Neu im Plattenregal: Die Alben vom 15. April 2011

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Neu im Plattenregal: Die Alben vom 15. April 2011

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Hier eine Auswahl der neuen Veröffentlichungen im simfy-Player (die Songs sind ca. zwei Wochen hörbar):

Asaf Avidan & The Mojos – “Poor Boy/Lucky Man” (Columbia / Sony)
Die Review steht bereits online – inklusive einer schönen Live-Session. Beides hier zu finden – das Album läuft derweil im simfy-Player.

Beardyman – “I Done A Album” (Sunday Best/PIAS/Rough Trade)
Ein quengeliges Balg eröffnet das Debüt-Album des Londoners Darren Foreman alias Beardyman. Der wird auf der Insel schon länger für seine Beatboxing-Skills und seine Live-Shows zwischen Klangexperiment und Comedy gefeiert. Nun konstatiert Beardyman: “I Done A Album” – und ja, es wird GENAU so geschrieben. 20 Songs und Zwischenspiele sind drauf, eine Mischung aus Beatboxing, Gesang, Beats und Samples, die mal nach afrikanischer Volksmusik klingen (“Twist Your Ankal”), dann wieder, als hätten die Schlümpfe nun Grime für sich entdeckt (“Big Man”). Das ist alles recht unterhaltsam, wirft aber immer wieder die Frage auf, ob man sowas auf Platte braucht. Die Single “Big Man” gibt’s im simfy-Player. Hier ein vollständiger Auftritt, der ungefähr verstehen lässt, was die Faszination an Beardyman ausmacht. Und der die Einsicht verstärkt, dass man sich das vielleicht besser live anschauen sollte, als auf Platte zu kaufen:

Dave Depper – “The Ram Project” (City Slang/Universal)
Der Blog einer Zeitung in Portland schrieb über den Songwriter: “Dave Depper is in a lot of bands. In fact, if you have a band in Portland, he’s probably standing behind you right now holding a bass guitar.” Damit sind z. B. gemeint: Loch Lomond, Norfolk & Western, Musee Mecanique, Blue Giant, Jolie Holland und Mirah. Nun hat er sich in seinem Zimmer eingeschlossen, und Paul McCartneys lange Zeit unterschätztes zweites Soloalbum “Ram” neu einzuspielen. Das macht er eigentlich ganz gut, aber – wie McCartney-Experte Maik Brüggemeyer anmerkte: “Er kann halt nicht so gut singen.”

Elbow – “Build A Rocket Boys!” (Fiction / Universal)
Gunther Reinhardt sieht im neuen Album von Elbow einen “Blick zurück nach vorn” und feiert es mit dreieinhalb Sternen als “ein kleines Meisterwerk der Nostalgie”. Wie Guy Garvey selbst das Album verortet, verriet er uns bereits im Interview. Hier noch mal einer der schönsten Songs in einer Live-Version:

Frida Gold – “Juwel” (All Eyes On Music/Warner)
“Ich finde, im Pop muss alles erlaubt sein”, sagt die 25jährige Alina Süggeler – Stimme und Gesicht der Band Frida Gold. Wir stellten sie bereits vor einigen Monaten in unserer Reihe “Die Zukunft der Musik” vor. Das Debüt “Juwel” glänzt und funkelt in der Tat, klingt aber so gar nicht, als hätte man das Credo “Alles muss erlaubt sein” auch tatsächlich ausgelebt. So kommt gut gemachter Radio-Konsens-Pop heraus mit einem zarten Hauch jugendlicher Renitenz in den Lyrics. Hier noch der aktuelle Videoclip zum Song “Wovon sollen wir träumen”:

Golden Kanine – “Oh Woe!” (Glitterhouse/Indigo)
Drei Sterne gibt es für das neue Album der Schweden, die schon im vergangenen Jahr auf dem Orange Blossom-Festival diverse Redaktionsmitglieder überzeugten (hier die Nachlese): “Golden Kanine nähern sich der amerikanischen Folklore mit windschiefen Arrangements aus Band plus Geige, Posaune und Glockenspielen. Man kann sich frei bewegen in diesen nicht niet- und nagelfesten Liedern, deren zermürbte Melancholie ans Herz geht.” Das Album läuft im simfy-Player. Hier noch der wunderschöne Clip zu “Climb”:

Gorillaz – “The Fall” (Parlophone/Capitol/EMI)
Frank Lähnemann meint in unserer Mai-Ausgabe: “‘The Fall’ hat eher dokumentarischen Wert und fällt als direkter Nachfolger des Hitalbums ‘Plastic Beach’ aus der Wertung. Wer Momentaufnahmen liebt und gern Postkarten über banale Dinge liest – bitte! Vergnügungssteuer wird hierfür nicht erhoben.” Das Album läuft vergnügungssteuerfrei im simfy-Player. Hier der Clip zu “Phoner To Arizona”, der augenscheinlich – ebenso wie das ganze Album – auf der Tour entstand:


The High Llamas – “Talahomi Way” (Drag City/Rough Trade)
Jörn Schlüter nennt das neue Album der Band um Sean O’Hagan eine “kunstvolle Utopie”, kann sich in seiner Rezension in der kommenden Ausgabe aber nur zu drei Sternen durchringen: “In der richtigen Welt ist diese Utopie auf Dauer eine Herausforderung. Nicht selten scheinen die kunstvollen Arrangements Selbstzweck zu sein, eine intensive Beschäftigung mit der Draperie, denen im Kern die Lieder fehlen. Ein Missverständnis vielleicht. Doch man kämpft nach der ersten Viertelstunde gegen die schwindende Aufmerksamkeit. Darf man das sagen? Man will ja die große Errungenschaft nicht schmälern. Denn natürlich ist O’Hagan ein tadelloser Musiker, seine Platten außerordentlich.” Hier der Song “Woven And Rolles” vom neuen Album:

Jason Isbell & The 400 Unit – “Here We Rest” (Blue Rose/Soulfood)
Das ehemalige Drive-By Truckers-Mitglied Jason Isbell mit dem zweiten Album, das er mit The 400 Unit einspielt. Darauf huldigt Isbell wieder den Spielarten des amerikanischen Südens, eröffnet es mit “Alabama Pines” recht countryesk, versucht sich später an Candi Statons “Heart On A String” und durchstreift soulige Gefilde in “We’ve Met”. Einziges Manko ist vielleicht die glatte Produktion, die vermuten lässt, man wolle auch den ein oder anderen Song in den amerikanischen Country-Charts platzieren. Hier eine Aufnahme des Songs “Go It Alone”:

Ja, Panik – “DMD KIU LIDT” (Staatsakt/Rough Trade)
Jürgen Ziemer lehnt sich in seiner Rezension in der Mai-Ausgabe weit aus dem Fenster, wenn er sagt: “Nach ‘DMD KIU LIT’ gehören Ja, Panik zu den wichtigsten Wortführern im deutschen Pop – keine Ahnung, ob es in diesem Jahr hierzulande noch einmal ein so makelloses Album geben wird.” Die vollständige Rezi kann man hier lesen. Hier noch der Song “Suicide”:

Low – “C’Mon” (Sub Pop/Cargo)
Dreieinhalb Sterne gibt es von Maik Brüggemeyer für das neue Album von Low: “Und so ein bisschen wirkt ‘C’mon’ nach dem exaltierten ‘The Great Destroyer’, von dem ja ausgerechnet Robert Plant zwei Stücke auf ‘Band Of Joy’ coverte, und dem kargen, perkussiven ‘Drums & Guns’ jetzt tatsächlich wie eine Rückkehr zu den sich im Kriechgang entwickelnden und schließlich zu majestätischer Größe erhebenden Stücken früherer Tage. Aber – und bei Low gibt es immer ein Aber, weil sie trotz ihrer musikalischen Langsamkeit nie auf der Stelle treten – ‘C’mon’ hat vor allem zu Beginn eine ungewohnt süffige kalifornische 70s-Softrocknote, die man sich in der frostigen Low-Heimat des kalten Iron Range ganz sicher nicht einfangen kann.”

Micachu And The London Sinfonietta – “Chopped & Screwed” (Beggars Group/Indigo)
Jürgen Ziemer vergibt in seiner “Beats”-Kolumne in der April-Ausgabe vier Sterne: “Die experimentierfreudige Songwriterin und Produzentin Mica Levi hat hier nicht nur ihre neue Band The Shapes hinter sich, sondern auch das siebenköpfige Kammerorchester The London Sinfonietta. Obwohl angeblich vom HipHop inspiriert, erinnert das Werk eher an einen Hybriden aus zeitgenössischer Klassik, den komplexen Texturen von Autechre und dem Avantgardebegriff eines Scott Walker. Keine leichte Musik – aber die Mühe lohnt sich.” In der Tat. Bei ihren frühen Auftritten brachte Miss Levi übrigens auch einen Staubsauger auf ganz wunderbare Weise zum Klingen. Auf diesem Album bringt sie nun ein Orchester dazu, wie ein Staubsauger zu klingen. Sehr schön das. Das Album läuft im simfy-Player.

Panda Bear – “Tomboy” (Paw Tracks/Indigo)
Noah Lennox alias Panda Bear und somit Teil von Animal Collective verriet Joachim Hentschel schon vor einigen Wochen: “Ich mag eher den Pop von MGMT, den Techno von Actress, die Games von Keita Takahashi. Auch der Mainstream wird in Zukunft immer stärker das widerspiegeln, was sich seit etwa zehn Jahren an den Rändern getan hat. Weil heute alles überall verfügbar ist.” Diese Aussage hört man seinem neuen, wunderbaren Soloalbum “Tomboy” an. Wir hatten bereits den Albenstream – und zwar hier. http://www.rollingstone.de/magazin/features/article74494/Panda-Bear-ueber-sein-Album-Tomboy-Albenstream.html

Pantha Du Prince – “XI Versions Of Black Noise” (Beggars Group/Indigo)
Gutes Timing: Eben noch bekam Hendrik Weber alias Pantha Du Prince den Kritiker-Echo verliehen, nun erscheinen ausgewählte Remixe aus dem viel gelobten Album “Black Noise”. Sehr schöne Tracks sind drauf: Zum Beispiel Four Tets Version von “Stick To My Side”, die einen ganz wunderbar kirre macht. Oder “Welt Am Draht” in der Spielart des Animal Collectives, die daraus einen klickenden, klackenden, klöppelnden Mönchsgesang machen. Kann man alles im simfy-Player hören.

Poly Styrene – “Generation Indigo” (Future Noise/Rough Trade)
Noch mit Zahnspange sah man Poly Styrene damals bei Top Of The Pops, wo sie mit ihrem naiv nasalen Gesang den Hit “Germ Free Adolescence” ihrer Band X-Ray Spex sang. Nun erscheint, Jahrzehnte später sozusagen, ihr neues Solo-Album “Generation Indigo”, leider kurz nachdem bekannt wurde, dass Miss Styrene schwer an Krebs erkrankt ist. Das Album wurde von Starproduzent und Killing Joke-Member Youth produziert, der ihre Stimme in düsteren Hochglanzpop verpackt. Hier ein Track by Track-Interview und der Clip zur aktuellen Single:

TV On The Radio – “Nine Types Of Light” (Interscope/UID/Universal)
Unsere Aufmacher-Rezension in der kommenden Ausgabe und mit satten viereinhalb Sternen bedacht. Maik Brüggemeyer meint: “Der Sound ist ein bisschen schlanker geworden, das schon. Die Stücke haben mehr Platz, sich zu entwickeln, sich zu winden und auszubreiten. Eine flirrende Psychedelik liegt in der Luft und ein bisschen Disco. Manchmal reichen zu Beginn eines Stücks ein vertrackter Rhythmus und eine spröde Gitarre, dann erledigen die Stimmen von Kyp Malone und Tunde Adebimpe den Rest – schütten süße Harmonien, zittrige Poeme oder treibende Rhymes auf die Tracks, und schon hat man das Gefühl, im siebten Pophimmel zu sein.” Wahre Worte – die man im simfy-Player überprüfen kann…

Vivian Girls – “Share The Joy” (Polyvinyl/Cargo)
Cassie Ramone, “Kickball Katy” Goodman (die kürzlich auch mit ihrem Projekt La Sera debüttierte) und Fiona Campbell wollen laut Albentitel Freude teilen und machen es einem musikalisch leicht. Ihrem schunkelbaren, scheppernden, hallenden Riot-Grrrl-Pop kann man sich nur schwer entziehen. Dazu gibt es Lyrics, wie man sie von ihnen erwartet: “I don’t want to lie like the other girls / don’t want to try, try, try like the other girls.” Allerdings haben die Vivian Girls ihr Tempo hörbar gedrosselt, was noch offensichtlicher werden lässt, dass sie musikalisch vielleicht doch ein wenig zu sehr auf der Stelle treten und die Spielgeschwindigkeit die einzige Stellschraube ist, die nachjustiert wurde. Das Album kann man im simfy-Player hören.

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