Neu im Plattenregal: Die Alben vom 29. April 2011


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Hier eine Auswahl der neuen Veröffentlichungen im simfy-Player (die Songs sind ca. zwei Wochen hörbar):

Beastie Boys – „Hot Sauce Committee Part 2“ (Capitol/EMI)
„Make Some Noise“ heißt der erste Song und die Single des neuen Albums der Beastie Boys. Und es ist wahrlich ein Grund zu Freudenschreien, dass Adam Yauch, Michael Diamond und Adam Horovitz die Beastie Boys nach Yauchs Genesung wieder am Start haben. Und nach ersten Hördurchläufen muss man sagen: Sie haben auch gleich die alte Form mitgebracht. „Make Some Noise“ ist ein erstklassiger Jump-Around-Hit trotz der schrägen Sounds, die sie dort auffahren. Die Zusammenarbeit mit der Sängerin Santigold „Don’t Play No Game That I Can’t Win“ versucht sich erfolgreich am entspannten Dancehall-Sound und das grandios betitelte „Lee Majors Come Again“ klingt bisweilen, als hätten die frühen Beastie Boys den Rockabilly für sich entdeckt. Das Album läuft im simfy-Player, hier die Single:

Blackmail – „Anima Now!“ (45 Records/Soulfood)
Wir waren schon beim Vorabwebwheel des neuen Albums beteiligt, nun gibt’s das gesamte Album im simfy-Player zu hören. Es war ja ein Wagnis: Nach dem Streit mit Blackmail-Stimme und Aushängeschild Aydo Abay mit neuem Sänger weiterzumachen. Unser Rezensent Rüdiger Knopf gibt in unserer aktuellen Ausgabe drei Sterne und somit Entwarnung: „Noch immer schlagen die druckvollen Lieder aus Koblenz beim ersten Hören eher obskure Haken, werden dann aber zwingend und schieben sich so schleichend und unwiderstehlich unter die Haut – mit jeder Umdrehung tiefer. Weiterhin herrscht berauschender Endorphin-Alarm, sobald Kurt und Carlos Ebelhäuser ihre massigen Gitarren- und Bassbarrikaden aufschichten und Mario Matthias seine Kollegen mit der energischen Präzision des kompromisslosen Zuchtmeisters durch die Songs trommelt. Und der neue Sänger? Verständliche Nostalgie der Blackmail-Traditionalisten beiseitegelassen, lässt Mathias Reetz keine Wünsche offen. Wie Abay setzt er dem donnernden Spektakel von Saiten und Drums leicht näselnde Sanftheit entgegen.“ Hier noch ein Videointerview der Band und der Clip zur Single „Deborah“:

The Dodos – „No Color“ (Cooperative Music/Universal)
Gunther Reinhardt spricht in unserer aktuellen Ausgabe von einem „Lo-Fi-Prachtstück“ und gibt drei Sterne: „Die sich bisher nur heimlich in den Dodos-Stücken verbergende Opulenz ist nun nicht mehr zu überhören. ‚No Color‘ ist die Schwarz-Weiß-Aufnahme einer prächtigen Kunterbuntwelt. So etwas wie die Unplugged-Version eines noch unentdeckten XTC-Albums, das die Lücke zwischen ‚English Settlement‘ und ‚Nonsuch‘ schließt. Und nach wie vor pflegen The Dodos ihre Liebe zu ungeraden Rhythmen (‚Good‘), zu abrupten Tempowechseln (‚Going Under‘). Das Album läuft im simfy-Player.

Dredg – „Chuckles And Mr. Squeezy“ (Vertigo/Universal)
Dredg verabschieden sich auf ihrem neuen Album anscheinend vollends von dem prog-infizierten, modernen Rock, den sie sonst so gekonnt zelebrierten. Hinter dem verstörenden Artwork verbirgt sich dunkle Popmusik, die Gavin Hayes Stimme in den Vordergrund stellt und die Gitarren eher als dunkles Grundrauschen erklingen lässt. Bleibt dennoch eine stimmige Mischung – und auch wenn es der ein oder andere Die-Hard-Dredg-Fan zu soft finden wird, die bei dieser Band recht tiefe Fanliebe wird es dennoch überstehen. Hier der Song „The Thought Of Losing You“ – das Album läuft im simfy-Player.

Thomas Dybdahl – „Songs“ (Decca/Universal Classics & Jazz)
Der Norweger, der auch bei The National Bank singt, mit einer Songsammlung, die schlicht „Songs“ heißt und sein gesamtes Solo-Oeuvre umspannt. Gemächlicher Folk mit dunkler Sangesnote – wie man es aus Skandinavien kennt und mag. Hier gibt es eine kleine Dokumentation über „Songs“. Das Album läuft zudem im simfy-Player. Hier der Clip zu „Cecilia“, die ebenfalls auf „Songs“ vertreten ist:

Steve Earle – „I’ll Never Get Out Of This World Alive“ (Blue Rose/Soulfood)
Die Rezension gibt’s seit heute online – da steht im Grunde alles drin. Hier ein kleiner Auszug aus einer Doku über die Aufnahmen zum Album:

Finn – „I Wish I Was Someone Else“ (Sunday Service/Indigo)
Das achte Album des Hamburger Songwriters Patrick Zimmer alias Finn enthält lediglich Coverversionen. Dabei nimmt er sich auch durchaus ein paar Cheesy-Classics vor. Zum Beispiel „Private Dancer“ von Tina Turner, das er in seinen gewohnten Stil überführt. Wie das alles klingt, kann man im simfy-Player hören. Ein Highlight ist das Duett mit Dirk von Lowtzow, der bei „Crying In The Rain“ aushilft. Dazu gibt’s auch einen Clip:

finn. & Dirk von Lowtzow „CRYING IN THE RAIN“ from finn. on Vimeo.

Fleet Foxes – „Helplessness Blues“ (Cooperative Music/Universal)
Zu diesem Album haben wir schon viel gesagt und geschrieben und es auch schon eine Woche vor Release im Stream gehabt. Hier gibt’s die Rezension, das Album läuft im simfy-Player. Hier noch mal der Clip zu „Grown Ocean“:

Haight Ashbury – „Here In The Golden Rays“ (Lime/Rough Trade)
In den Rezensions-Quickies unserer aktuellen Ausgabe gibt es zwei Sterne: „Musik wie auf einem Acid-Trip: Haight Ashbury aus Schottland spielen Hippierock mit einem sinistren Unterton. Viel zu eintönig, doch etwas regt sich in dem Kleine-Mädchen-Gesang, den bösen Fuzz-Gitarren und der rauschhaften Psychedelik.“ Hier das aktuelle Video:

Mick Harvey – „Sketches From The Book Of The Dead“ (Mute-AIP/GoodToGo)
Alexander Müller vergibt zweieinhalb Sterne und meint: „Ein von Blues und Folk inspiriertes, skizzenhaftes Memento mori, das manchmal freilich lethargisch und monoton wirkt. Nur im letzten Stück, ‚Famous Last Words‘, fordert Harvey einmal mürrisch rockend den Sensenmann zum Tanz auf. Und traurig klingt der Schlussakkord in Moll.“ Das Album ist übrigens eine vertonte Totenehrung für verblichene Freunde und Weggefährten Harveys. Das Album läuft im simfy-Player, hier der gelobte Song:

Holy Ghost! – „Holy Ghost!“ (Cooperative Music/Universal)
Wer Hot Chip und die Friendly Fires schätzt, der wird auch Gefallen an diesen New Yorkern finden, die ebenso das Feld zwischen Indie, Electro und Pop beackern. Dass sie dies recht überzeugend tun, kann man der aktuellen Single anhören:

k. d. Lang And The Siss Boom Bang – „Sing It Loud“ (Nonesuch/Warner)
Die Review zum neuen Album von k. d. Lang gibt’s bereits online. Hier noch eine schöne Live-Performance bei Mr. Holland:

Hugh Laurie – „Let Them Talk“ (Warner)
Auf RTL kann man zurzeit wieder dienstags verfolgen, wie Hugh Laurie als „Dr. House“ Medizinrätsel löst, die Liaison mit seiner Vorgesetzten Lisa Cuddy bewältigt und leidenschaftlich Unfrieden verbreitet. Darüber hinaus geht Laurie nun auch seine Musikerkarriere und veröffentlicht heute sein Debüt „Let Them Talk. Eine solide Blues-Platte – aufgenommen mit bisweilen legendären Musikern der Szene in New Orleans. Laurie hat mal gesagt, er könne vieles, aber nichts wirklich gut. Birgit Fuß fragte ihn in New Orleans, ob das Koketterie oder Bescheidenheit sei. Laurie dazu: „Vermutlich die Wahrheit.“ Seine Erwartungen an „Let Them Talk“ sind dann auch bescheiden: „Es ist mir sehr wichtig, dass die Plattenfirma keinen Verlust macht, das ist eine Frage des Stolzes. Ich will immer, dass ich das Geld meines Arbeitgebers wert bin.“ Hier eine kleine Doku über „Let Them Talk“:

Of Montreal – „Thecontrollersphere“ (Polyvinyl/Cargo)
Die amerikanischen Kollegen nennen die neue EP „dark and freaky“. Das trifft die Sache. Die Songs, die während der Sessions zu „False Priest“ entstanden, zeigen Kevin Barnes und seine Mannen in den Untiefen des Funks, die er mit grandiosem Getöse gehörig aufmischt. Die Songs laufen im simfy-Player. Hier der Song „L’age D’or“, der mit dem ehemaligen Kultlabel weder verwandt noch verschwägert ist:

Smith Westerns – „Dye It Blonde“ (Domino/GoodToGo)
Wolfgang Doebeling hatte diese jungen Herren schon im April auf dem Radar und in seiner Freispiel-Rubrik. Hier die mit dreineinhalb Sternen versehene Review: „Glam-Rock lebt, von drei College-Kids in Chicago durch hingebungsvolle Mund-zu-Mund-Beatmung vorm Verwesen bewahrt. ‚Dye It Blonde‘ glitzert, als hätte das Trio ‚The Slider‘ und ‚Diamond Dogs‘ in den Studio-Mixer geworfen, mit Mott The Hoople gewürzt, eine Prise Sweet hinzugegeben und das Ganze mit frischem Raspberries-Powerpop abgeschmeckt. Sänger Cullen Omori verzichtet wohlweislich darauf, den Bolan oder Bowie zu geben, erinnert aber bisweilen sehr an Eric Carmen, während die Band sich damit vergnügt, Suede nachzueifern oder Badfinger zu sein. Alles da, bei Bedarf abrufbar: das Gockeln, die Grooves, die aufgeilende Opulenz und das Orgel-Onanieren. Teenager halt, ziemlich weit aus der Zeit gefallen.“ Das Album gibt’s bei Soundcloud im Stream, die Band nächste Woche bei uns im Interview. Hier der Clip zu „Weekend“:

The Wombats – „This Modern Glitch“ (14th Floor/Warner)
Drei Sterne gibt’s für die neue Wombats in unseren Rezensionsquickies und die Band noch heute bei uns im Interview. „Das lustige Trio aus Liverpool wollte eine traurige Grunge-Platte machen, ist aber doch wieder tanzen gegangen. Dance und Rock, Rave-Synthies und laute Gitarren – die Wombats ziehen den großen Vorhang auf und stillen das englische Bedürfnis nach trashigen Dreiminutenliedern.“ Hier der neue Clip zum sehr amüsanten „Techno Fan“:

Jamie Woon – „Mirrorwriting“ (Polydor/Universal)
Das Debüt des Londoner Produzenten und Sängers, der das selbe Problem haben wird wie James Blake: Das Post-Dubstep-Label am Hintern, die Hipster an den Hacken und das Feuilleton am Hals. Dabei ist sein Studio-Debüt vor allem eines: zeitgemäßer, softer, intelligenter Pop, mit Versatzstücken aus vielen Stilen – aber garantiert kaum Dubstep drinne. Wie das alles so klingt, kann man im simfy-Player hören. Hier der Clip zu „Night Air“:

Young The Giant – „Young The Giant“ (Roadrunner/Warner)
Das müsste klappen! Kommerziell gesehen. Denkt man sich so, wenn man zum Beispiel „God Made Man“ (Video siehe unten) von Young The Giant hört. Die weiche Stimme von Sameer Gadhia, dazu mal verhaltene, folkige Klänge – bis der Refrain wie die ersten Sonnenstrahlen am Morgen in den Song einbricht. Das hat schon was. „To the sunlight, to the sunlight“, singt Gadhia da – und erschreckt den Hörer gehörig, in dem er die nächsten Zeilen plötzlich laut und dringlich hinaus schreit. Überraschungen dieser Art gibt es viele auf diesem gelungenen Debüt, das von My Morning Jacket-Produzent Joe Chiccarelli schillernd produziert wurde. Bevor „Young The Giant“ heute erschien, gab’s das Album schon vorher in einem von uns mit präsentierten Webwheel. Hier das Album hören.