Neu im Plattenregal: Die Alben vom 30. September 2011


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In Kooperation mit der Plattenladenwoche vom 10. bis zum 15. Oktober stellen wir hier ab sofort per Foto jede Woche ein Geschäft unseres Vertrauens vor – diesmal: Hot Shot Records im Hanseatenhof 9 in 28195 Bremen. Infos unter: www.hotshotrecords.com

Hier eine Auswahl der Neuheiten im simfy-Player (die Songs sind ca. zwei Wochen hörbar):

AWOLNATION – „Megalithic Symphony“ (Red Bull Records)
Aaron Bruno war zuvor eher dem nerdigen Indie-Publikum ein Begriff, als damals noch langhaariger Frontmann der Band Under The Influence Of Giants. Nun startet er solo durch und hat augenscheinlich großes vor. Aufwendige Videos, perfekt gefilmte Live-Sessions, amüsante Kurzclips. Das Debüt „Megalithic Symphony“, das jetzt bei uns erscheint, und hier bereits in voller Länge zu hören ist, ist wuchtig produziert – was seinem kruden Stilmix aus betont cheesy – oder „wack“ – klingendem Elektro-Pop und elektrischen Gitarren natürlich gut zu Gesicht steht. Wir hatten den Herren bereits hier ausführlich im Interview in unserer Rubrik Artist To Watch.
>>>> Clip zu „Burn It Down“

Cäthe – „Ich muss gar nichts“ (DEAG Music/Sony Music)
Bekannt aus Funk und Fernsehen, kommt nun das Debütalbum von Cäthe, die sich in den letzten Wochen durch jede zweite Talkshow gesungen hat. Die Hamburgerin gibt sich als Rockröhre und reicht ihre Befindlichkeiten mit der ein oder anderen verruchten Zeile an. Zweifelsohne eine außergewöhnliche Stimme, die aber zu oft zu affektiert rau klingt und spätestens beim dritten Song an den Nerven zerrt. Hören kann man das im simfy-Player.
>>>> Clip zu „Senorita“

Adam Cohen – „Like A Man“ (Cooking Vinyl/Indigo)
Man erkennt es schon am Cover: Eine Zeichnung von Adam Cohens Kopf, über dem ein Hut schwebt, den man seit den letzten Auftritten seines Vaters sofort mit Leonard Cohen in Verbindung bringt. Auch der Titel scheint sich auf das Überwerk seines Vaters zu beziehen: Leonard Cohen hatte einst „I’m Your Man“ gesungen, Adam Cohen lässt nun selbstbewusst und verneigend zugleich „Like A Man“ auf sein erstes Album seit vielen Jahren schreiben. Cohen scheint sich mit seiner Herkunft arrangiert zu haben. Das gibt er offen zu:“Es sind Songs die ein gewisses Familien-Trademark tragen. Etwas, das ich bisher immer versucht hatte zu verschleiern. Ich habe alles dafür getan, Musik zu machen, die möglichst wenig mit dem Schaffen meines Vaters gemein hatte. Es war klar, dass die Vergleiche sowieso herangezogen würden und ich wollte dem auch nicht noch die Tür öffnen, indem ich mich in die ästhetische Welt meines Vaters begeben würde, insbesondere als ich darauf konzentriert war, mir meine eigene zu schaffen. Musikalisch gesehen, habe ich mich die ganze Zeit komplett verrenkt, nur um nicht lediglich als der Sohn meines Vaters wahrgenommen zu werden.“ Vor fünf Jahren war Adam Cohen aus genannten Gründen gar soweit gegangen, dass er offen verkündete, sich aus der Musik zurückzuziehen. Ein starkes Album – deshalb wird’s in naher Zukunft auch noch ein Interview mit dem Herren geben.
>>>> Clip zu „What Other Guy“

Death In Vegas – „Trans-Love Energies“ (Portobello/AL!VE)
Remember „Scorpio Rising“? Mit diesem Album waren Death In Vegas 2002 in aller Munde, und dass obwohl es wenig gemein hatte, mit dem dunklen, grollenden Sound den sie zuvor zelebrierten. Hier klang man plötzlich, als wollte man noch einmal den Britpop hochleben lassen – was auch an Gastsängern wie Liam Gallagher und Paul Weller lag. Vielleicht lag es an dem Erfolg, dass das Duo sich einige Jahre zurückzog. Nun sind Death In Vegas wieder zurück. In zweifacher Hinsicht, denn auch ihr Sound geht zurück in die verhallten, mit schweren Beats geschlagenen Songs ihrer Frühphase. Eine atmosphärische, sehr elektronische Klangreise ist das geworden, wie der Song „The Loft“, bei der die Sängerin von Austra singt, beweisen dürfte.
>>>> Clip zu „Your Loft“

DJ Shadow – „The Less You Know, The Better“ (Island/UID/Universal)
Bleiben wir noch eine Weile in der Schublade mit den Beats drinnen, wobei eine einzige Schublade für  Josh Davies alias DJ Shadow viel zu wenig wäre. Seit seinem 96er-Debüt „Endtroducing“ – einer irren Sampling-Reise durch Rap, Funk, Soul, Jazz und Ambient – beweist er immer wieder fast zwanghaft seine Stilvielfalt. Auf „The Less You Know, The Better“ geht es recht ruppig zu, fast so, als hätte er nun auch die Nine Inch Nails- und Skinny Puppy-Platten aus seiner riesigen Sammlung gezogen, um sich an ihnen zu inspirieren. „Border Crossing“ zum Beispiel ist reiner Crossoverrock – allerdings in gut. „I Gotta Rock“ hingegen klingt wie AC/DC meets The Prodigy. Dem gegenüber stehen aber auch melancholische Instrumentalstücke wie „(Not so) Sad And Loneley“, TripHoppiges wie „Scale It Back“ (feat. Little Dragon) oder moderner HipHop wie im Falle von „Stay The Course“. Hört sich mal wieder mehr wie ein Mixtape als ein Album, aber was soll’s…
>>>> Albenstream von „“The Less You Know, The Better“

Drahtseilakt – „Fall oder Tanz“ (Achtung Music/Rough Trade)
Nora Grisu und Uwe Bossert sind ein ungleiches Paar. Bossert ist im Hauptberuf Gitarrist bei Reamonn, spielte unter anderem mit Nelly Furtado und Unheilig und blickt auf Millionen verkaufte Platten zurück. Nora Grisu indes ist als Sängerin und Liedermacherin in der deutschen Poplandschaft ein quasi unbeschriebenes Blatt. Bosserts Popmelodien und Grisus unbeschwerter Gesang sind die Pole, zwischen denen sich das gemeinsame erste Album „Fall oder Tanz“ bewegt. Einzig der Kitsch führte zu Meinungsverschiedenheiten: „Es war schwer für mich, das in unsere Musik zu lassen“, sagt die smarte Grisu im Interview mit unserem Autoren Max Gösche. Doch die Erfahrung des Älteren hat letztlich gesiegt: „Ich finde, ein Album ohne Tränen ist keines“, so Bossert.
>>>> Clip zu „Abrakadabra“

Dum Dum Girls – „Only In Dreams“ (Sub Pop/Cargo)
Sebastian Dalkowski ist in der kommenden Ausgabe voll des Lobens und vergibt satte vier Sterne. „‚Only In Dreams‘ ist ein großer Schritt. Während beim Vorgänger die Sixties-Melodien nur schwer durch den Lärm drangen, sind Song und Feedback nun gleichberechtigt.“ Ein Fazit, das treffender nicht sein könnte. In der Novemberausgabe gibt’s dann übrigens auch ein Interview mit den Damen.
>>>> Clip zu „He Gets Me High“

Feist – „Metals“ (Polydor/UID/Universal)
Die Review gibt’s bereits online.
>>>> Feist im Videointerview

Flimmerfrühstück – „In allen meinen Liedern“ (Vertigo/UDP/Universal) 
Auf dem gestrigen Bundesvision Song Contest waren sie einer jener Acts, bei denen man die Rückkehr des reinen Schlagers fürchtete. „Tu’s Nicht Ohne Liebe“, ihr Songbeitrag, ist in der Tat ein debil-naives Liedchen, das vermutlich augenzwinkernd gemeint sein sollte, dafür aber viel zu ernst vorgetragen wurde. Schade, denn – wie ihre andere Single „Charlie Parker Platten hören“ zeigt – ist ihre Mischung aus Indie und – ja nennen wir es ruhig weiterhin so – Schlager nicht ohne Reiz.
>>>> Flimmerfrühstück auf tape.tv     

Killed By 9V Batteries – „The Crux“ (Siluh/AL!VE)
Das kleinfeine Label Siluh bringt auch dieses Album von Killed By 9V Batteries heraus. „The Crux“ zeigt die Wiener relaxter als noch auf „Escape Plans Make It Hard To Wait For Success“. Ihre bisweilen bissigen Lyrics werden nun nicht mehr ausschließlich zu hektischen Riffs rausgefeuert, sondern genüsslich ins Mikro geschnarrt. „Quit your job and work for free…“
>>>> Clip zu „Worst Of Total Anarchy“

Julia Marcell – June (Haldern Pop)
Drei Sterne in unseren Kurzrezensionen: „Es muss Rhythmus her! Julia Marcell lässt das Piano in der Ecke stehen und singt stattdessen energisch zu vielschichtigen Trommeln und Synthiearrangements. Wave und Elektro, wohl streng und präzise, doch mit Popmusik im Sinn.“ Wir haben in der kommenden Woche etwas ganz besonderes: Eine exklusive Studiosession, die bereits in unserer neuen App zu finden ist.

Modeselektor – „Monkeytown“ (Monkeytown/Rough Trade)
Auch hier gibt’s die – übrigens sehr positive – Rezension bereits online zu lesen.
>>>> Albentrailer zu „Monkeytown“

James Morrison – „The Awakening“ (Island/UID/Universal)
Same here… Die Review gibt’s hier.
>>>> Videotrailer zum Album

Neon Indian – „Era Extrana“ (Cooperative Music/Universal)
Drei Sterne gibt es in unseren Kurzrezensionen: „Mit ihrem Debüt ‚Psychic Chasms‘ haben die Texaner nicht nur die Herzen von Elektro-Pop-Fans höher schlagen lassen, sondern gleich ein ganzes Genre definiert: Chillwave. Von dieser Welle lassen sie sich auch auf dem Nachfolger durch zwölf fantastisch verhallte Soundscapes tragen.“
>>>> Clip zu „Polish Girl“

Der Polar – „Herz & Blut“ (Ferryhouse/Warner)
Wodka, Koks und Nutten – das waren die Komponenten des recht harten Vidoes zu „Egoshooter“, der ersten Single von Der Polar. Der in Hamburg lebende Aachener fuhr damit aus dem Stand achtbare Klickzahlen bei Youtube und Co. ein.  Aber auch der Song selbst fräste sich ein. Eine seltsame Mischung war das nämlich: elektronisches Klicken, Sägen und Rasseln, monotones Klavierspiel und eine weiche, melancholische Stimme, die sang: „Du bist ein Egoshooter, du bist ein Egoshooter / du bist so kalt / Junge, du wirst nicht alt“. Spätere Singles, „Ich bin bei dir“ zum Beispiel, spielten dann eher die Befindlichkeitskarte, jedoch auch mit einem feinen Humor durchsetzt. „Du fragst mich, was geht? Und ich frage, was bleibt?“ Zwar ist nicht alles Gold auf diesem 77 Minuten-langen Album, aber das auf dem Titel versprochene „Herz + Blut“ ist drin.
>>>> Clip zu „Weggewischt“

Roots Manuva – „4everevolution“ (Big Dada/Rough Trade)
Nach dem 2008er-Album „Slime & Reason“ sorgte man sich bisweilen um das britische HipHop-Urgestein. Sein Humor schien ihm irgendwie abhanden gekommen zu sein, der Blick wurde nach innen gerichtet – und dort sah es anscheinend recht düster aus. Rodney Smith, so sein bürgerlicher Name, hat nun für dieses Album eine gute Mischung aus seinen traditionellen Stärken und wohl dosierter Experimentierlust gefunden. Sein britisch-jamaikanischer Humor ist treffsicher wie eh und je. Scheint also in Hochform zu sein, der Gutste. Die Single „Get The Get“, die im simfy-Player läuft, beweist das nachdrücklich.
>>>> Clip zu „Get The Get“

Spank Rock – „Everything Is Boring And Everyone Is A F***ing Liar“ (Boys Noize/Rough Trade)
Jürgen Ziemer vergibt in seiner „Beats“-Kolumne drei Sterne und meint: „Testosteron und schräger Humor liegen in der Luft, gleich der erste Track erinnert an den frühen Gangsta-Rapper Schooly D. Fünf Jahre nach dem Debüt ‚YoYoYoYoYo‘ erscheint jetzt endlich das zweite Album des Rappers aus Baltimore. Produziert von den deutschen Boys Noize, mit etwas Hilfe von Mark Ronson und einem Gastauftritt von Santigold, rollt hier das ultimative Jungs-Party-Tape aus den Boxen: ElectroPop-Hop, bis die Bullen kommen. Smart und derbe zugleich.“
>>>> Clip zu „DTF DADT“

Johannes Strate – „Die Zeichen stehen auf Sturm“ (Columbia/Sony Music)
Man kennt Johannes Strate als den Sänger der eloquenten Rocker von Revolverheld. Was man bis jetzt noch nicht wusste: Strate hat auch eine sensible Seite, der er jetzt ein ganzes Album gewidmet hat. Zwei Jahre und zwei Beziehungen hat es gedauert, bis „Die Zeichen stehen auf Sturm“ fertig war. Ein Album, auf dem der Liedermacher einfache und einfachste Worte findet für Liebesschmerz, Heimat und Aufbruch – und mit dem er wohl auch ein bisschen erwachsen werden will. Ob das gelungen ist, kann jeder im simfy-Player hören.

Zola Jesus – „Conatus“ (Souterrain Transmissions/Rough Trade)
Die Review ist bereits online unser ausführliches Interview ebenfalls.

Eine ergiebige Woche! In diesem Sinne: Viel Spaß im Plattenladen!