrack zur neuen Dokumentation über Bob Marley, die auf der Berlinale Premiere feierte und allerorts gelobt wurde, kommt als Doppel-CD daher und funktioniert wohl eher als Einstiegsdroge ins Werk von Marley. Für Sammler hat man jedoch auch diverse Raritäten hinzugepackt, wie zum Beispiel eine Aufnahme der Performance von „Jammin“ beim One Love Peace Konzert, bei der Marley die Hände der politischen Rivalen Edward Seaga und Michael Manley ineinander legte.
>>> Filmtrailer

Orcas – „Orcas“ (Morr/Indigo)“
So könnte es klingen, wenn David Sylvian und Mark Hollis gemeinsam in den Urlaub fahren“, meint Maik Brüggemeyer sehr passend in seiner Review.
>>>> Stream des Songs „Carrion“

Spiritualized – „Sweet Heart Sweet Light“ (Domino/GoodToGo)
Das orchestrale Intro „Huh?“ zieht einen bedächtig in das mittlerweile siebte Studioalbum von Jason Pierce alias Spiritualized – doch schon bei der folgenden Single „Hey Jane“ schwirrt einem wieder der Gitarrenfuzz um die Ohren, den man an Pierce und seinen Projekten so schätzt, bevor „Little Girl“ sich dann zwischen Orchesterpomp und Rocksong platziert und im Refrain die Gospelmomente aufbietet, die schon seine letzten Live-Shows geprägt haben. „Ein Pop-Album für das Jetzt“, wollte Pierce aufnehmen, wie er uns im Interview verriet. „Die Songs haben sich einer Balance aus Dynamik und Lautstärke komplett widersetzt. Ich war wie ein Maler, der mit jedem Strich sein Bild immer mehr verschandelt.“ Mag sein, aber gerade dieses Bild des Unperfekten, der großen Geste, an der man leicht vorbeischrammt, machen dieses Album so besonders. Feedbackorgien, Gospelchöre, Pop-Refrains, cool geschnodderte Rock’n’Roll-Momente – das ergibt kein trautes Stelldichein, aber eine tolle Spiritualized-Platte.
>>>> Albumstream und Interview

Superpunk – „A Young Person’s Guide To Superpunk“ (Tapete/Indigo)
Billy Joel wusste es schon immer: „Only The Good Die Young“ – eine Weisheit, der sich nun auch die (fast) jungen Herren von Superpunk angenommen haben und 2012 der 15-jährigen Bandgeschichte den Schlusspunkt anhängen. Natürlich nicht ohne den Zurückgelassenen etwas an die Hand zu geben: „A Young Person’s Guide To Superpunk“. Ein Langspieler, der noch einmal sein bestes tut, 15 Jahre, 5 Alben und was da sonst noch war in 18 Songs zusammenzubringen. Klappt ganz gut. Vorbereitend wurde auch noch einmal in alten Originalmasterbändern gestöbert und das ein oder andere bisher unveröffentlichte Schmankerl ausfindig gemacht. So der „Wigan Garage Mix“ von „Neue Zähne für meinen Bruder und mich“ oder die Single-Edit Version von „Bitte Verlass mich nicht“ mit gedoppelten Gesang. Und wohin gehen Superpunk nun? Zum Mädchen an der Kasse oder zum Mädchen beim Herrenfrisör?  Zum Mädchen beim Herrenfrisör, ohja! (Miriam Mentz)
>>>> Clip zu „Das Feuerwerk ist vorbei“

Theesatisfaction – „Awe Naturale“ (Sub Pop/Cargo)
Auf ihrem Debüt mischen Stasia Irons und Catherine Harris White HipHop mit Soul, Rap mit Jazz und kreisende Mantras mit Dissonanzen. „Awe Naturale“ funktioniert nicht Stück für Stück – aber baut in seinen 30 Minuten einen ganz eigenen Sog auf – der oft mal ins psychedelische abdriftet, aber nur, um dann wieder zu eingängigen Beatstrukturen zurückzukehren. Und das wichtigste geben die beiden „Queens Of The Stoned Aged“ („naturalE“) dem Hörer bereits weit zu Beginn mit auf den Weg: „Whatever You Do, Don’t Funk With My Groove!“ (Miriam Mentz)